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die bank 10 // 2020

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT

MARKT MITTELSTANDSFINANZIERUNG Besondere Herausforderungen in Zeiten der Corona-Pandemie Die Bundesregierung hat in den letzten Monaten verschiedene Förderprogramme sowie rechtliche Änderungen umgesetzt, um liquiditätsgefährdeten Unternehmen den Zugang zu Kapital zu ermöglichen und deren Fortbestand zu sichern. Vor dem Hintergrund der Charakteristika des bisherigen Finanzierungsverhaltens mittelständischer Unternehmen untersucht der Beitrag, inwieweit die staatlichen Maßnahmen zur Abwendung von Liquiditätsengpässen sinnvoll erscheinen. 20 10 // 2020

MARKT Die wirtschaftlichen Folgen der getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie sind allgegenwärtig. Fast alle Branchen sind betroffen, wenn auch unterschiedlich stark. Großkonzerne in den besonders notleidenden Branchen Tourismus und Flugverkehr, wie TUI oder die Lufthansa, stehen ebenso im Fokus der Berichterstattung wie die schon vor der Pandemie nicht mehr ganz so prestigeträchtige Automobilbranche. Laut aktuellen Berechnungen des Handelsblatts werden allein bei den 30 DAX-Konzernen in diesem Jahr über 40.000 Stellen verloren gehen. Weniger Beachtung findet der klassische Mittelstand, der das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bildet. Dabei sind viele dieser Unternehmen aufgrund ihrer vorwiegend geringen Größe sowie ihres historisch gewachsenen Finanzierungsverhaltens stark gefährdet. Der deutsche Mittelstand Der Mittelstand ist in Deutschland so stark ausgeprägt wie in keinem anderen Land. Über 99 Prozent aller deutschen privatwirtschaftlichen Unternehmen sind kleine und mittelständische Unternehmen, 70,4 Prozent aller erwerbstätigen Personen sind dort beschäftigt. Das durchschnittliche Unternehmen ist sogar „klein“. Die mittlere Zahl der Beschäftigten lag 2018 bei zwei Vollzeit-Äquivalent-Beschäftigten (Median), der Mittelwert bei 7,5. Die Vereinigung von Eigentum und Leistung sowie die oft vorhandene Überschneidung von Familien- und Unternehmensvermögen haben großen Einfluss auf die Wahl von Finanzinstrumenten. Vorherrschende Finanzierungsquellen des Mittelstands sind die Innenfinanzierung über einbehaltene Gewinne sowie klassische (Haus-) Bankkredite, also weniger risikobehaftete und kapitalmarktferne Finanzierungsformen. Diese Instrumente reflektieren die eher langfristige Orientierung sowie die Ziele „Bestandssicherung“ und „Weiterentwicklung des eigenen Unternehmens“, denen kurzfristige Wachstums- oder Renditeziele unterzuordnen sind. Neben der Bestandssicherung ist das Streben nach finanzieller Unabhängigkeit hervorzuheben. Studien zeigen, dass Unternehmen, deren Eigentums- und Leitungsstruktur sich aus wenigen Personen zusammensetzt, Unabhängigkeit gegenüber Rentabilität bevorzugen. Das Unabhängigkeitsstreben der Eigentümer führt zu einer grundsätzlichen Vorsicht bezüglich der Informationsbereitstellung, da Externe, wie Fremdkapitalgeber oder Konkurrenten, über die internen Strukturen und Kennzahlen nicht informiert werden sollen. Hausbankbeziehungen sind auf Langfristigkeit angelegte Geschäftsbeziehungen, in denen Attribute wie Vertrauen oder Verlässlichkeit eine wichtige Rolle spielen. Hausbanken sind zentral für mittelständische Unternehmen, unterstützen sie und geben Hilfestellung auch in schwierigen Zeiten. Ihre Unterstützung im Hinblick auf finanzielle Entscheidungen ist besonders wichtig, denn der klassische Mittelständler verfügt weder über vertiefte Kenntnisse in Finance oder Rechnungswesen, noch über mehrere Mitarbeiter im Aufgabenfeld der Finanzplanung, -disposition oder -kontrolle. Dafür gibt die Hausbank in der Regel Zinsnachlässe nicht an das Unternehmen weiter. Für jedes fünfte mittelständische Unternehmen kam eine Kreditfinanzierung vor gut einem Jahr nicht in Betracht. Die Gründe dafür lagen insbesondere in der Notwendigkeit einer erhöhten Offenlegung im Rahmen von Kreditvergabeprozessen sowie dem Wunsch, Schulden zu vermeiden. Auch wenn das Gesamt- und Durchschnittsvolumen mittelständischer Kredite in den letzten Jahren kontinuierlich stieg, ist die Mehrzahl der Investitionskredite kleinteilig. 82 Prozent dieser Kredite waren im Jahr 2018 kleiner als 100.000 €, fast die Hälfte lag unter 20.000 €. Die Krediterfahrung des Großteils mittelständischer Unternehmen ist somit überschaubar. Grundsätzlich war der deutsche Mittelstand vor der Pandemie finanziell gut aufgestellt. Historisch niedrige Fremdfinanzierungskosten bedingten, dass die vor der Krise gestiegenen Investitionsausgaben fast vollständig über Bankkredite und Fördermittel finanziert wurden, Eigenmittel dagegen oft geschont wurden. Gute Umsätze und ertragsstarke Jahre führten zu stabilen Gewinnen und steigendem Eigenkapital. Mit Eigenkapitalquoten von durchschnittlich 31,2 Prozent sollte Vorsorge für erwartete schwierigere Finanzierungsklimata geschaffen und die Unabhängigkeit des Unternehmens gestärkt werden. Aus heutiger Sicht war diese tradierte Vorgehensweise und Vernachlässigung des Leverage-Effekts insbesondere bei kleineren Unternehmen eine sinnvolle Vorgehensweise. Der solide Mittelwert von gut 30 Prozent Eigenkapitalquote darf jedoch nicht über die Spreizung hinwegtäuschen, denn der Median lag nur bei knapp 20 Prozent Eigenkapitalquote. Die Kapitalausstattung von Mittelständlern variiert in Abhängigkeit ihrer Größe sowie der Branche. Unternehmen mit weniger als zehn Vollzeit-(FTE)-Beschäftigten haben i. d. R. eine geringere Eigenkapitalquote als größere Unternehmen. Bereits im letzten Jahr hatten 34,5 Prozent der mittelständischen Unternehmen eine Eigenkapitalquote von unter 10 Prozent. Aktuelle Förderprogramme Zur Vermeidung von Covid-19-bedingten Liquiditätsengpässen haben die Bundesund Landesregierungen im Vergleich zu anderen europäischen Staaten schnell reagiert. Ein breites Spektrum von Maßnahmen wurde auf Bundesebene verabschiedet und sukzessive erweitert, wie bspw. Kurzarbeitergeld, Überbrückungshilfen, KfW-Sonderprogramm und KfW-Schnellkredit sowie Möglichkeiten der Stundung von Mietzahlungen. Bestehende Lücken wurden teilweise durch zusätzliche Programme der Landesförderbanken gedeckt. 10 // 2020 21

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