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die bank 12 // 2015

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó IT & KOMMUNIKATION

ó IT & KOMMUNIKATION Handlungsalternativen: angreifen oder expandieren ZAHLUNGSVERKEHR Wenn die Deutschen Geld ausgeben – ob im Ladengeschäft oder im Restaurant, beim Tanken oder im Taxi – werden immer noch rund 50 Prozent der Bezahlvorgänge in bar abgewickelt. Doch dies ändert sich – zwar langsamer als z. B. in den skandinavischen Ländern, aber langfristig wird neben der verstärkten Nutzung von Karten die Verbreitung von Smartphones und Tablets das Kauf- und Bezahlverhalten beeinflussen. Die deutschen Anbieter im Zahlungsverkehr müssen schnell auf die veränderten Anforderungen reagieren, sonst sind sie die Verlierer der bereits einsetzenden Konsolidierung im Markt. Im schlimmsten Fall könnte es in fünf Jahren keinen relevanten deutschen Anbieter mehr für den unbaren Zahlungsverkehr geben, fürchten die Autoren. Torge Doser | Nicolas Kipp Keywords: Payment, Strategie, Bezahlverfahren, FinTechs Insbesondere dann, wenn die Nutzung digitaler Medien dem Konsumenten einen für ihn erkennbaren Vorteil verschafft, wird er sein Verhalten ändern und damit auch von der klassischen Barzahlung zur bargeldlosen Zahlung wechseln. MyTaxi ist ein klassisches Beispiel dafür, wie intelligente Lösungen in beeindruckend kurzer Zeit das Nutzungs- und Bezahlverhalten am Markt verändern. PayPal bietet bereits ähnlich intelligente Lösungen, die das Bargeldproblem von Konsumenten lösen und damit einen echten Mehrwert etwa beim Bezahlen an Snack-, Park- oder Fahrkartenautomaten bieten. Online und offline wachsen zusammen Auf das veränderte Kundenverhalten haben sich viele Händler bereits eingestellt und bieten ihre Waren und Dienstleistungen kanalübergreifend sowohl im stationären Handel als auch im eCommerce an. Sichere, einfache und vor allem vom Kunden akzeptierte Bezahlverfahren sind dabei für den Händler zwar ein wichtiges Thema, sie sind aber auch für ihn mit Risiko behaftet, weil das gewählte Verfahren hohen Einfluss auf die Conversion Rate und damit direkt auf den Umsatz hat. Händler suchen nach Anbietern, die sie über die verschiedenen Kanäle hinweg begleiten und ihnen die relevanten Bezahlverfahren in einfachen Prozessen ermöglichen und günstig die Integration am Verkaufsort (Point of Sale, POS) und im Webshop gewährleisten. Die One-Stop- Solution bei einem verlässlichen Partner, der große Teile der Wertschöpfungskette am POS und im eCommerce abdeckt, löst für den Händler die sich dabei stellenden Herausforderungen. Da der Markt für die Abwicklung der Zahlungen im Hintergrund in der Vergangenheit von vielen mittelständischen und vor allem national agierenden Anbietern mit hoher Spezialisierung auf Teile der Wertschöpfungskette besetzt war, sehen sich diese nun vor einer großen Herausforderung. Dies gilt in gleichem Maß für die wenigen verbliebenen Anbieter, die als Tochtergesellschaften deutscher Banken im Markt für die Abwicklung von unbaren Zahlungen aktiv sind. Das mobile Bezahlen hat entgegen sämtlicher Prognosen bislang nicht den Durchbruch geschafft. Die Kunden verhalten sich zögerlich, der skizzierte Mehrwert gegenüber den klassischen Bezahlvarianten ist für den Konsumenten bei den vorhandenen Angeboten häufig nicht erlebbar. Die besonders beim deutschen Verbraucher hoch relevante Frage der Sicherheit erweist sich häufig als intransparent, und die bislang geringen Möglichkeiten der tatsächlichen Nutzung führen dazu, dass Mobile Payment noch nicht im Alltag angekommen ist. Nachdem einige FinTechs bereits das Bezahlen im Internet dominieren, zeichnet sich nun ab, dass bereits bekannte und neue Anbieter, wie z. B. Apple, auch den – gegenüber dem eCommerce etwa zehnmal größeren – Markt am POS als strategisches Wachstumsfeld erschließen. Schemes wie PayPal, VISA oder auch American Express (in Deutschland mit Payback) warten mit neuen Produkten im Mobile Payment auf und werden diesen Markt besetzen. Europäische Harmonisierung und Regulierung Zu den Veränderungen des Kundenverhaltens und den damit einhergehenden Anforderungen des Handels kommt die europäische Harmonisierung des Zahlungsver- 58 diebank 12.2015

IT & KOMMUNIKATION ó kehrs als wesentliches Element des sich im Umbruch befindlichen Markts hinzu. Europäische Richtlinienentwürfe, wie PSD II, SecuRePay, MiFID und Regularien in der Umsetzung – insbesondere Target2 und SEPA SCS – sollen die gestiegene Komplexität reduzieren und die bislang nationalen Regelungen harmonisieren. Diese betreffen die gesamte Wertschöpfungskette im Zahlungsverkehr und resultieren in einem zunehmenden Ertragsdruck. Denn die Anforderungen an IT und Compliance steigen – mit einhergehendem Investitionsbedarf und steigender Kostenbasis. Gleichzeitig sorgt die Interchange- Regulierung für Kredit- und Debitkarten für sinkende Erträge. Dies wird sich auch auf Schemes, die nicht kartenbasiert sind oder nicht im Vierparteiensystem agieren, zumindest mittelbar auswirken. Internationalisierung des Onlinehandels Die Internationalisierung des Onlinehandels führt schließlich auch zu veränderten Kundenbedürfnissen: Händler benötigen daher grenzüberschreitende Acquiring- und PSP-Lösungen, die ihnen eine Vielzahl lokaler Zahlmittel aus einer Hand anbieten. Gleichzeitig sorgt die europäische Regulierung im SEPA-Raum für einheitliche Spielregeln, ermöglicht lokalen Anbietern zukünftig mit geringerem Aufwand auch international aktiv zu sein und erhöht so weiter den Druck auf deutsche Anbieter. Das hat erhebliche Auswirkungen auf die Zahlungsverkehrsindustrie. Die zunehmende Internationalisierung und Harmonisierung der Märkte erfordern nicht nur hohe Investitionen in Produkte und Infrastruktur, sondern auch in Marketing und Vertrieb, um die Möglichkeiten der Erschließung neuer Märkte entsprechend zu nutzen. Die gleichzeitig sinkende Profitabilität der Geschäftsmodelle aufgrund der steigenden regulatorischen Anforderungen sowie steigender Anforderungen an das Leistungsspektrum der Anbieter führen zu einem Konsolidierungsdruck im Markt der Payment-Schemes und der Zahlungsverkehrsdienstleister. Zwar ist der Zahlungsverkehr ein Wachstumsmarkt. Die Anzahl der unbaren Transaktionen ist in Europa in den vergangenen Jahren jährlich um durchschnittlich vier Prozent gestiegen. Doch der deutsche Markt befindet sich nicht in Goldgräberstimmung. Der steigende Konsolidierungsdruck hat in den vergangen Jahren bereits zu einer erheblichen Marktbereinigung im deutschen Markt für die Abwicklung der Zahlungen geführt: Seit 2012 ist ein Drittel der in Deutschland aktiven Acquirer zum Ziel von Übernahmen geworden oder hat den Betrieb eingestellt. International tätige Konzerne wie First Data, Ingenico und Worldline decken mittlerweile bereits einen großen Teil des deutschen Acquiring-, Processing- und Netzbetriebsmarkts ab, weitere große Player wie Worldpay oder EVO Payment greifen zunehmend an. Im Vergleich dazu sind die rein deutschen Anbieter recht schwach aufgestellt: Größtenteils fokussieren sie sich weiterhin auf einzelne Produktbereiche und bieten ihren Kunden nur zögerlich die gesamte Payment-Palette inklusive Mehrwertdiensten an. Im Jahr 2020 wird es nach unserer Einschätzung nur noch einige wenige dominante in Deutschland aktive Anbieter geben, die den Markt unter sich aufteilen. US-Konzerne hängen deutsche Anbieter ab Das gilt auch für das vom Konsumenten erlebbare Payment. Während PayPal das Bezahlen im eCommerce mittlerweile mit 20 Prozent Marktanteil quasi dominiert, befindet sich das Bezahlen am POS nach wie vor in den Startlöchern. Nachdem erste Start-up-Versuche in Deutschland bislang als nicht erfolgreich betrachtet werden können, und einige bereits wieder aus dem Markt ausgeschieden sind, sehen sich die Banken nun neuen finanzkräftigen Wettbewerbern gegenüber, die bereit fl Die deutschen Anbieter im Zahlungsverkehr müssen schnell auf die veränderten Anforderungen reagieren, sonst sind sie die Verlierer der bereits einsetzenden Konsolidierung im Markt. sind, auch diesen Markt für sich zu erschließen. Die jetzt antretenden FinTechs sind schnell, finanzstark, global und nah am Kunden und damit in der Lage, das dem Geschäftsmodell immanente „Henne-Ei- Problem“ zu lösen. Wenn die deutschen Banken auch hier – mit der vermeintlichen Sicherheit des großen Kundenbestands – weiterhin ähnlich abwartend reagieren wie beim eCommerce-Bezahlverfahren, laufen sie Gefahr, den Kundenkontakt am POS zu verlieren. Wenn es den FinTechs gelingt, sowohl Endkundenals auch Händlerseite schnell zu skalieren, werden sie den Markt aufgrund ihrer höheren Kundenorientierung aufrollen. Unabhängige, rein deutsche Payment- Schemes und Anbieter für die Zahlungsabwicklung existieren wenige. Neben einigen Mittelständlern, die das Ziel von Übernahmen sind oder werden können, und einigen FinTechs, von denen bisher nur Wirecard auf internationalem Niveau mitspielt, kommen die meisten Angebote aus dem Umfeld der Banken. Diese hatten im Internet trotz langwieriger Versuche Giropay zu etablieren, bisher keinen Erfolg. Mit ihrem gemeinschaftlichem Produkt Paydirekt, an dem sich nicht nur die privaten und genossenschaftlichen Banken, sondern auch die Sparkassen beteiligen, sind sie mit der HVB als Pilotbank nun in eine Testphase 12.2015 diebank 59

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