Aufrufe
vor 11 Monaten

diebank 09 // 2020

  • Text
  • Insbesondere
  • Deutschland
  • Deutschen
  • Risiken
  • Deutsche
  • Markt
  • Afrika
  • Institute
  • Unternehmen
  • Banken
die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT Das Beispiel

MARKT Das Beispiel Tunesien Ähnlich wie in anderen Ländern der MENA-Region (Nahost und Nordafrika) sind 98 Prozent der Unternehmen in Tunesien kleinste, kleine und mittlere Unternehmen, sogenannte KKMU, mit weniger als zehn Beschäftigten. Dennoch werden nur etwa 16 Prozent der Bankkredite in Tunesien an KKMU ausgereicht, etwa 49 Prozent fehlt es an ausreichender Finanzierung. Für Unternehmen in der Gründungsphase fallen diese Zahlen noch höher aus. Um das Wachstum der tunesischen Wirtschaft zu unterstützen und zusätzliche Jobs zu schaffen, sind Reformen im Banken- und Finanzsektor sowie zusätzliche Finanzdienstleistungen zentrale Voraussetzungen. Deshalb hat das BMZ mit der tunesischen Regierung eine Reformpartnerschaft im Banken- und Finanzsektor vereinbart. Durch das KKMU-Kreditprogramm der KfW wird sich das Angebot an Finanzdienstleistungen für KKMU in Tunesien verbessern. Eine weitere Kreditlinie zielt auf bessere Finanzierungsangebote in der Gründungsphase von Unternehmen ab. Die neu geschaffene Mittelstandsbank „Banque des régions" nach Vorbild der KfW wird insbesondere Finanzdienstleistungen für KKMU im ländlichen Raum bereitstellen. Gleichzeitig wurden mit der tunesischen Regierung Reformen vereinbart, um die Rahmenbedingungen im Banken- und Finanzsektor zu verbessern, zum Beispiel durch die Schaffung eines Kreditbüros (ähnlich der deutschen SCHUFA) und eines Einlagensicherungsfonds sowie durch Restrukturierung des Bankensektors. rem institutionelle Kunden in Afrika betreut. Aus Sicht des Marktführers ist es unerlässlich, dass Banken ihr Engagement auf dem Kontinent aufrechterhalten und noch intensivieren, um Finanzierungslücken beim Aufbau der Infrastruktur zu schließen und das anhaltende Wachstum zu begleiten. Helmut Gauges, der bei der staatlichen KfW Entwicklungsbank die finanzielle Zusammenarbeit mit Afrika und Nahost leitet, nennt als zusätzliches Argument für das verstärkte Engagement den Migrationsdruck. „Nur wenn sich die Lebensverhältnisse vor Ort nachhaltig verbessern, lässt dieser Druck nach.“ Die Neuzusagen der KfW Entwicklungsbank für Projekte in Afrika seien sprunghaft gestiegen. Vor der Fokussierung auf den nach Fläche und Einwohnerzahl zweitgrößten Kontinent waren es 1,7 Mrd. €, im Jahr 2019 bereits 3,5 Mrd. €, das entspricht 43 Prozent aller weltweiten Neuzusagen. In diesem Jahr rechnet Gauges mit 4 Mrd. €. „Damit leistet 14 09 // 2020

MARKT 2 | Größte Risiken für deutsche Unternehmen in Afrika Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen 50 % Finanzierung 44 % Wechselkurs 44 % Nachfrage 40 % Fachkräftemangel 35 % Handelsbarrieren 30 % Energie- und Rohstoffpreise 29 % Arbeitskosten Rechtssicherheit 22 % 24 % Infrastruktur 15 % Quelle: Statistisches Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research. die KfW einen wichtigen Beitrag, um eine stabile Entwicklung vor Ort zu gewährleisten“, sagt Gauges, der auf die vielfältigen Herausforderungen verweist: z. B. die Bevölkerungsverdoppelung bis 2050, eine Investitionslücke von geschätzten 3,5 Mrd. US-$ bis zum Jahr 2040, die Armutsbekämpfung und die Entwicklung einer Good Governance. Zu neuen Finanzierungsprodukten zählt neben „Africa Grow“ und „Africa Connect“ (siehe Kasten) der eco.business Fund, ein Fonds für grüne Projekte, der 2014 für Lateinamerika gegründet wurde und wegen seines Erfolgs auf Afrika ausgeweitet wird. Ziel sei es, Unternehmen zu unterstützen, die herkömmliche durch nachhaltige Produktionsmethoden in der Land- und Forstwirtschaft, der Fischerei und dem Tourismus ersetzen oder bereits nachhaltig wirtschaften. Der Fonds leitet Kredite über lokale Banken an forst- und landwirtschaftliche Unternehmen und Genossenschaften in Afrika weiter oder zahlt sie direkt aus. Um qualifizierte Ausbildung und Beschäftigung vor Ort bedarfsgerecht zu fördern und die BMZ-Sonderinitiative Ausbildung und Beschäftigung zu unterstützen, hat die KfW Anfang 2020 die „Investitionen für Beschäftigung GmbH“ (IfB-GmbH) gegründet. In den kommenden Jahren werde der Kontinent über das größte Arbeitskräfteangebot weltweit verfügen. Jährlich entstehe ein Bedarf an 20 Millionen neuen Stellen, so Gauges. Mit der Sonderinitiative will die Bank daher z. B. Lehrwerkstätten, Zertifizierungs-Labore für Exportstandards, aber auch Infrastruktur sowie den afrikanischen Mittelstand fördern. Ziel ist es, binnen fünf bis sieben Jahren 100.000 qualifizierte Arbeits- und 30.000 Ausbildungsplätze zu schaffen. Um die negativen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abzufedern, stellt die IfB-GmbH zudem Mittel zur Sicherung bestehender Beschäftigungsverhältnisse bereit. Aus Sicht von Gauges sind die wirtschaftlichen und sozialen Folgen von Corona für Afrika gravierend. „Daher finanzieren wir dieses und auch nächstes Jahr ein Corona-Sonderprogramm in Afrika von mehr als 3 Mrd. €, das sich auf Beschäftigung, Förderung von Kleinunternehmen, soziale Sicherung und staatliche Haushaltshilfen fokussiert.“ Trotz aller Herausforderungen ist Christian Toben von der Commerzbank von den Chancen weiter überzeugt und bezeichnet die für 2021 erwartete Panafrikanische Freihandelszone als gute Opportunität für eine neue verlängerte Werkbank Europas: „Die deutsche Wirtschaft muss im Rahmen ihrer finanziellen Kräfte vor Ort Flagge zeigen. Sonst machen das Geschäft andere.“ Autorin Eli Hamacher ist Diplom-Volkswirtin und arbeitet seit 30 Jahren als Wirtschaftsjournalistin. Die Freelancerin schreibt für „die bank“ vor allem über die Branche und Porträts über einzelne Unternehmen. Ein weiterer Fokus ihrer Arbeit sind Auslandsmärkte. 09 // 2020 15

die bank

© die bank 2014-2020