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diebank 10 // 2019

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT 2 | Anzahl der

MARKT 2 | Anzahl der Kreditinstitute in Deutschland in den Jahren 1957 bis 2018 16.000 14.000 12.000 10.000 8.000 6.000 4.000 2.000 0 1957 1967 1977 1987 1990 1997 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 Quelle: Deutsche Bundesbank. Beide Banken stecken in argen Schwierigkeiten, sodass es naheliegt, sich zu verbünden, um im Wettbewerb wieder stark zu sein. Auf diesen geschäftspolitisch durchaus wünschenswerten Effekt wiesen die Befürworter einer Fusion der beiden Großbanken hin. Gegner dieses Zusammenschlusses argumentierten hingegen, dass zwei schwache Banken auch bei einer Fusion schwach bleiben werden und wiesen in diesem Zusammenhang auf die Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank sowie der Dresdner Bank durch die Commerzbank hin. Beide Übernahmen sind nicht gerade positiv verlaufen und damit nicht von Erfolg gekrönt. Im Ergebnis brachen Deutsche Bank und Commerzbank ihre Fusionsgespräche nach einiger Zeit dann schließlich ab. Beispiel Commerzbank Das heißt jedoch nicht, dass die Banken ihre Fusionsabsichten ganz auf Eis legen. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall, wie das aktuelle Beispiel der Commerzbank zeigt. Nach einem umfassenden Restrukturierungsprogramm, das einen massiven Stellenabbau und Zweigstellenschließungen umfasst, möchte sie nun ihre Online-Tochter comdirect vollständig übernehmen. Das Gebot liegt aktuell bei 11,44 Euro je Aktie der Direktbank. Über den Nutzen lässt sich allerdings ebenfalls spekulieren. Denn auch die einschlägigen Kennzahlen der comdirect waren in der Vergangenheit eher schwach, da sie sich selbst in einem Transformationsprozess befindet: Die Cost-Income-Ratio lag mit 83,2 Prozent 2018 über dem Branchendurchschnitt, und die Eigenkapitalrendite ist von 15,8 Prozent auf 11,3 Prozent im selben Jahr gefallen. Das Vorsteuerergebnis für das Geschäftsjahr 2018 fiel mit 70,7 Mio. € ebenfalls geringer als im Vorjahr aus, das die Bank noch mit 94,9 Mio. € abgeschlossen hat. Allerdings konnte die comdirect neue Kunden gewinnen. Die Anzahl legte von 3,34 Millionen 2017 auf 3,59 Millionen Kunden im Jahr 2018 zu. Die Zahl der Girokonten erhöhte sich ebenfalls von 1,43 auf 1,57 Millionen Konten im gleichen Zeitraum. Zudem hat die comdirect nach einem guten dritten Quartal ihre Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr erhöht und erwartet für 2019 ein Ergebnis vor Steuern von mehr als 185 Mio. €. Was die Anleger allerdings vom Restrukturierungsplan der Commerzbank halten, zeigt ein Blick auf den Aktienkurs. Dieser pendelt seit geraumer Zeit um die 5-€-Marke und ist somit nur noch wenige Cents von seinem 52-Wochentief von 4,66 € je Aktie entfernt. Beispiel DekaBank und Helaba Neben den Privatbanken loten auch die öffentlich-rechtlichen Institute Zusammenschlüsse aus, die für beide Häuser einen geschäftspolitischen Mehrwert versprechen. Konkret können sich die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und die DekaBank, das Wertpapierhaus der Sparkassen, eine Zusammenarbeit vorstellen. Ein ähnlicher Trend zu Fusionen zeigt sich auch bei den Volks- und Raiffeisenbanken, die in der Rechtsform der eingetragenen Genossenschaften fungieren. Allein im Jahr 2017 fusionierten deutschlandweit etwa 57 Institute der Volks- und Raiffeisenbanken, im Jahr 2018 waren es nochmals 40. ÿ 3 Das Filialsterben wird weitergehen Dass der Druck auf Banken wächst, ihre Strukturen durch Zusammenschlüsse zu optimieren, ist unbestritten. Ebenfalls ist unbestritten, dass die Konsolidierung im Bankensektor angesichts kontinuierlicher und disruptiver Veränderungen nicht nur ein kurzfristiges Phä- 18 10 // 2019

MARKT 3 | Anzahl der Fusionen bei den Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland von 2000 bis 2018 300 250 200 150 100 50 0 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 Quelle: BVR. nomen, sondern ein in die Zukunft reichender Ausleseprozess sein wird. Die große Frage wird daher sein, welche Banken am Ende überleben werden und als Gewinner aus diesem Veränderungsprozess hervorgehen. Laut der Studie von Oliver Wyman wird der Ausleseprozess alle drei Bankensäulen treffen, die in der Konsequenz somit deutlich schlanker werden. Zugleich wird eine neue vierte Säule entstehen, die Auslandsbanken und neue Wettbewerber wie FinTechs umfassen wird. Diese vierte Säule ist sehr ernst zu nehmen, denn die Praxis zeigt bereits eindrucksvoll, wie FinTechs den Banken Kunden und Marktanteile abjagen und sogar in die erste Börsenliga aufsteigen. So hat es etwa das 1999 gegründete und auf den elektronischen Zahlungsverkehr spezialisierte FinTech-Unternehmen Wirecard in den deutschen Aktienindex DAX geschafft und damit die Commerzbank verdrängt. Im Jahr 2018 konnte Wirecard einen Gewinn in Höhe von rund 347,4 Mio. € erwirtschaften. Das entspricht einem Gewinnsprung von knapp 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vor dem Hintergrund der Digitalisierung und dem zunehmenden Auftreten von Fin- Techs, die veränderte Kundenwünsche mit innovativen Technologien bedienen, geben die Studienautoren den Banken daher zwei Gebote mit auf dem Weg, die ein nachhaltig erfolgreiches Geschäftsmodell in der Zukunft versprechen und in einem ambivalenten Umfeld Handlungsfähigkeit herstellen: (i) Training der kulturellen Flexibilität in der Organisation sowie (ii) Verbesserung der Innovationsfähigkeit. Erstaunlich ist, dass die Studienautoren nicht auf Kostensenkungsprogramme oder Wachstumsstrategieprozesse setzen, da diese ihrer Ansicht nach nur einen Begleiteffekt für den Erfolg haben und nicht zum üblichen Handwerkszeug deutscher Banken zählen. Vielmehr wird dem Faktor Mensch und damit den Mitarbeitern und den Führungskräften große Beachtung geschenkt, wobei letztere durch aktives Vorleben und Veränderungswillen den Weg in die Zukunft weisen müssen. FAZIT Eine Fusion ist in der Regel ein langwieriger Prozess, der zudem viel Geld kostet: Berater, Juristen und Strategen müssen den Zusammenschluss gut ausloten, seinen Mehrwert für alle Beteiligten erkennbar machen und trotz des komplexen Vorgangs wichtige strategische Weichenstellungen im Auge behalten. Zudem sollte – wie auch in einer herkömmlichen Partnerschaft – die Chemie zwischen den sich zusammenschließenden Banken stimmen. Sind diese Grundsteine gelegt, dürfte die angedachte Fusion den notwenigen Erfolg haben. Allerdings sind säulenübergreifende Fusionen schwierig umzusetzen. Neben rechtlichen Hürden gehören die Banken auch anderen Sicherungssystemen an. Deshalb werden sich die zukünftigen Bankenfusionen wohl nur innerhalb der jeweiligen Säulen vollziehen. Autorin Carmen Mausbach. Die Diplom-Kauffrau ist seit 2002 als freie Wirtschaftsjournalistin tätig. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist die redaktionelle Mitarbeit im Bus- Netzwerk für betriebswirtschaftliche und steuerliche Fachinformationen. 1 Die EZB führte allerdings auch eine Staffelung ein, sodass nicht mehr auf alle überschüssigen Gelder Strafzinsen erhoben werden. 10 // 2019 19

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