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die bank 10 // 2020

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT

MANAGEMENT GESCHÄFTSMODELLE: LIQID DIGITALER VERWALTER FÜR VERMÖGENDE In der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg schlagen sich Deutschlands führende digitale Vermögensverwalter erstaunlich gut. Wenn gelingt, was Christian Schneider-Sickert anstrebt, würde der CEO von Liqid das verwaltete Vermögen in diesem Jahr fast verdoppeln und die 1-Mrd-€-Marke durchbrechen. Wie er das vollbringen will, erklärte der 48-Jährige im Gespräch mit unserer Autorin. 32 10 // 2020

MANAGEMENT Christian Schneider-Sickert erscheint lässig-leger in grauer Chino, hellblauem Hemd, ohne Krawatte und mit Sneakern. Bereitwillig posiert der CEO der Liqid Investments GmbH für ein Foto vor einer großen Kopie des Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner mit markanten Berliner Charakteren. Doch beim späteren Anblick der Bilder kommen ihm Zweifel, irgendwie seien die „not on brand“. Ein zweiter Versuch am nächsten Tag gelingt, „in ordentlichen Klamotten“, wie seine Mutter sagen würde. Jetzt fühlt sich der Chef wohler. Schließlich kommen zu dem digitalen Vermögensverwalter Kunden, die mindestens 100.000 € mitbringen müssen und damit deutlich mehr als bei den Wettbewerbern, die teils schon ab 1.000 € starten. Wobei „kommen“ im übertragenen Sinne zu verstehen ist. 90 Prozent der Kunden betreten die smart eingerichteten Geschäftsräume am Berliner Ku’damm nie. Dabei ist alles so eingerichtet, als sei man stets auf Gäste vorbereitet. Das wuselige Ambiente eines typischen FinTechs sucht man hier vergebens. Keine Lümmel-Ecken, kein kreatives Chaos. Am Empfang liegen – bereits auf der richtigen Seite aufgeschlagen – Magazine, die über Liqid berichtet haben, an der Wand hängen Anzeigenmotive mit viel versprechenden (sic!) Sprüchen: „Renditen von einer anderen Welt. Einer besseren“ oder „Bei Private Equity picken wir die Rosinen“. Und ein Chart im Ballroom, wie das FinTech sein großes Besprechungszimmer nennt, zeigt: Hier verfolgt man große Pläne. Spätestens im ersten Quartal 2021 will Liqid bei den Assets under Management (AuM) die 1-Mrd.-€-Marke knacken. Im dritten Quartal 2021 soll die nächste Finanzierungsrunde mindestens 50 Mio. € bringen und sich die Bewertung des Unternehmens verdoppeln. Robo Advisor im Aufwind Für derlei Optimismus mag auch sorgen, dass sich die Robo Advisor, die sich nach ihrem Deutschland-Start vor sechs Jahren zunächst deutlich schleppender entwickelten als zunächst vorhergesagt, trotz Corona-Krise aktuell wacker schlagen. Viele Privatanleger hätten plötzlich Zeit und Muße, sich mit dem Thema Geldanlage zu beschäftigen, nennt Matthias Hübner, Partner bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman, einen Grund. Auf Kundenjagd gegangen sind auch die großen Banken, wie die Deutsche Bank mit Robin, Commerzbank mit Cominvest, Privatbanken wie Warburg (Warburg Navigator) und Quirin (quirion), aber auch FinTechs, von denen sich Scalable Capital schnell 10 // 2020 33

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