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diebank 10 // 2019

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT ETFS UND DIE

MARKT ETFS UND DIE FINANZMARKTSTABILITÄT Lukratives Anlageinstrument oder überwiegen die Risiken? Das in ETFs verwaltete Vermögen hat sowohl in Deutschland als auch weltweit in den letzten Jahren zugenommen. Deshalb ist zu analysieren, inwieweit diese Fonds aus Anlegersicht attraktiv sind und ob ihr Wachstum mit Risiken einhergeht, die die Finanzmarktstabilität gefährden könnten. Besonders in der derzeitigen Niedrigzinsphase ist es für Anleger schwierig, Konsummöglichkeiten in die Zukunft hinüberzuretten. Gleichwohl sollten Privatanleger für ihr Alter vorsorgen. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass das Vermögen in offenen Publikumsfonds in Deutschland wächst. ÿ 1 Im Jahr 2019 betrug der Anteil von Exchange Traded Funds (ETFs) am Nettovermögen in offenen Publikumsfonds in Deutschland 13,3 Prozent. 1 Und auch weltweit wächst das Vermögen, das von ETFs verwaltet wird, stark an. ÿ 2 Es stellt sich daher die Frage, durch welche Merkmale das starke Wachstum des Vermögens in ETFs zustande kommt und ob es zu erhöhten Risiken für die Anleger einerseits und die gesamte Finanzmarktstabilität andererseits führen könnte. Das Wesen von ETFs Gehen wir zunächst noch einmal kurz auf das Wesen eines ETF ein. Ein ETF ist ein offener Investmentfonds, der kleinere Anlagebeträge zu großen poolt und daher auch für Kleinanleger Diversifikation ermöglicht (Losgrößentransformation). Der Fonds wird passiv verwaltet und bildet einen Index nach. Er weist keine Laufzeitbegrenzung auf und wird (fortlaufend) an der Börse gehandelt. Das Fondsvermögen genießt den Schutz des Sondervermögens: Es wird durch eine Kapitalverwaltungsgesellschaft verwaltet, jedoch von ihr getrennt bei einer Verwahrstelle auf einem Treuhandkonto gehalten. Dadurch trägt der Investor nicht das Ausfallrisiko der Kapitalverwaltungsgesellschaft. Diese wird durch die Verwahrstelle und durch ihre unabhängigen Wirtschaftsprüfer kontrolliert. Die Nachbildung des Index kann entweder physisch oder synthetisch erfolgen. Physische Nachbildung Bei einer physischen Replikation werden die Bestandteile des Index, der nachgebildet werden soll, in den Fonds gekauft. Im klassischen Fall geschieht dies vollständig und führt dadurch bei sehr großen, breit gestreuten Indizes zu erheblichen Transaktionskosten, die die Rendite des Fonds im Vergleich zum Index schmälern und somit den Tracking Error – also die Abweichung zwischen dem Index und dem Fonds – erhöhen. Aus Investorensicht ist dies ungünstig. Deshalb gibt es Fonds, die unwesentliche Indexbestandteile weglassen und somit eine kleine aktive Management-Komponente in den grundsätzlich passiv gemanagten ETF einführen. Dieses Vorgehen wird als Sampling bezeichnet. Es führt zwar zu geringeren Transaktionskosten als bei einer vollständigen physischen Nachbildung, aber die Abweichung der Zusammensetzung von Fonds und Index führt wiederum zu Fehlern, dem sog. Tracking Errors. Synthetische Nachbildung Bei der synthetischen Replikation wird lediglich die Wertentwicklung des Index abgebildet, ohne die einzelnen Indexbestandteile im Fondsvermögen zu halten. Diese Abbildung wird im Normalfall mit einem Swap erreicht. Dabei erhält der ETF vom Swap-Partner die Wertentwicklung des Index, während der ETF einen festgelegten Zinssatz (bspw. Euribor plus Spread) oder die Performance eines festgelegten Portfolios an den Swap-Partner zahlt. 8 10 // 2019

MARKT In dieser Konstellation ist es möglich, dass der ETF ein Wertpapierportfolio selbst hält, das die Erträge generiert, die er an den Swap-Partner zahlen muss. Auch diese Wertpapiere gehören zum Fondsvermögen und genießen deshalb ebenfalls den Schutz des Sondervermögens. Liquidität von ETFs durch Börsenhandel Zwischen dem ETF und seinen Anlegern (Kunden) steht ein autorisierter Teilnehmer (Authorised Participant, AP), der die ETF-Anteile auf dem Primärmarkt von dem ETF kauft und auf dem Sekundärmarkt (also an der Börse) an die Kunden weiterverkauft. Bei Rückgabe der Anteile durch die Kunden nimmt der AP die Anteile ab und verkauft sie weiter an den ETF. 10 // 2019 9

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