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diebank 06 // 2020

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT CORONA-SCHOCK IM

MARKT CORONA-SCHOCK IM BANKENSEKTOR Es könnte noch viel schlimmer kommen Europas Banken werden den durch den Corona-Virus ausgelösten exogenen Schock dank der komfortablen Kapitalund Liquiditätspuffer relativ gut absorbieren können. Anders als bei der Finanzkrise steckt die Gefahr für den Bankensektor diesmal in den Kreditbüchern. Falls die globale Wirtschaft jedoch in eine schwere Rezession abgleiten sollte und der Stress an den Finanzmärkten deutlich zunimmt, könnten die Ausfallraten der Banken – je nach Szenario – dramatisch ansteigen. Im Vergleich zur letzten großen Krise vor zehn Jahren sind die Banken wegen des heute höheren Kernkapitals, der geringeren illiquiden Vermögenswerte, der stärker diversifizierten Erträge und der stärkeren Überwachung durch die Aufsichtsbehörden durchweg widerstandsfähiger gegenüber Rezessionen. Hinzu kommt, dass der gegenwärtige Schock nicht systemisch ist und die Zentralbanken und Regierungen schneller und entschlossener reagiert haben als während der Finanzkrise. Allerdings werden die Belastungen und Risiken für die Finanzindustrie erst nach und nach in Wellen in vollem Umfang zu sehen sein. Um die Banken besser gegen den erwarteten massiven Wirtschaftsabschwung in Europa zu wappnen, wurden ihnen gewisse Spielräume – im Kontext mit der Bilanzierungsvorschrift IFRS 9 zur Bildung einer Risikovorsorge – von den Aufsichtsbehörden gewährt. Ungeachtet aller massiven geld- und fiskalpolitischen Gegenmaßnahmen dürfte das Umfeld für Europas Banken in den kommenden Monaten schwieriger werden. Falls der wirtschaftliche Abschwung stärker ausfällt, werden die Banken Rückstellungen für notleidende Kredite wahrscheinlich erhöhen müssen. Dies dürfte die ohnehin schwache Profitablität weiter belasten und im Extremfall zu einer stärkeren Konsolidierung in Europa führen. Wenngleich die Corona-Krise die Bankenlandschaft verändern wird, werde die Veränderung nicht so deutlich ausfallen wie in Zeiten der Finanzkrise, vermutet auch Gökhan Öztürk, Partner im Bereich Financial Services bei Oliver Wyman. Fehler aus der Vergangenheit nicht wiederholen Mit Blick auf die globale Finanzkrise in den Jahren 2008/2009, die sich zu einer Wirtschaftskrise entwickelte, ist die gegenwärtige Krise eine Wirtschaftskrise, „die sich zu einer Wirtschaftskrise entwickelte. Falls das Corona-Virus dennoch die Finanzwirtschaft infiziert, kann es schnell zu einer Finanzkrise wie im Jahr 2008 kommen“, mahnen die Professoren Dr. Moritz Schularick und Dr. Sascha Steffen von der Frankfurt School of Finance & Management in ihrer Veröffentlichung mit dem Titel „A Pro- 8 06 // 2020

MARKT tective Shield for Europe's Banks“. Auch wenn die momentane Situation nicht durch falsch handelnde Banker verursacht wurde und die Branche durch Instrumente wie den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) auf einem solideren Fundament steht, müssten weitere Maßnahmen erfolgen, um die hiesigen Banken zu stabilisieren, sind sich die Professoren sicher. Bereits Ende März hat Moody’s die Aussichten für die zehn größten europäischen Bankensysteme vor dem Hintergrund der Coronavirus-Pandemie überprüft und die Aussichten für sechs Märkte von stabil auf negativ zurückgestuft. Dabei handelt es sich um Frankreich, Italien, Spanien, Dänemark, die Niederlande und Belgien. Für Deutschland und Großbritannien wurde der negative Outlook belassen. Moody's hatte die Outlooks für diese beiden Bankensysteme bereits im November bzw. Dezember 2019 von stabil auf negativ geändert und begründete die Abstufung damit, dass diesen Ländern eine Verschlechterung der Qualität der Bankbilanzen drohe und zusätzliche Rücklagen für notleidende Kredite auf die Profitabilität drücken werden. Im April hat Standard & Poor‘s seine Einschätzung für viele deutsche Banken wegen der Corona-Krise geändert. Als Folge dessen stufte die Ratingagentur die Commerzbank um eine Note auf „BBB+“ herab, der Ausblick wurde auf „negativ“ belassen. Bei der Deutschen Bank hingegen bleibt es zwar bei der Einstufung mit „BBB+“, der Ausblick wurde jedoch von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt. S&P begründete den Schritt damit, dass bei den Banken selbst bei einer im dritten Quartal beginnenden Konjunkturerholung mit einer deutlichen Verschlechterung der Ergebnisse zu rechnen sei. Auch dürfte sich die Krise auf die Kreditqualität und in einigen Fällen auch auf die Kapitalausstattung negativ auswirken. Nachdem S&P im April 2019 lediglich etwa zehn Prozent der Ratings europäischer Banken mit einem negativen Ausblick versehen hat, hat sich dieser Anteil inzwischen auf knapp 40 Prozent erhöht (Stand Ende April 2020). Mit einem signifikanten Herabstu- 06 // 2020 9

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