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die bank 12 // 2015

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BERUF & KARRIERE

ó BERUF & KARRIERE ALEXANDER METTENHEIMER Der Futurist fi AT THE TOP Auf den ersten Blick lässt bei diesem Treffen äußerlich vieles auf einen „typischen Banker“ schließen. Alexander Mettenheimer lehnt sich im Sessel in seinem Büro in der Bockenheimer Landstraße in Frankfurt gemütlich zurück – im dunkelblauen Nadelstreifenanzug, dem traditionellen Banker- Arbeitsdress. Er wirkt gelassen und in sich ruhend. Der zweite Blick bietet ein ergänzendes Bild: Mettenheimer könnte auch als Professor durchgehen. Auf ein solches Image deutet jedenfalls die Fliege an seinem Hemdkragen hin. Seine Aussagen sind klar und verständlich und von sehr viel Sachverstand gekennzeichnet. Und das nicht nur in Sachen Finanzmärkte, wie bei der folgenden Tour d‘Horizon festzustellen ist. Der 1952 geborene Frankfurter bezeichnet sich selbst als „Sachsenhäuser Bub“. Nach dem Jura-Studium erlernte er die Feinheiten des Bankings bei der Citibank in London. Sein CV weist danach verantwortliche Funktionen bei der Citibank in Deutschland, Mexiko und den USA aus. Später war Mettenheimer als Sprecher der Geschäftsleitung der Merck Finck & Co sowie als stellvertretender Verwaltungsratschef der BayernLB tätig. Im Juni 2015 wurde er interimistisch in den Vorstand der BHF Bank AG als Sprecher berufen. Nein, er halte es nicht für wahrscheinlich, dass die Welt in den kommenden Jahren eine Wiederholung der „großen Depression“ der 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts und demgemäß eine Massenarbeitslosigkeit erleben wird. Die Grundstrukturen der Weltwirtschaft seien heute wesentlich stabiler, und die Weltwirtschaft sei eng miteinander verflochten. Dies ermögliche unter anderem, rascher auf Fehlentwicklungen zu reagieren und sie zu korrigieren. Der Vorstandssprecher der BHF-Bank setzt bei unserem Meeting eine jener Stärken in die Praxis um, die zahlreiche Unternehmenschefs gerne als Teil ihrer Vita sehen: Alexander Mettenheimer ist überzeugter Team-Player. Er bezieht Stephan Rieke, einen der Ökonomen der Bank ins Gespräch ein, als es um den Status quo und die Zukunft der Weltwirtschaft geht. Alexander Mettenheimer hat klare Vorstellungen davon, was z. B. Maßnahmen des Staats in der Wirtschaft anrichten.„In besonderen Fällen können staatliche Eingriffe durchaus sinnvoll sein.“ Etwa wenn der Kern eines in eine Krise geratenen Unternehmens durch staatliche Eingriffe erhalten bleiben könne. „Hier haben auch Private-Equity-Unternehmen in der Vergangenheit als Ideen-Vorreiter Großartiges geleistet“, lobt der Banker. Festzustellen sei allerdings, dass Deutschland in Sachen Finanzmärkte, Aktien, Börsen und Altersvorsorge einen Nachholbedarf habe, sagt Mettenheimer und zieht dabei den Vergleich zu den USA. „Dort bei der Citibank haben wir uns im Kollegenkreis während meiner Tätigkeit in den Mittagspausen fast täglich über die eigene Altersvorsorge unterhalten“, erinnert er sich. In Deutschland scheine das für die meisten Menschen kein Thema zu sein, beklagt er und nennt mögliche Gründe: „Dies hängt wohl vor allem auch mit der mangelnden Ausbildung in Finanzfragen zusammen.“ Soll sich der Staat stärker aus der Wirtschaft zurückziehen und dem Bürger mehr Verantwortung überlassen? Seine Karriere in der internationalen Bankenwelt zeigte in den vergangenen Jahren steil nach oben. Neben seiner Tätigkeit bei der Citibank war er später als Sprecher der Geschäftsleitung von Merck Finck & Co sowie als stellvertretender Verwaltungsratschef der BayernLB tätig. Hier hat er das Rüstzeug für seine Rolle bei der BHF-Bank erhalten. Die Gremien des Instituts hatten Mettenheimer bereits im Jahr 2001 ein Angebot unterbreitet, die Rolle als Finanzchef zu übernehmen. Doch Mettenheimer war 76 diebank 12.2015

BERUF & KARRIERE ó auch damals schon ein gefragter Bank- Manager. „Seinerzeit kam gleichzeitig die Offerte von Merck Finck, dort die Rolle des Vorstandschefs zu übernehmen“, erklärt er seine damalige Absage. Mitte Juni wurde Alexander Mettenheimer die Führung der BHF-Bank übertragen. „Nein, ich musste nicht lange nachdenken“, beantwortet er die Frage nach seiner Reaktion auf die Anfrage des BHF-Bank-Aufsichtsrats und lächelt. Die BHF-Bank sieht sich selbst als verlässlichen und integren Partner für Unternehmen und Unternehmer. Zu ihren Kunden zählen sehr vermögende Privatanleger, institutionelle Investoren und international engagierte mittelständische Unternehmen. In diesem Segment des Gesamtmarkts besteht ein riesiges Potenzial. Denn etwa eine Hälfte des Vermögens in Deutschland ist in Immobilien investiert, die andere Hälfte in Unternehmensbeteiligungen. Mit rund 1.100 Mitarbeitern ist die BHF-Bank selbst ein mittelständisch geprägtes Haus. So könne man sich leichter in die Gedankenwelt des Mittelstands und dessen Bedürfnisse einfinden. Viele Dinge in der Wirtschaft sind nach Einschätzung Mettenheimers heute nicht rein ökonomisch zu betrachten, sondern auch politisch beeinflusst. Um das zu erkennen, brauchen gerade auch Banken in der immer schneller getakteten Welt eine sehr schnelle Reaktionsbereitschaft. Die Frage nach den aktuellen Herausforderungen in der Welt, in Europa und im eigenen Land und nach den Ursachen der „gestressten Welt“ bringt den Top-Banker in Fahrt. Er beklagt u. a. fehlenden Respekt unter den Menschen und mit Blick auf die Wirtschaft die überbordende Regulierung in vielen Bereichen des Lebens. „Whatever will be will be – the future is fl Was Alexander Mettenheimer stört, ist das oft unsinnige Festhalten an starren Regeln und Vorschriften. not ours to see“, antwortet er auf mehrere Fragen mit dem Text eines alten Doris- Day-Songs. Was Alexander Mettenheimer stört, ist das oft unsinnige Festhalten an starren Regeln und Vorschriften. „Wir brauchen mehr Flexibilität – gerade auch in der Wirtschaft“, lautet eine seiner Kernaussagen. Der ordnungspolitische Rahmen sollte flexibler gestaltet werden. Wenn sich Deutschland z. B. beim Länderfinanzausgleich schwertue, dürfe man nicht überrascht sein, wenn es im Gebilde der Europäischen Union an vielen Ecken und Enden hake. Daher sei in vielen Bereichen der Wirtschaft mehr Flexibilität angesagt. Natürlich ist auch Mettenheimer bewusst, dass in der breiten Öffentlichkeit eine gewisse Skepsis gegenüber Banken und Unternehmern existiert. Diese müsse hinterfragt werden: „Ist es nicht so, dass jeder Kapitalgeber in marktwirtschaftlichen Systemen eine gewisse Gewinnerwartung haben muss oder zumindest haben sollte?“, fragt er. Die zunehmende Regulierung mache es Banken jedoch immer schwerer, angemessene Renditen zu erzielen. Die Sprache kommt auf die Stärkung der Eigenverantwortung. Deutschland müsse auf ein Modell hinarbeiten, das Schulung und Ausbildung obenan stelle und für eine bessere Aufklärung in Sachen Wirtschaft und Finanzen sorge. Der Leichtgläubigkeit von Sparern und Anlegern könne nur mit zielgerichteter Information begegnet werden. Als Beispiel nennt der Banker jene Zeiten, als ausländische Banken in Deutschland für Festgelder einen hohen, über dem Markt liegenden Zins boten. Es hätte Anlegern seinerzeit klar sein müssen, dass mit solchen Angeboten immense Risiken verbunden waren, zumal einheimische Institute gerade einmal die Hälfte dieser Zinssätze boten. Mettenheimer sieht auch die Finanzbranche in der Pflicht, nachhaltige Aufklärungsarbeit zu leisten. „Banken müssen der Öffentlichkeit besser erklären, was sie tun, warum sie es tun und wo ihr volkswirtschaftlicher Nutzen liegt.“ Denn sonst bestehe die Gefahr, dass Missverständnisse zur Fehleinschätzung in der Öffentlichkeit führen. Gerade in einer medial geprägten Gesellschaft sei das sehr wichtig. „Wir müssen den Dialog mit den Menschen suchen“, stellt er Forderungen an sich selbst und seine Kollegen. Über ihre Stiftung leiste die BHF-Bank ihrerseits einen Beitrag dazu, Bildungschancen zu verbessern. Mettenheimer ist in Frankfurt geboren. „Ich bin ein Sachsenhäuser Bub“, sagt er mit einem gewissen Stolz. Er hat das Lessing-Gymnasium besucht. „Das ist im übrigen nur wenige hundert Meter von hier“, deutet er aus seinem Bürofenster in fl Banken müssen der Öffentlichkeit selbst besser erklären, was sie tun und warum sie es tun. nordöstliche Richtung . Auch sein Jura- Studium hat er an der Uni in Frankfurt abgeschlossen und trug von 1977 bis 1982 politische Verantwortung als Stadtverordneter. Der Vater von vier Kindern ist nicht nur sehr stolz auf seinen Nachwuchs, sondern auch auf die Gemälde an seinen Büro-Wänden, die seine aus Afrika stammende Frau gemalt hat. Der Besitzer einer Wein-Farm in der Republik Südafrika zeigt sich im Gespräch als ein Freund des „Wahren, Schönen und Guten“. So gehören u. a. Besuche der Oper zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. ó Jonas Dowen 12.2015 diebank 77

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