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KINOTE 02.2020

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Um einen Wandel der Finanzbranche erfolgreich zu meistern, müssen Kreditinstitute sowohl Chancen als auch Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz (KI) erkennen. Unter der neuen Marke KINOTE der Bank-Verlag GmbH finden Sie Meldungen, Studien und Fachartikel zum Themenkomplex KI. Wir beantworten Ihre Fragen rund um KI. Wir berichten über Trends, neue Technologien, Forschungsergebnisse und daraus entstehende Möglichkeiten, die KI Ihrem Unternehmen bietet.

18 02 | 2020

18 02 | 2020 Auswirkungen auf die Banken Quantencomputer und KI – ein erfolgreiches Zusammenspiel? Anspruchsvolle Künstliche Intelligenz benötigt neben einem hohen Datenvolumen eine enorme Rechenkapazität, um die Daten zu verarbeiten und notwendige Berechnungen durchzuführen. Moderne Quantencomputer bieten aufgrund ihrer physikalischen Beschaffenheit die Möglichkeit, größere Datenmengen schneller und effizienter zu nutzen als herkömmliche Computer. Was bedeutet es, wenn beide Technologien – Künstliche Intelligenz und Quantenrechner – zusammentreffen? Welche Chancen und Risiken könnten sich daraus ergeben – im Allgemeinen für Wirtschaft und Gesellschaft, aber auch speziell für Banken? Spätestens seit dem Jahr 1997, als der damalige Schachweltmeister Garri Kimowitsch Kasparow gegen den tonnenschweren Schachcomputer Deep Blue erstmals eine Partie verloren hatte, ist den meisten klar, dass Computer mehr können, als Fotos speichern und Präsentationen erstellen. Auch wenn Kasparow Anfang 2003 seine Rechnung mit dem Schachcomputer begleichen konnte, indem er der neuentwickelten Variante Deep Junior ein Unentschieden abrang, so ist inzwischen im gesellschaftlichen Bewusstsein doch angekommen, dass Computer sich der menschlichen Denkleistung zunehmend annähern und diese teilweise auch schon übertreffen. Beim Schachspiel kommt es generell darauf an, strategisch zu denken und sowohl die eigenen als auch die gegnerischen Spielzüge vorauszuplanen. Die Spieler sind abwechselnd an der Reihe und machen je einen Spielzug. Jede Figur darf dabei nur bestimmte Züge ausführen. Die Vorausplanung kann sich mit jedem Zug ändern. Für einen Computer ist die Vorausberechnung und das Simulieren von Abläufen eine leichte

02 | 2020 19 Aufgabe, da er die vorhandenen Daten zur Berechnung nutzt und alle möglichen Varianten ermittelt. Diese Berechnungen benötigen eine große Rechenleistung und ausreichend Speicherplatz, damit sie in angemessener Zeit erfolgen können. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz wird versucht, konkrete Anwendungsprobleme zu meistern. Meist sollen dabei – wie beim Beispiel Schach – das Denken oder bestimmte Entscheidungsstrukturen des Menschen so nachgeahmt und optimiert werden, dass ein entsprechend programmierter Computer definierte Probleme relativ eigenständig bearbeiten und lösen kann. Der Computer benötigt dafür Rechenkapazität, eine ausreichende Menge an relevanten Daten und die Algorithmen, die ihm vorgeben, was er mit den Daten tun soll. In den letzten Jahren haben sich die technischen Voraussetzungen für Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz stetig verbessert. Zum einen sind Sensoren, Chips u. ä. deutlich leistungsfähiger und kostengünstiger geworden, zum anderen hat sich die nationale wie internationale Forschung zu Künstlicher Intelligenz – entsprechende Algorithmen eingeschlossen – erheblich intensiviert. Auch in der Computertechnik selbst geht die Entwicklung weiter: Immer häufiger ist die Rede von Quantencomputern. Was sind Quantencomputer? Quantencomputer sind Computer auf einer neuen Stufe der technologischen Entwicklung auf Basis von Gesetzen der Quantenphysik. Durch ihre physikalischen Eigenschaften können sie eine noch deutlich größere Datenmenge in noch wesentlich kürzerer Zeit verarbeiten, indem sie mehrere Aufgaben simultan bearbeiten und nicht mehr Schritt für Schritt wie bei herkömmlichen Computern. Dadurch werden auch komplexere Simulationen und Analysen ermöglicht, die das Leistungsvermögen heutiger Computer übersteigen. Zudem können präzisere Ergebnisse und genauere Vorausberechnungen erzielt werden. Diese Vorteile von Quantencomputern ermöglichen künftig vermutlich die Lösung zahlreicher Optimierungsprobleme, zum Beispiel in der Transportbranche, wenn es darum geht, optimale Lieferrouten zu berechnen, gemessen am Spritverbrauch, der Verkehrslage und den Auslieferungspunkten. Durch entsprechende Verbesserungen würden Lkw-Fahrer deutlich weniger im Stau stehen, und die Logistikunternehmen könnten viel Zeit und Kosten sparen. Ein anderes Beispiel ist die Pharmazie, wo bei chemischen Verbindungen, deren Zusammensetzung sich ändert, Wirkungssimulationen sehr viel effizienter durchgeführt werden könnten. In naher Zukunft ist auch ein Einsatz zur Verbesserung der Cybersicherheit sowie bei Risikoanalyse und -management denkbar. Quantencomputer könnten zudem Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz wie Machine- oder Deep Learning großen Auftrieb verleihen, da hierbei besonders große Datenmengen aufbereitet und verarbeitet werden müssen. Durch Quantencomputer könnte KI „menschlicher“ werden Aufgrund ihrer technischen Beschaffenheit können Quantencomputer Rechenoperationen erheblich schneller und effizienter durchführen und dies, wie gesagt, zugleich mit mehreren Variablen. In Verbindung mit Künstlicher Intelligenz könnten dadurch etwa Chatbots und Roboadvisor im Dialog mit Kunden nicht nur „menschlicher“ wirken, sondern auch in Echtzeit eine bessere Beratung mit passgenauen Produkten anbieten. Zudem sind Quantencomputer besser in der Lage, Anomalien in Prozessen und Algorithmen zu erkennen, wodurch Angriffe auf IT-Systeme schneller erkannt und entsprechende Gegenmaßnahmen eingeleitet werden können. Quantencomputer finden vereinzelt bereits heute Anwendung. Seit dem Jahr 2016 bietet IBM den weltweit ersten Quantencomputer sogar in der Cloud für die Öffentlichkeit an. Hier können sich registrierte Nutzer über die Cloud mit dem Quantensystem verbinden und Algorithmen testen, Tutorials und Simulationen ausprobieren oder andere Experimente durchführen. Rasante Entwicklung Die Entwicklung im Bereich der Quantentechnologie ist rasant. In immer kürzeren Zeitabständen werden Steigerungen der Quantenbits, der derzeitige Maßstab für die Leistungsfähigkeit eines Quantencomputers, veröffentlicht. Fortschritte gibt

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