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die bank 06 // 2019

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MARKT HISTORISCHER

MARKT HISTORISCHER ABRISS Mythos Gold – selten und wertbeständig? Seit Jahrtausenden ist Gold das Symbol für Reichtum und Macht. Gold gilt als selten und wertvoll. Von der Antike bis ins 20. Jahrhundert dienten Münzen aus Gold als hochwertige, international anerkannte Zahlungsmittel. Heute noch wird Gold zur Vermögensbeimischung empfohlen. Doch wie selten ist das Edelmetall wirklich? Und wie sieht es mit der Wertbeständigkeit des Edelmetalls auf lange Sicht aus? Ein historischer Abriss zum Mythos Gold. Goldgulden der Reichsstadt Köln, um 1500. 20 Mark, 1871 in Preußen. Gold wird knapp!“, titelte die Finanzzeitschrift Börse Online im März 2019. Gold war natürlich immer schon knapp, sonst hätte es nicht seit Jahrtausenden einen hohen Wert und besäße nicht den Nimbus hoher Wertbeständigkeit. Und doch: Kann man von Knappheit reden, wenn etwa 3.000 Tonnen Gold jährlich neu gefördert werden? Die weltweiten Goldbestände nehmen von Jahr zu Jahr zu. Doch auch die Nachfrage scheint zuzunehmen. Denn sonst könnte der Goldpreis nicht steigen. Wie viel Gold gibt es inzwischen auf der Welt? In dem von der Deutschen Bundesbank herausgegebenen Buch „Das Gold der Deutschen“ wird die gesamte in der Menschheitsgeschichte weltweit geförderte Goldmenge mit etwa 187.200 Tonnen beziffert. 1 Diese Menge Gold zusammengelegt bzw. zusammengeschmolzen, ergäbe einen Würfel von 21,3 Metern Kantenlänge. Ist Gold damit nun selten oder nicht? Es hängt wohl von der Betrachtungsweise ab. Ein Würfel dieser Größe würde jedenfalls nicht ausreichen, um das Hauptportal des Kölner Doms vollständig zu verdecken, denn das Portal ist einschließlich Ziergiebel immerhin 28 Meter hoch. Weltweiter Goldbestand seit 1870 verzehnfacht Etwa zwei Drittel der heute weltweit vorhandenen Goldbestände wurde nach 1950 gefördert. ÿ 1 Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 betrug der Weltgoldbestand nur rund ein Sechstel des heutigen. Im Zeitalter des internationalen Goldstandards, der Währungsordnung von etwa 1870 bis 1914, stand mit 19.000 bis 33.000 Tonnen erheblich weniger Gold zur Verfügung als heute. Noch weit geringer waren die Goldvorräte im Mittelalter und in der Antike. So dürfte zu Zeiten des römischen Kaisers Augustus (27 v. Chr. bis 14 n. Chr.) der gesamte vorhandene Goldbestand nur schätzungsweise 5.000 Tonnen betragen haben. Das ist weniger, als heutzutage in zwei Jahren neu an Gold gefördert wird. Bis zum Ausgang des Mittelalters 1.500 Jahre später hatte sich der weltweite Goldbestand etwa verdoppelt. Bis ins 19. Jahrhundert 16 06 // 2019

MARKT 1 | Wie viel Gold gibt es? Entwicklung des Weltgoldbestands Weltweite Goldbestände in 1.000 t Weltbevölkerung in Millionen Durchschnittlicher Goldbestand pro Kopf in g um Chr. Geb. 5 231 22 um 1500 10 438 23 um 1600 11 556 20 um 1700 12 603 20 um 1820 14 1.042 13 um 1870 19 1.272 15 1913 33 1.791 18 1950 62 2.524 25 2001 140 6.149 23 2018 187 7.622 25 Weltbevölkerung nach Angus Maddison, The World Economy, OECD 2006, S. 636. Bei den Goldbeständen handelt es sich um Schätzwerte nach eigenen Recherchen und Berechnungen. Quellen: insbes. Ferdinand Friedensburg, Gold, 2. Aufl. Stuttgart 1953; Edition Deutsche Bank, Gold, Frankfurt/Main 1986; World Gold Council; u. a. m. hinein blieb die Goldförderung insgesamt eher bescheiden. Von 1500 bis 1820 nahmen die Goldvorräte von etwa 10.000 auf 14.000 Tonnen zu. Erst als Mitte des 19. Jahrhunderts neue große Goldfelder in Kalifornien und Australien entdeckt wurden, beschleunigte sich der Goldabbau erheblich auf rund 200 Tonnen jährlich – gegenüber weniger als 10 Tonnen im Jahresdurchschnitt des 16. und 17. Jahrhunderts. 2 Im 21. Jahrhundert erhöhte sich die jahresdurchschnittliche Goldförderung auf bis zu rund 3.000 Tonnen. Goldvorrat pro Kopf in 2000 Jahren kaum zugenommen Während Goldförderung und -bestände im Lauf der Jahrhunderte immer weiter anstiegen, vor allem seit der Industrialisierung im 19./20. Jahrhundert, nahm der Goldbestand pro Kopf der Weltbevölkerung kaum zu. Rechnet man das weltweit vorhandene Gold auf die Bevölkerungszahl um, so entfallen heute auf jeden Menschen im statistischen Schnitt etwa 25 Gramm Gold (ÿ 1). Das ist kaum mehr als zu Zeiten des römischen Kaisers Augustus (etwa 22 Gramm) oder zu Beginn der Neuzeit (etwa 23 Gramm). Wenn sich also in den vergangenen 2.000 Jahren der Goldvorrat pro Kopf kaum erhöht hat, ist Gold dann auch langfristig wertstabil geblieben? Klar ist: Seitdem die Goldbindung der US-Währung 1971 aufgegeben wurde, zog der Goldpreis unter Schwankungen stark an, Gold wurde erheblich teurer. So stieg der Preis für eine Unze Gold von 35 US-$ im Jahr 1970 auf über 600 US-$ 1980. Dann war der Höhenflug erst einmal vorbei. 3 Um die Jahrtausendwende kostete die Unze Gold weniger als 300 US-$. Bis 2010 zog der Goldpreis dann wieder an auf über 1.400 US- $, 2011 wurden mehr als 1.800 US-$ erreicht. Im April 2019 lag er mit rund 1.300 US-$ deutlich unter früheren Höchstständen. Goldpreis seit 1971 stark gestiegen In Euro gerechnet lag der Preis für eine Unze Gold 1970 bei rund 65 €, stieg bis 1979 auf mehr als 200 € und erreichte 1980 zeitweise über 600 €. Zur Jahrtausendwende stand die Unze Gold bei knapp unter 300 €, zog in den folgenden Jahren unter Schwankungen an bis auf über 1.000 € im Jahr 2010 und über 1.300 € 2012. Aktuell (April 2019) liegt die Unze Gold bei etwa 1.140 €. Doch auch auf säkulare Sicht blieb Gold nicht wertstabil. Wobei es keinen Sinn macht, für die Zeit von Edelmetallwährungen den Wert des Goldes in Währungseinheiten zu messen. In einer Goldwährung ist der Preis des Goldes ja per definitionem fest an die Währung gekoppelt. Die Frage nach der langfristigen Wertentwicklung von Gold bedeutet daher: Wie viel konnte man für eine Einheit Gold kaufen? Messen wir den Wert des Goldes deshalb am Brotpreis, der jahrhundertelang eine wichtige Rolle spielte. Denn in vorindustrieller Zeit mussten die Menschen einen erheblichen Teil ihres Einkommens für Brot ausgeben. So veranschlagte der Wirtschaftshistoriker Wilhelm Abel in seinem Buch „Agrarkrisen und Agrarkonjunktur“ bei einer fünfköpfigen Maurerfamilie um 1600 in Antwerpen die Ausgaben für Brot auf das halbe Einkommen. Und um 1800 musste eine vergleichbare Familie in Berlin gut 44 Prozent ihres Einkommens für Brot ausgeben. Erst mit steigendem Wohlstand verlor der Brotpreis seine Bedeutung. Für einen langfristigen historischen Vergleich zur Ermittlung des Werts bzw. der Kaufkraft von Gold ist der Brotpreis also durchaus geeignet. Beginnen wir im späten Mittelalter. Um 1300 war 1 Kilogramm Roggenbrot für etwa 0,2 Gramm Silber zu haben. 4 Demnach erhielt man – beim damaligen Wertverhältnis der beiden Edelmetalle zuein- 06 // 2019 17

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