Aufrufe
vor 2 Jahren

diebank 09 // 2019

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT

MANAGEMENT GESCHÄFTSMODELLE: STATE STREET CORPORATION Mit Technologie die Regulierungsanforderungen meistern Auch der Vermögensverwaltungs- und Verwahrungsmarkt sieht die Regulierung kritisch, teilweise wird gar vor einer Überregulierung der Branche gewarnt. Zahlreiche Branchenvertreter betrachten die Anlage- und Liquiditätsregulierung als Bedrohung für ihr Geschäftswachstum. 1 Der Autor berichtet aus seiner Praxis als Finanzdienstleister und skizziert Wege, um der Regulierungsflut mit verbesserten Geschäftsmodellen, effizienten Prozessen und dem intelligenten Einsatz neuer Technologien zu begegnen. Die Menge und die Komplexität der Regelwerke und Einzelbestimmungen, die Vermögensverwalter zu befolgen haben, sind in den vergangenen zehn Jahren massiv angewachsen. Die Geschäftstätigkeit von Banken, Versorgungswerken, Versicherungen und sowie der Investmentbranche sind seit der Finanzkrise 2008 ein Gegenstand kontinuierlicher Überprüfung. Regierungen und Aufsichtsbehörden wollen zukünftige systemische Risiken vermeiden und den Anlegerschutz verbessern. Zusätzlich wird die Vermögensverwaltung durch Regulierungen tangiert, die sich auf mehrere Sektoren beziehen, wie die europäische Gesetzgebung für die betriebliche Altersversorgung (IORP) oder die EU-Datenschutz-Grundverordnung sowie die MiFID II oder die PRIIPs-Verordnung. Darüber hinaus hat auch das anhaltende Wachstum der Vermögensverwaltungsbranche selbst zu einer verstärkten Überprüfung durch Politik und Aufsichtsbehörden geführt. Wildwuchs der Vorschriften Im Nachgang der jüngsten Finanzkrise wurden in der Europäischen Union von 2011 bis 2019 mehr als 1.000 EU-Richtlinien, Durchführungsbestimmungen, Leitlinien und Empfehlungen verabschiedet, die Hälfte davon innerhalb der letzten zweieinhalb Jahre. 2 All dies erzeugt einen erheblichen Druck auf die Ressourcen der Unternehmen. In unserer jüngsten Growth-Readiness-Studie wurden Anlage- und Liquiditätsvorschriften als 32 09 // 2019

MANAGEMENT 1 | Regulierung und Digitalisierung bedrohen Wachstumsziele Die State-Street-Marktstudie „Growth Survey” zeigt, dass Regulierung Wachstumsziele bedroht. Zusammen mit dem politischen Ausblick bedeutet dies, dass externe Effekte die größte Sorge der Asset Manager und ihrer Kunden sind. Größte Bedrohungen für die Geschäftsentwicklung in den kommenden 5 Jahren – Plätze 1, 2 & 3 Top 3 threats, by institution Regulierung beherrscht das Anlageverhalten Politische Aussichten in unseren Schlüsselmärkten Regulierung beherrscht das Liquiditätsrisiko Einfluss der Regulierungsbehörden auf Investmentgebühren Geldpolitik in unseren Schlüsselmärkten Zinsausblick in unseren Schlüsselmärkten 41 % 43 % 40 % 42 % 38 % 40 % 34 % 37 % 33 % 35 % 32 % 34 % Insurance Regulation governing investment behaviour (45 %) Regulation governing liquidity risk (45 %) Monetary policy in our key market(s) (43 %) Asset Owners Regulation governing liquidity risk (46 %) Regulation governing investment behaviour (45 %) Economic growth outlook in our key market(s) (42 %) Wirtschaftswachstum in den wichtigsten Märkten 29 % 32 % Emerging Technologies (Blockchain, KI, usw.) 27 % 29 % Aktienausblick in den wichtigsten Märkten 26 % 27 % Asset Manager Total zwei der drei größten Bedrohungen für die Wachstumsmodelle der europäischen Vermögensverwalter eingestuft. 3 Zugleich beklagten Vermögensverwalter, Versicherungen und Vermögenseigentümer gleichermaßen, dass die Regulierung des Anlageverhaltens die bedeutendste Bedrohung ihres Geschäftswachstums innerhalb der kommenden fünf Jahre darstellt. Diese Zahl stieg zuletzt innerhalb eines Jahres von 37 Prozent auf 43 Prozent. Eine Folge-Umfrage unter rund 300 Vermögensverwaltern weltweit, davon 109 in Europa, ergab, dass die Compliance-Kosten für die Einhaltung der Vorschriften einen erheblichen Einfluss auf das Kerngeschäft und die Geschäftstätigkeit der Vermögensverwalter hatten. Von den europäischen Umfrageteilnehmern gaben 15 Prozent an, dass sie ihre Compliance-Ausgaben in den kommenden zwölf Monaten um 10 Prozent oder mehr erhöhen würden. Auf Sicht von drei Jahren rechnen sogar 38 Prozent mit einer Erhöhung in diesem Rahmen. Fast ein Viertel der europäischen Vermögensverwalter gab an, dass die Umwidmung von Finanzmitteln und anderen Ressourcen in Compliance-Aufgaben dazu führen würde, dass sie Teile ihrer bestehenden Geschäftstätigkeiten voraussichtlich einstellen würden. Ähnlich viele glauben, dass dies ihre Expansion in neue Geschäftsbereiche verhindern könnte. Die Verbraucher waren ebenfalls unter den Verlierern, denn 28 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass die Regulierung die Kosten der Anleger erhöhe, und 24 Prozent warnten, dass die Informationen, die sie an die Verbraucher weitergeben müssen, zu komplex seien. Diese Ergebnisse zeigen, dass Regulierung in vielen Fällen anders wahrgenommen wird als von den Machern beabsichtigt: Anstatt ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen zu vermitteln, hat sie eher eine Atmosphäre von Pessimismus und Unzufriedenheit geschaffen. Die Vermögensverwalter unterstützten jedoch eine wirksame Regulierung ihrer Branche und akzeptierten ihre Aufgabe, Anlagen für ihre Kunden und die Weltwirtschaft sicherer zu machen. Mehr als drei Viertel der von uns befragten europäischen Vermögensverwalter glauben, dass die Regulierung die Transparenz der Anlageprodukte verbessert hat, 71 Prozent sind der Meinung, dass sie den Anlegerschutz verbessert habe, und 69 Prozent gehen davon aus, dass die Regulierung eine zukünftige Finanzkrise weniger wahrscheinlich gemacht habe. Vorsprung bei der Prozessautomatisierung Vor diesem Hintergrund suchen die Unternehmen nach Lösungen, um die Einhaltung dieser Vorschriften sowohl für ihr Kerngeschäft als auch für ihre Kunden weniger belastend zu gestalten. Eine Möglichkeit ist die Prozessautomatisierung. Und dabei haben die europäischen Vermögensverwalter einen Vorsprung gegenüber dem weltweiten Branchen-Durchschnitt: 42 Prozent gaben an, „viele Prozesse“ für einzelne Vorschriften bereits automatisiert zu haben, verglichen mit 38 Prozent weltweit. Viele investierten auch in Technologien zur Verbesserung des Automatisierungsgrads, insbesondere in die Dokumentenerstellung, die Echtzeitdatenerfassung und -analyse. Die Automatisierung und Internationalisierung des Geschäfts gleichzeitig voranzutreiben, bleibt aber eine Herausforderung: Nur 09 // 2019 33

die bank

© die bank 2014-2020