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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT

MANAGEMENT NACHHALTIGKEIT UND TCFD IM KERNGESCHÄFT Die schwierige Suche nach dem richtigen Berater Nachhaltigkeit rückt als Gestaltungselement von Geschäftsmodellen stärker in den Vordergrund. Sensibilität für Risiken und zunehmende Regulierung drängen Banken und Versicherungen dazu, Schritte aus ihrer bisherigen Komfortzone zu gehen. Mit Unterstützung von außen können diese Schritte leichter fallen, etwa im Themenfeld Klimaschutz. In einem heterogenen Beratungsmarkt den passenden externen Partner zu finden, hängt dabei auch vom Rollenverständnis und Herangehen der Einkaufsabteilungen ab. Der Finanzsektor ist seit Jahren im Umbruch. Vergleichsweise neu ist dabei eine Entwicklung, die vermehrt externe Impulse in die Branche spült: das Themenfeld der nachhaltigen Finanzwirtschaft, auch als Sustainable Finance bezeichnet. Banken und Versicherungen finden sich in einem durch Transformation geprägten Umfeld wieder, in dem es auch Fragen des Klimaschutzes nach ganz oben auf gesellschaftliche und politische Agenden geschafft haben und ihr Momentum entfalten. Spätestens seit Verabschiedung der 17 globalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDG) durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen im Herbst 2015 liegt hierzu ein weltweit gültiger Handlungsrahmen mit klaren Vorgaben für einen Zeitraum bis 2030 vor. Marlehn Thieme, erfahrene Bankerin und Vorsitzende des Rats für Nachhaltige Entwicklung (RNE), wies bereits im Dezember 2015 in einer Festrede vor Asset Managern auf die Notwendigkeit von Standards im Finanzsektor hin: Nachhaltigkeit dürfe nicht nur ein Label sein, Unternehmen sollten vielmehr aktiv und gestaltend in Transformationsprozesse eingebunden werden. Branche ruft nach Standards und Orientierung Das Petitum der RNE-Vorsitzenden spiegelt ein Begehren, das in den letzten Jahren auch aus der Branche selbst zu hören war. Während Finanzinstitute bei anderen Themen Standards oder Regulierung eher skeptisch gegenüberstehen, mehrten sich Stimmen, die ausdrücklich Leitlinien zu Nachhaltigkeitsfragen bei Banken und Versicherungen einforderten. Aus guten Gründen, denn die Modell- und Denkwelten der Finanzwelt hatten bislang Aspekte nachhaltiger Entwicklung oft als Extra Financials oder Intangibles angesehen. Sie waren bei der Mehrzahl der Institute nicht oder nur in Ansätzen in das Kerngeschäft integriert. Ein gemeinsamer Wissensstand fehlte. Demgegenüber zeigen Marktreaktionen inzwischen vielfältig, dass Sozial- und Umweltaspekte, wie sie auch die SDG repräsentieren, nicht nur allgemein für verantwortungsvolles Unternehmertum stehen. Sie wirken mit Chancen und Risiken direkt und materiell auf die Geschäfts- modelle im Finanzsektor ein. Die Themen- und Handlungsfelder dazu sind vielfältig: Sie reichen vom Kapitalanlagegeschäft über das Kreditrisikomangement, das Personalwesen oder die Unternehmenskommunikation bis zum Reputationsmanagement. Dynamik erschwert Orientierung Risikomanagement und Regulatorik sind die zwei Handlungsbereiche, die in dominierender Weise die Geschäftstätigkeit von Finanzinstituten bestimmen. Ihr Einfluss auf die Geschäftsmodelle wiegt oft stärker als das originäre Kundengeschäft. Daher verwundert es kaum, dass das Management in Banken und Versicherungen neben dem gewachsenen eigenen Risikoempfinden nun auch bei Nachhaltigkeitsthemen gleichermaßen interessiert wie verunsichert auf aktuelle politische Aktivitäten mit direkt oder faktisch regulativer Wirkung blickt. Zu ihnen zählen u. a. Standardsetzungen der EU wie der Aktionsplan Financing Sustainable Growth. Auch Arbeiten zu Eigenkapitalanforderungen und Nachhaltigkeitsrisiken aus dem Central Banks and Supervisors Network for Greening the Financial System (NGFS) sowie die Bundespolitik – hier vor allem die dort angestrebte Sustainable-Finance-Strategie – oder die jüngste Konsultation der BaFin zu Nachhaltigkeitsrisiken lassen die Branche aufhorchen. Begleitet werden diese Aktivitäten nicht nur von etablierten Fachverbänden, sondern auch von jungen, sektornahen Initiativen, unter deren Dach sich Marktakteure seit 2016 finden. Allerdings nicht ohne Komplikationen für die überwiegende Zahl der mehr als 2.200 deutschen Finanzinstitute. Denn die Anzahl von Aktivitäten, Erklärungen, Initiativen, Netzwerken und Vereinigungen erschwert gleichermaßen eine Orientierung wie auch die individuelle Positionierung der Unternehmen. Externe Beratung als Wegweiser Materielle Wirkungen von Nachhaltigkeitsthemen auf die eigene Gewinn- und Verlustrechnung wie auch das dynamische und intransparente Marktumfeld begründen bei einer wachsenden Zahl von Finanz- 20 10 // 2019

MANAGEMENT instituten Handlungsbedarf und nähren den Wunsch nach externer Begleitung. Auch fehlende Unterstützung durch Branchenverbände wird teils als Grund benannt, um sich dem Thema Nachhaltigkeit durch einen Berater angeleitet zu nähern. Bei Sozial- oder Umweltthemen sind die Motive, Unterstützung von außen als effektives Mittel zur Zielerreichung zu wählen, mit traditionellen Beratungsthemen vergleichbar. Wissenstransfer, Erfahrungsschatz und Projektorientierung stechen hier bei Aufgabenstellungen mit hoher Dringlichkeit und geringer interner Expertise als Vorteile der Zusammenarbeit mit externen Partnern hervor. Einer wachsenden Marktnachfrage folgend, verfügen viele der etablierten Beratungsgesellschaften daher mittlerweile über Spezialisten oder Sektorteams, die Nachhaltigkeitsfragen adressieren. Finanzinstitute berichten gleichzeitig darüber, dass die externe Beratung zu Nachhaltigkeitsthemen u. a. durch die Multidisziplinarität der Aufgabenstellungen neue Anforderungen an die Suche nach dem geeigneten Berater wie auch an die Projektdurchführung stellt. Ähnlich sieht dies aus Be- 10 // 2019 21

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