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diebank 07 // 2020

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

BERUF & KARRIERE YVENNA

BERUF & KARRIERE YVENNA FRINGS fand es „super“, dass auch Azubis in einem Fachmagazin zu Wort kommen dürfen. Sie machte deshalb gleich mal einen Screenshot vom virtu- ellen Interview auf Teams, um später eine Instagram- Story unter „santanderkarriere“ zu posten. Seit Ausbruch der Pandemie arbeitet die angehende Kauffrau für Büromanagement im Homeoffice und ist froh, dass sie noch bei den Eltern lebt. „Anfangs bin ich schon in ein Tief gefallen“, gibt die 20-Jährige offen zu und fürchtet, dass es mit Blick auf die vielen Schutzmaßnahmen nach ihrer Rückkehr „auch nicht mehr so schön wie vorher werden könnte“. Aber sie gewinnt der Pandemie auch gute Seiten ab. „Ich habe gelernt, sehr eigenständig zu arbeiten und meinen eigenen Weg beim Lernen zu finden.“ Bis August war Frings bei der Santander im Bereich People & Culture. Sie begleitete die Umstellung des Recruitings auf einen komplett virtuellen Prozess und gestaltete die Einführungswoche des neuen Azubi-Jahrgangs mit. In der Berufsschule war sie nur noch alle zwei Wochen freitags, statt an zwei Tagen pro Woche. „Dank der digitalen Berufsschule Prüfungs.TV und der In-Work-Academy, die von Präsenz-Seminaren in der Hauptverwaltung auf Online-Formate umgestellt hat, kann ich mich gut auf die Klausuren vorbereiten.“ Bei den Prüfungsterminen hat Frings Glück gehabt. Im Rahmen der neuen Ausbildungsordnung macht sie die gestreckte Abschlussprüfung. Der erste Teil, der 30 Prozent zum Ergebnis beiträgt, findet erst am 30. September statt. Ende 2021 wird Frings, die bereits eine Ausbildung zur Tourismuskauffrau abgeschlossen hat, ihre Ausbildung beenden. Sorgen um ihre Zukunft in der Branche macht sie sich nicht. ale Studenten, 2019 waren es noch 272. „Im kommenden Jahr werden wir aber wieder auf 260 aufstocken“, sagt Ausbildungsreferentin Nicole Soesanto. Um die technologischen Kompetenzen ihrer Mitarbeiter bei fortschreitender Digitalisierung zu stärken, kommen als neue duale Studiengänge zudem ein Bachelorstudiengang BWL, Fachrichtung Bank mit Schwerpunkt u. a. Digitalisierung, sowie ein Bachelorstudiengang Informatik hinzu. Erstmals bietet das Institut zudem eine Ausbildung zum Personaldienstleistungskaufmann an. Während Covid-19 bei den befragten Banken überwiegend keinen negativen Einfluss auf die Zahl der Ausbildungsplätze hatte, sieht der langfristige Trend in der Branche anders aus. Laut dem Statistik-Onlineportal Statista ging die Ausbildungsquote (Auszubildende in Prozent des Stammpersonals) im privaten Bankgewerbe in Deutschland binnen zehn Jahren von 5,9 Prozent (2008) auf 4,0 Prozent (2018) zurück. Wie das Angebot an Stellen hat sich auch die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen während der Pandemie unterschiedlich entwickelt. Überrascht hat zum Beispiel Uwe Miehs, dass sich trotz Corona-Krise sogar mehr Schulabgänger als 2019 beworben hätten. Der Ausbilder der Frankfurter Sparkasse nennt für den Anstieg drei mögliche Gründe: „Wegen der Pandemie mussten viele Schulabgänger geplante Auslandsaufenthalte streichen, einige, vor allem kleinere Unternehmen haben die Einstellungen erst einmal auf Eis gelegt, und auch die Sicherheit eines Arbeitsplatzes in der systemrelevanten Finanzbranche dürfte eine Rolle gespielt haben.“ Die Chance hat sich die Fraspa nicht entgehen lassen. „Wir haben sofort auf unserer Website kommuniziert, dass es bei uns mit der Ausbildung weitergeht“, sagt Miehs. Soesanto von der Targobank berichtete hingegen, dass die Bewerberzahlen zunächst zurückgegangen seien, da die Ausschreibung der offenen Stellen vorübergehend gestoppt worden sei. Diese hätten sich mittlerweile aber wieder normalisiert. Gerhard von der KfW stellt fest, dass unabhängig von Corona das Interesse an einer Bankausbildung wegen der nachlassenden Reputation der Branche deutlich gesunken sei. Im vergangenen Jahr sei die Zahl der Bewerber bei der KfW noch vierstellig gewesen, jetzt nur noch dreistellig. „Die Attraktivität des Ausbildungsberufs Bankkaufmann hat in den vergangenen Jahren leider sehr stark abgenommen“, sagt auch Katja Horn, die bei der Santander Bank das Azubi-Recruiting verantwortet. Die Positionierung von Santander als guter Ausbildungsbetrieb gewinne deshalb zunehmend an Bedeutung (siehe Interview). 68 07 // 2020

BERUF & KARRIERE KIM METSCHURAT und DENIS KUCKUCK, beide Auszubildende im dritten Lehrjahr bei der Targobank in Berlin, haben während der Pandemie vor allem die persönlichen Kundenkontakte in der Filiale gefehlt. Vom 21. März bis Anfang Mai waren alle Filialen der Bank geschlossen, öffneten dann wieder für die persönliche Beratung von Terminkunden sowie schließlich seit dem 25. Mai auch wieder für alle Kunden „Zur Vorbereitung auf die Prüfung sind die Kundengespräche in der Filiale sehr wichtig, man wird von Mal zu Mal selbstbewusster“, sagt Metschurat. Auch das Lernen zu Hause sei ihr schwerer gefallen als in der Berufsschule, wo man leichter Fragen stellen könne. „Das digitale Lernangebot Prüfungs.TV hat mir aber gut geholfen, um Inhalte zu bearbeiten und besser zu verstehen.“ Im Juni hieß es dann: „Prüfung bestanden.“ Im September startet die 22-Jährige nun ein Studium zur Diplom-Finanzwirtin. Denis Kuckuck hingegen bleibt bei der Targobank und macht dort noch eine sechsmonatige Zertifizierung zum Anlageberater. Die Auswirkungen der Pandemie hat der 23-Jährige nicht nur in der Bank zu spüren bekommen. „Ich engagiere mich bei der Freiwilligen Feuerwehr und wurde von der Bank für zwei Schichten pro Woche freigestellt, um die Berufsfeuerwehr zu unterstützen.“ Dort war es wegen infizierter Kollegen zu Engpässen gekommen. Um seine berufliche Zukunft sorgt sich Kuckuck nicht. „Die Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig die Bank ist. Die Kunden wollten am liebsten persönlich mit ihren Beratern sprechen, weil die Sorgen etwa um die Zukunft ihres Unternehmens oder ihres Arbeitsplatzes zugenommen haben.“ Eine Bank werde es immer geben. Neue Ausbildungsordnung greift Mit der neuen Ausbildungsordnung, die seit dem 1. August 2020 für den Beruf Bankkaufmann/-frau gilt, stellt sich die Branche zeitgemäßer auf. Ihr Vorgänger stammt aus dem Jahr 1998, also aus einer Zeit, in der mobile Kommunikation noch kaum eine Rolle spielte. Digitaler, kunden- und praxisorientierter soll die Ausbildung künftig sein. Was sich für die Auszubildenden ändert, beschreibt Katja Hain von der Deutschen Bank. „Die Praxisphasen in unserem Ausbildungskonzept werden um ein neues, sogenanntes Blended-Learning-Konzept mit vielen digitalen Komponenten (Live-Online-Trainings, Online-Nuggets, Podcasts, LernClips, etc.) ergänzt. Hier wurde insbesondere auf die Beratung sowie die Entwicklung der Soft Skills (u. a. Kommunikationsfähigkeit, Eigeninitiative, Teamfähigkeit, Reflexionsfähigkeit, Kreativität) viel Wert gelegt.“ In einem neuen Projektmanagement-Training werden zudem agile Arbeitsmethoden vermittelt und im Rahmen eines anschließenden Projektauftrags vertieft. Die Kombination mit einem kompakten Trainingskonzept soll die persönliche Handlungs- und Beratungskompetenz der Nachwuchskräfte stärken und beim kompetenten Umgang mit digitalen Medien helfen. Bei der HypoVereinsbank bekommt jeder neue Azubi einen alten Azubi an die Seite gestellt. Was die neue Ausbildungsordnung aus deren Sicht bringt, darüber können sich die Azubi-Tandems dann austauschen. Autorin Eli Hamacher ist Diplom-Volkswirtin und arbeitet seit 30 Jahren als Wirtschaftsjournalistin. Die Freelancerin schreibt für „die bank“ vor allem über die Branche und Porträts über einzelne Unternehmen. Ein weiterer Fokus ihrer Arbeit sind Auslandsmärkte. 07 // 2020 69

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