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die bank 10 // 2020

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT KONSOLIDIERUNG (I)

MARKT KONSOLIDIERUNG (I) – BLICK IN DEN SÜDEN Beschleunigte Konsolidierung bei Italiens Banken Unter den italienischen Banken, aber auch im gesamten Finanzbereich beschleunigt sich in diesen Monaten der Konsolidierungsprozess. Nicht nur der Bankexperte und Finanzwirtschaftsprofessor an der Mailänder Elite- Universität Bocconi, Stefano Caselli, erwartet weitere Zusammenschlüsse. „Auch die Bildung einer weiteren italienischen Großbank ist nicht auszuschließen“, sagte er im Gespräch mit „die bank“. Wichtigster Player im Konsolidierungsprozess ist die Mailänder Gruppo Intesa Sanpaolo (ISP). Nachdem sie vor drei Jahren die beiden norditalienischen Krisenbanken Banca Popolare di Vicenza und Veneto Banca übernahm, sich Ende 2019 mehrheitlich am Krankenversicherer RBM beteiligte und kürzlich die Schweizer Privatbank Reyl erwarb, steht sie nun vor dem Zusammenschluss mit Ubi Banca. Ihr öffentliches Tauschangebot an Italiens viertgrößte Bank hat ISP im Sommer 2020 erfolgreich abgeschlossen. Mittels der Übernahme festigt Intesa Sanpaolo ihre Position als Numero Uno in Italien und als eine der größten Banken in Europa. Die ISP-Börsenkapitalisierung lag (Stand 30. September) bei 31,2 Mrd. €, die von Ubi Banca bei 3,9 Mrd. €, die Bilanzsummen lagen Ende 2019 bei 816,1 Mrd. € (ISP) bzw. 126,5 Mrd. € (Ubi Banca). ISP will primär in Spezialbereichen, wie etwa im Asset Management, wachsen. So soll im Frühjahr 2021, nach Abschluss der Transaktion mit Reyl Bank, eine internationale Privatbankengruppe mit einem verwalteten Vermögen von 16,7 Mrd. € und Sitz in Genf entstehen. 8 10 // 2020

MARKT Europa zieht nach Auch andere europäische Banken sind auf Konsolidierungskurs. In Spanien haben Caixa und Bankia ihr Zusammengehen bekanntgegeben, und in der Schweiz wird über eine mögliche Fusion zwischen UBS und Credit Suisse diskutiert. Bankexperte Stefano Caselli meinte dazu: „ Auf europäischer Ebene wartete man nur auf ein Signal für eine weitere Konsolidierung. Dieses Signal kam diesmal aus Italien.“ Caselli ist überzeugt, dass es in Italien zu weiteren Zusammenschlüssen kommen wird. Er hält auch die Bildung einer weiteren italienischen Großbank – nach ISP, Ubi Banca und Unicredit – für möglich. So könnte die BPER, die Volksbank der Region Emilia-Romagna, im Konsolidierungsprozess eine „interessante Rolle“ spielen. Bereits im Vorjahr hatte BPER vom Versicherer Unipol dessen Bankentochter übernommen. Nach der für 2021 geplanten Übernahme von 532 Ubi Banca- Filialen erwartet BPER deutlich verbesserte Geschäftsergebnisse. Um die Ubi Banca-Filialen (die ISP im Zug der Übernahme von Ubi aus kartellrechtlichen Gründen für 735 Mio. € verkauft) übernehmen zu können, hatte BPER ihr Kapital um 800 Mio. € erhöht. Damit rückt das Haus in der italienischen Banken-Scala von Rang 7 auf Rang 5 vor. Weitere Banken, etwa die kapitalschwache Banco Popolare di Milano (BPM), Credem, Crédit Agricole mit ihren italienischen Tochtergesellschaften oder die zur BNP Paribas gehörende Banca Nazionale del Lavoro (BNL) haben bereits ihre Fühler nach etwaigen Partnern ausgesteckt. Jüngst wurden auch Spekulationen über einen Zusammenschluss von UniCredit und Monte dei Paschi di Siena (MPS) laut. Stärker in den Markt drängt auch die Online-Bank Illimity, die im Herbst eine Joint-Venture-Vereinbarung mit der norditalienischen Bankgruppe Sella unterzeichnete. Das Joint Venture sieht vor allem eine Kooperation im Bereich Digitales vor. Die auf den NPL-Handel spezialisierte Ifis Banca befindet sich ebenfalls auf Fusionskurs; als Partner steht die IBL Banca zur Diskussion. Die „Spezialbank“ Mediolanum, die sich bereits vor Jahren auf Online Banking konzentrierte und zu den ertragreichsten Banken zählt, streckt ebenfalls ihre Fühler nach neuen Partnern aus. Italiens größte Investmentbank, Mediobanca, hatte vor der Pandemie mit der Übernahme von Banca Generali, dem größten Vermögensverwalter des Landes, geflirtet. Doch das Projekt wurde vorerst ad acta gelegt. Zudem wird Mediobanca auch Interesse an der Online Bank Fineco nachgesagt. Nachdem Essilor-Luxottica- Großaktionär Leonardo Del Vecchio bis zu 20 Prozent Anteile an Mediobanca übernahm und Unicredit ihre Beteiligung an Mediobanca (5 Prozent) verkaufte, wurden Änderungen im Board erwartet. Doch CEO Alberto Nagel, der in den letzten Jahren einen erfolgreichen Diversifizierungskurs einleitete, wurde in seinem Amt bestätigt. Konsolidierung weit fortgeschritten Italiens Banken haben seit der Finanzkrise 2008/09 ihre von der EZB gestellten Aufgaben weitgehend erfüllt, heißt es vonseiten des italienischen Bankenverbands ABI. Die Mehrheit der Sparkassen und Volksbanken sind verschwunden. Die Genossenschaftsbanken haben sich – mit Ausnahme der Banken in der autonomen Region Südtirol/Trient – unter dem Dach zweier großer Holdings zusammengeschlossen. Von kürzlich mehr als 500 unabhängigen Bankengruppen sind 104 übriggeblieben. Auch ausländische Banken, etwa die französische Crédit Agricole und BNP Paribas, haben italienische Banken übernommen. Andere Ausländer wie Barclays oder Santander sind aus dem Markt ausgestiegen. Bankexperte Caselli sieht die Zeit für Cross Border Deals noch nicht reif. „Bevor es zu überregionalen Fusionen im Bankenwesen kommt, wird der Konsolidierungsprozess auf regionaler Ebene intensiviert“. Zusammenschlüsse auch in der Finanzbranche Nicht nur das Kreditwesen, sondern die gesamte Finanzbranche ist in den letzten Monate in Bewegung geraten. Im Versicherungsbereich hat sich ISP mehrheitlich am Krankenversicher RBM beteiligt. Der landesweit größte Versicherer, Assicurazioni Generali aus Triest, engagierte sich beim Rivalen Cattolica Assicurazioni und wird für 300 Mio. € bis zu 25 Prozent der Anteile an dem Versicherer aus Verona übernehmen. Dabei stehen die Triester 10 // 2020 9

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