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die bank 10 // 2022

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

REGULIERUNG ESG-RISK

REGULIERUNG ESG-RISK FORUM TEIL 1 | AUSWIRKUNGEN DES KLIMAWANDELS SO NEHMEN BANKEN KLIMARISIKEN IN DEN FOKUS Der Klimawandel fordert die Finanzbranche in hohem Maß heraus. Banken und Finanzdienstleister sind dazu angehalten, verstärkt ESG-Risiken in ihren Geschäfts- und Risikomodellen zu berücksichtigen. Wie reagieren die Institute auf die große Herausforderung? Zum Beispiel mit Grünen Krediten, wie Anke Welslau von der Deutschen Pfandbriefbank erläuterte. 50 10 | 2022

REGULIERUNG Immer heißere Sommer, lang anhaltende Regenfälle, mehr Waldbrände: Weltweit werden die Folgen des Klimawandels zunehmend offensichtlicher. Das Thema nimmt in der gesellschaftlichen Debatte einen breiten Raum ein – und auch die Finanzbranche ist mit den Auswirkungen der globalen Erwärmung konfrontiert, wenn es etwa um regulatorische Vorgaben geht. Kreditinstitute müssten sich an ein verändertes Kundenverhalten gewöhnen, aber auch mit den direkten und indirekten Folgen der Erderwärmung kalkulieren, heißt es in einem Whitepaper der PPI AG. „Die Aufsichtsbehörden empfehlen den Instituten, die daraus entstehenden Risiken im gesamten Risikomanagement zu berücksichtigen“, erklärten die Autoren. Doch wie können ESG-Risiken sinnvoll und quantitativ in der Banksteuerung berücksichtigt werden? Das war das zentrale Thema des Vortrags von Dr. Stefan Bohlius, Senior Manager bei der d-fine GmbH, anlässlich des ESG-Risk Forums des Bank-Verlags im Oktober. Um sich seinem Thema anzunähern, unterschied Bohlius in Köln zunächst zwischen physischen und transitorischen Risiken, wobei diese wiederum nach den Faktoren akut und chronisch zu klassifizieren seien. Zunahme akuter Extremwettereignisse Akute physische Klima- und Umweltrisiken bezeichnen demnach die finanziellen – negativen – Auswirkungen eines sich wandelnden Klimas, also unter anderem die Zunahme von Extremwettereignissen. Beispiele seien etwa Überschwemmungen, Stürme oder Waldbrände. Akute transitorische Klima- und Umweltrisiken sind Bohlius zufolge etwa die Bekanntgabe bzw. Veröffentlichung von Gesetzesinitiativen (z. B. Atomausstieg) oder die Veröffentlichung von Investitionsplänen. Chronische transitorische Risiken sind demnach finanzielle Verluste, die Kreditinstituten direkt oder indirekt infolge des Anpassungsprozesses an eine kohlenstoffärmere und nachhaltigere Wirtschaft entstünden. Der Referent betonte, akute Risiken wirkten sich sprunghaft auf die Wertentwicklung oder die Kreditwürdigkeit von Unternehmen oder Staaten aus. Ihre Berücksichtigung in der Risikosteuerung erfolgt demzufolge teilweise bereits jetzt in Form von Sprüngen in historischen Zeitreihen bzw. durch entsprechende instantane Schocks im Rahmen der Szenariorechnung. Chronische physische Klima- und Umweltrisiken wurden beispielhaft beschrieben mit dem Meeresspiegelanstieg, steigenden Temperaturen, Hitze- und Trockenperioden sowie veränderten Meeres- und Luftströmungen. Chronische transitorische Klima- und Umweltrisiken seien der Übergang zur Einhaltung der Emissionsgrenzen, die Etablierung neuer Technologien sowie veränderte Präferenzen bei den Konsumenten. Wie Bohlius hinzufügte, zeigten chronische Risiken einen schleichenden Effekt auf die Wertentwicklung oder Kreditwürdigkeit von Unternehmen und werden in der Risikomodellierung demnach durch eine Drift repräsentiert. Deshalb erfolge eine Berücksichtigung in den Risikosteuerungsprozessen aktuell eher selten. Auch wenn sich (chronische) Klimarisiken meist erst jenseits des üblichen Planungs-bzw. Steuerungshorizonts einer Bank von drei bis fünf Jahren manifestierten, so könnten sie auch kurzfristig auf die Banksteuerung wirken, erklärte der Experte. Die Betrachtung von Klimarisiken lasse sich sinnvoll mit der aktuellen Methodik in der Banksteuerung vereinbaren, so Bohlius weiter. In der ökonomischen Perspektive des Risikotragfähigkeitsprozesses ICAAP (Internal Capital Adequacy Assessment Process) könnten etwa langfristige Effekte durch in- 10 | 2022 51

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