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diebank 10 // 2019

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT

MANAGEMENT GESCHÄFTSGIROKONTO Große Preisunterschiede – Chancen für mehr Erträge? Im Rahmen einer Benchmark-Studie über die Gebühren für Geschäftsgirokonten wurden Preisunterschiede von bis zu 300 Prozent innerhalb und zwischen den deutschen Metropolregionen aufgedeckt. Banken bietet eine große Preisspanne die Möglichkeit, sich im Wettbewerb zu positionieren oder Erträge zu steigern. Aber auch für Kunden lohnt sich der Vergleich – mitunter sogar bei der eigenen Hausbank, wenn diese verschiedene Kontomodelle anbietet. In der aktuellen Vergleichsstudie 1 wird zwischen „Wenignutzern“ mit bis zu 600 Buchungsposten im Jahr, sowie „Vielnutzern“ mit bis zu 6.000 Buchungen im Jahr differenziert. Denn der von Geschäftskunden für Zahlungsverkehrsleitungen gezahlte Preis hängt sehr stark vom Umfang der Nutzung ab. Wegen der am Markt heute immer noch üblichen Preisstruktur – jede Leistung wird einzeln abgerechnet – unterscheiden sich die Kontopreise je nach Intensität der Nutzung und meist auch nach dem Nutzungskanal. Firmenkunden mit extrem hoher Nutzungsintensität sind hier nicht berücksichtigt. Sie konzentrieren sich auf wenige große Firmen oder städtische Unternehmen, wie etwa Elektrizitätswerke oder Wohnungsbaugesellschaften, die regelmäßig Zahlungseingänge einer Vielzahl von Kunden verbuchen und daher nicht über Standard-Kontomodelle bedient werden, sondern mit individuellen Preisvereinbarungen. Beim Vergleich der Preis- und Leistungsverzeichnisse von über 200 Instituten wurden die zentralen Preisbestandteile Grundpreis, Debitkarte, Gut- und Lastschriften, Überweisungen per Beleg sowie im Online Banking berücksichtigt. Weitere wichtige Bestandteile wie Bargeldmanagement, Electronic-Banking-Leistungen und auch Sonderkonditionen wurden zwar untersucht, aber nicht im Benchmarking abgebildet, da der Bedarf je nach Kundensegment und Branche sehr stark variiert. Auffällig sind die teilweise erheblichen Preisunterschiede für Geschäftsgirokonten innerhalb und zwischen den Metropolregionen Deutschlands. Wenignutzer der untersuchten Institute bezahlen im Durchschnitt 154 € pro Jahr für ihr Konto, wobei die Preisspanne zwischen mindestens 74 € im Rhein-Main-Gebiet und bis zu 267 € in München liegt. Im Vergleich der Durchschnittspreise zwischen den Regionen zahlen Wenignutzer im Schnitt am meisten in der Region Rhein- Ruhr (167 €) sowie in München (159 €), während Firmenkunden im Raum Bremen / Oldenburg mit durchschnittlich 141 € am wenigsten zahlen. ÿ 1 Vielnutzer bezahlen für ihr Konto im Durchschnitt 442 € pro Jahr, die Preisspanne liegt zwischen gut 140 € am unteren Ende im Rhein-Main-Gebiet und 835 € am oberen Ende in Nürnberg. Die regionalen Unterschiede machen sich bei den Vielnutzern noch deutlicher bemerkbar: Hier zahlen Kunden mit durchschnittlich 522 € die höchsten Gebühren in der Rhein- Ruhr-Region, gefolgt von München und Rhein-Main mit etwas über 490 €. Am wenigsten zahlen mit 373 € die Kunden in der Region Bremen / Oldenburg. Hohe Preisspannen in der eigenen Region bieten Banken die Möglichkeit, sich im Wettbewerb aktiv mit attraktiven Gebührenstrukturen zu positionieren, oder aber ihre Erträge über Preisanpassungen auf das regionale Durchschnittsniveau zu steigern. 32 10 // 2019

MANAGEMENT 1 | Aktuelle Jahrespreise – Kontopreis p. a. auf Basis der durchschnittlichen Kontonutzung ... ... eines Wenignutzers (120 - 600 Buchungen p. a.) 300 € 250 € 200 € 150 € 100 € 50 € 0 € Rhein-Ruhr Berlin/Brandenburg München Rhein-Main Stuttgart Hamburg Hannover Nürnberg Bremen/Oldenburg Mitteldeutschland Rhein-Neckar ... eines Vielnutzers (600 - 6.000 Buchungen p. a.) 900 € 750 € 600 € 450 € 300 € 150 € 0 € Rhein-Ruhr Berlin/Brandenburg München Rhein-Main Stuttgart Hamburg Hannover Nürnberg Bremen/Oldenburg Mitteldeutschland Rhein-Neckar Preisspanne im Wettbewerb Durchschnitt Hinweise: Preis- und Leistungsverzeichnis der einzelnen Institute unter Berücksichtigung folgender Preisbestandteile: Grundpreis, Debitkarte, Gut- und Lastschriften, Überweisungen per Beleg und im Online Banking. Sofern das Institut Firmenkunden mehr als ein Konto anbietet, erfolgt die Zuordnung anhand des Nutzungsverhaltens des günstigsten Kontomodells. Quelle: IM-Trendstudie Firmenkunden und Zahlungsverkehr 2019, N = 230 Geschäftsführer. Preisbereites Kundensegment Preisaspekte spielen bei ihrer Entscheidung über die Hausbankverbindung zwar eine wesentliche Rolle, wie die „IM-Trendstudie Firmenkunden und Zahlungsverkehr 2019“ unter 230 Unternehmern aus dem Frühjahr zeigt. Doch obwohl dabei 77 Prozent der Befragten angeben, dass für sie beim Abschluss die Höhe des Grundpreises und die Preise für die einzelnen Buchungsposten zentrale Entscheidungskriterien seien, kennen 53 Prozent der Befragten nicht den aktuellen Preis ihres Girokontos. Nur ein Viertel der Befragten, die mehr als 500 Buchungsposten pro Monat haben, wissen den exakten Preis ihres Geschäftsgirokontos. Bei Unternehmen mit 50 bis 99 Buchungsposten kennen sogar nur 16 Prozent die genauen Gebühren für das Konto. Das belegt: Beim Abschluss des Kontos ist der Preis zwar wichtig, anschließend verhalten sich Geschäfts- und Firmenkunden jedoch nicht reagibel, sofern die Leistung stimmt – zu groß ist der administrative Aufwand nach einem Wechsel der Bankverbindung und zu hoch die Bedeutung des Zahlungsverkehrs. Eine denkbare Strategie kann es also sein, stärker mit Testangeboten beim Neuabschluss zu arbeiten, zugleich aber regelmäßige Preisanpassungen im Bestand vorzunehmen. Zumindest der zweite Teil dieser Überlegung ist bereits zu den Banken durchgedrungen. Früher haben viele Institute vielleicht alle 10 // 2019 33

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