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diebank 06 // 2020

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT IDEEN FÜR EINE

MARKT IDEEN FÜR EINE BESSERE KUNDENBINDUNG Die „bunte Bank“ rettet das deutsche Privatkundengeschäft In einer Zeit, in der Banken zunehmend Filialen schließen, zwingt sie die durch die Pandemie hervorgerufene Krise zu weiteren Sparmaßnahmen. Diese hat nicht nur weite Teile des sozialen Lebens eingeschränkt, sondern auch im Privatkundengeschäft ihre Spuren hinterlassen. Doch mit der Möglichkeit, mittels einer institutsübergreifenden Kooperation eine Filiale gemeinsam mit Wettbewerbern zu betreiben, lassen sich sowohl Kosten senken als auch angestammte Kundenverbindungen festigen. 18 06 // 2020

MARKT Die Anzahl der Bankfilialen ist seit der Zeit, als die Finanzmarktkrise noch nicht virulent war, bis Ende des Jahres 2018 laut Deutscher Bundesbank von 47.086 auf 27.887 gesunken. Das ist ein Rückgang von 40 Prozent. Der Prozess des Ausdünnens der Niederlassungsnetze der drei Institutsgruppen ist noch nicht abgeschlossen. Ankündigungen über den weiteren Abbau von Filialen sind landauf und landab zu vernehmen. Selbst die Deutsche Bundesbank geht von weiteren Filialschließungen aus. Deren Folge ist meist auch ein Freisetzen von Mitarbeitern. Doch ist der Rückzug aus der Fläche die einzig richtige Antwort auf den Wettbewerb, der von der Digitalisierung und somit mit neuen und nicht mehr ganz so neuen Anbietern (wie z. B. N26) befeuert wird? Offensichtlich haben sich die Banken von einem lange gültigen Prinzip verabschiedet: Wer das Girokonto besitzt und die Baufinanzierung bestreitet, hat den Zugang zum privaten Kunden. Um diese beiden Ankerprodukte konkurrieren Versicherungsunternehmen und zunehmend online-gestützte Vergleichsportale. Nicht alle Kreditinstitute antworten auf diese Herausforderungen mit dem Dezimieren ihrer Filialnetze. Sie trotzen dem Rückzug aus der Fläche. Es gibt neue strategische Überlegungen im Vertrieb: Zwei oder mehr Kreditinstitute teilen sich einen Filialstandort und betreiben ihn abwechselnd. Gerade um die negativen Folgen der Krise abzumildern, bietet sich ein Sharing-Modell an. Gefahr für das Privatkundengeschäft Es ist keine allzu kühne Überlegung, dass das Privatkundengeschäft der herkömmlichen Kreditinstitute über kurz oder lang auf dem deutschen Markt marginalisiert sein wird. Dazu gibt es eine Reihe belastbarer Indikatoren: Z Die Anzahl der Kreditinstitute selbst geht zurück; aber auch deren Filialnetze werden immer kleiner. Z Die Know-how-Träger im Privatkundengeschäft in den einzelnen Instituten werden immer weniger. Z Der Wettbewerb, dessen Verschärfung seit Jahrzehnten immer wieder beschworen wurde, nimmt nunmehr bedenkliche Züge an. Die ehemaligen Newcomer (z. B. ING, Santander) haben ihre Wettbewerbsposition nach und nach kräftig ausgebaut. Z Neuartige Wettbewerber wie die Smartphone-Bank N26 treten hinzu. Z Im Konsumentenkreditgeschäft etabliert sich eine neue Kategorie Finanzdienstleister: eine Internetplattform in Zusammenarbeit mit einem Kreditinstitut (z. B. Smava, Check24 und Verivox). Z Und schließlich rollen aggressive Tech- Konzerne (Google, Apple, Facebook und Amazon; kurz GAFA) mit ihren Zahlungsverkehrsprodukten wie Paypal oder Google Pay das zentrale Geschäftsfeld der Banken, den Zahlungsverkehr, auf. Z Hinzu kommt eine relativ strenge Regulierung, die einen hohen Aufwand bedeutet und auch zum Ausdünnen des Angebots führt. Im Extremfall werden einzelne Finanzdienstleistungen nicht mehr angeboten. Kleinere Institute verzichten mittlerweile aus Kosten- und Zeitgründen auf die Beratung in Sachen Wertpapiere. Z Und schließlich vermiesen Negativzinsen den Erfolg der Geschäftssparte. Sind die privaten Kunden davon betroffen, hält sich deren Begeisterung darüber verständlicherweise in Grenzen. Der nicht zu unterschätzende Vorteil der Tech-Konzerne liegt in ihrer Datenbasis. Milliarden von Daten schöpfen sie aus den Transaktionen ihrer Kunden. Darüber hinaus stehen ihnen die persönlichen Angaben ihrer Kunden von Anfang an zur Verfügung. Bei den deutschen Kreditinstituten liegen diese Daten ebenfalls seit Jahrzehnten vor. Diesen Schatz hätten sie längst heben können. Das Nutzen dieses Datenschatzes unterblieb jedoch aus unterschiedlichen Gründen. Einmal werden die Kundendaten fehlerhaft oder nur rudimentär festgehalten. Dann besitzen Kreditinstitute eine heute mehr als veraltete IT-Architektur, die wiederum nach dem Silo- Prinzip konzipiert worden ist. Es wurden anfänglich einzelne Finanzdienstleistungen als Standard betrachtet und nicht die jeweilige Kundenverbindung. Bisherige Lösungsansätze Der „Kuchen Privatkundengeschäft“ der angestammten Banken wird von vielen Seiten „angeknabbert“. Um das Privatkundengeschäft in den schwarzen Zahlen zu halten, liegt eine Maßnahme rasch auf der Hand: das konsequente Reduzieren von Kosten. Es herrscht erkennbar vorrangig das Prinzip: das Sparen von Kosten nach zurückgehenden Erlösen. Zahlreiche interne Prozesse sind bereits optimiert worden. Als Stichworte mögen hier beispielhaft angeführt werden: Business Process Engineering und Outsourcing. Die Schnittstelle zum Kunden wurde ebenfalls einer Umstrukturierung unterzogen. Die Selbstbedienung entlastet die Erfolgsrechnung erheblich. Das Online Banking als vorerst letzte Stufe dieser Entwicklung bringt für beide Seiten große Vorteile. Bei den Banken sinken die fixen und variablen Kosten, die Kunden wiederum erlangen eine gewisse Unabhängigkeit, beispielsweise von den Öffnungszeiten. Diese Unabhängigkeit entfremdet allerdings die Kunden von ihrem Kreditinstitut, ihrer Filiale und insbesondere auch von ihrem Berater. Zwar gelangt man aufseiten einer Bank zu der Erkenntnis, dass die Kunden die Niederlassungen nicht mehr zu schätzen wüssten. Es ist jedoch unbestritten, dass die Anzahl der Besuche in den Niederlassungen stetig zurückgegangen ist. Die Frage, ob wirklich nur die Emanzipation der Kunden zu ei- 06 // 2020 19

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