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diebank 09 // 2020

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REGULIERUNG FINSTABDEV

REGULIERUNG FINSTABDEV Die knappe Zeit bis zum Meldestichtag optimal nutzen Ein neues Wortungetüm kommt auf die deutschen Finanzdienstleister zu: Die FinStabDEV, die Finanzstabilitätsdatenerhebungsverordnung. Die soll zum Jahresende in Kraft treten und erfordert bis dahin noch viel Aufwand. Im gesamten Kreditprozess für private Wohnimmobilien werden Anpassungen erforderlich. Das Bundesministerium der Finanzen hat im Dezember 2019 mit einem Referentenentwurf für die „Verordnung zur Durchführung von Datenerhebungen durch die Deutsche Bundesbank“ die Weichen für die Finanzstabilitätsdatenerhebungsverordnung – kurz FinStabDEV – gestellt. Das Ziel der Erhebungen ist es, Datenlücken für Wohnimmobilienkredite zu schließen und dadurch mögliche Risiken für die Finanzstabilität frühzeitig zu erkennen. Die Verordnung tritt nach aktuellem Stand bereits zum 31. Dezember 2020 in Kraft. Banken sollten sich daher schnellstmöglich mit dem Thema auseinandersetzen. Denn der erste Meldestichtag folgt nur ein Jahr später, somit Ende 2021. Die geforderten Datenattribute bis zu diesem Stichtag zu ermitteln und ordnungsgemäß abzulegen, ist eine herausfordernde Aufgabe. Nur wenn Banken frühzeitig die Zuständigkeiten klären und Fachbereiche und IT eng zusammenarbeiten, können sie diese meistern. In den vergangenen beiden Jahren erlebten die Banken Regulierungsthemen betreffend eine eher ruhigere Phase. Doch das wird sich voraussichtlich noch dieses Jahr ändern: 60 09 // 2020

REGULIERUNG Mit dem neuen Referentenentwurf hat das Bundesfinanzministerium ordentlich Wirbel in die Bankenwelt gebracht und macht Anpassungen im gesamten Kreditprozess für private Wohnimmobilien erforderlich. Mit der Fin- StabDEV ist es der Deutschen Bundesbank zukünftig erlaubt, anonymisierte Daten über Wohnimmobilienfinanzierungen in Deutschland abzufragen. Damit soll sie die makroprudenzielle Risikolage besser einschätzen können. Ziel ist es, einer möglichen Immobilienblase, also einer deutlichen Überbewertung von Immobilien, rechtzeitig vorzubeugen. Zu den Meldungspflichtigen zählen vor allem die Kreditinstitute in Deutschland und Zweigniederlassungen ausländischer Kreditinstitute im Inland sowie Kapitalverwaltungsund Versicherungsgesellschaften. Die Banken haben ab dem Verordnungstag zwölf Monate Zeit, ihre Prozesse und IT-Systeme entsprechend aufzustellen und zu organisieren. Bereits jetzt hat die Aufsicht aber signalisiert, dass die Daten bis zu zwei Jahre rückwirkend vorliegen müssen. Fehler aus der Vergangenheit nicht wiederholen 2018 sorgte das Analytical Credit Dataset, kurz AnaCredit, für viel Aufregung in den europäischen Banken. Diese sollten im Rahmen der Verordnung granulare Kreditdaten über die nationalen Notenbanken an die Europäische Zentralbank melden. Während die Institute zunächst noch mit den Informationen, die sie neu beschaffen sollten, einverstanden waren und diese für leicht ermittelbar hielten, stellten sie im Nachgang fest, dass ihnen bestimmte Informationen gar nicht vorlagen und deren Beschaffung schwieriger war als gedacht. Auch heute – rund zwei Jahre nach dem Verordnungstag – haben die Banken noch immer Anpassungsbedarf. AnaCredit sollte den Banken daher als mahnendes Beispiel dienen, um Fehler aus der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Datenerhebung bedeutet großen Mehraufwand Mit Inkrafttreten der FinStabDEV müssen die Finanzdienstleister 19 melderelevante Informationen beziehungsweise Datenattribute über die Kreditvergabestandards von privaten Wohnimmobilienfinanzierungen erheben und gemäß der Anforderung der Deutschen Bundesbank aufsichtsrechtlich übermitteln. Zu den geforderten Daten zählen unter anderem: Z Angaben zur Immobilie: Marktwert, Beleihungswert, Nutzungszweck und Lage. Z Angaben zum Darlehen: Anzahl, Darlehenshöhe, Gesamtlaufzeit, Tilgungsquote, Zinssatz / Zinsbindungsfrist, effektiver Zinssatz, Restschuld nach Ablauf der Zinsbindungsfrist. Z Angaben zum Darlehensnehmer: Alter, Schulddienstfähigkeit, Darlehensbedienungsquote. Z Relationen beziehungsweise Quoten: Darlehensvolumen-Immobilienwert-Relation, Gesamtverschuldung-Einkommen- Relation, Darlehensvolumen-Einkommens-Relation, Verhältnis zwischen Kredithöhe und Mieterlösen und Zinsdeckungsquote. Z Angaben zu bankinternen Risikozahlen: Probability of Default (PD), Loss Given Default (LGD), Expected Lost (EL) und Risk-Weighted Assets (RWA). Eine Erhebung personenbezogener Daten ist dabei nicht vorgesehen. Die Bankenbranche konnte bis zum 31. Januar 2020 zu dem Referentenentwurf Stellung nehmen – einige Verbände haben dies getan. Momentan wertet die Aufsicht den Entwurf anhand der Stellungnahmen der Bankenverbände noch aus. Voraussichtlich soll der Referentenentwurf aber bereits Ende dieses Jahres zur Verordnung werden – eventuell auch mit Veränderungen. In ihren Stellungnahmen beanstanden die Verbände bislang teilweise, dass der Entwurf zu unkonkret sei. So vermisst die Deutsche Kreditwirtschaft beispielsweise den klaren Fo- 09 // 2020 61

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