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die bank 10 // 2020

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT INTERVIEW

MARKT INTERVIEW Trendwende im Finanzsektor – „Wir stehen vor einem Wandel“ Er gilt als zurückhaltend und diskret, aber mit guten Kontakten zur Politik ausgestattet: Carlo Messina (58), der Vorstandsvorsitzende der Mailänder Großbank Intesa Sanpaolo. Unsere Korrespondentin konnte mit dem CEO über seine Einschätzungen zu den aktuellen Entwicklungen auf dem italienischen Bankenmarkt sprechen. die bank: Italien, besser gesagt ISP, gilt derzeit als Schrittmacher für weitere Fudie bank: Signore Messina, plant Ihre Bank noch weitere Zukäufe? Innerhalb eines Jahres hat sich Banca Intesa Sanpaolo bereits am Krankenversicherer RBM beteiligt, die Fusion mit Ubi Banca eingeleitet und nun die Mehrheitsbeteiligung an der Schweizer Privatbank Reyl bekanntgegeben… Carlo Messina: Unser Fokus liegt vorerst auf der Integration von Ubi Banca mit Intesa Sanpaolo. Da wir über eine langjährige Erfahrung mit Bankenfusionen und Integrationen verfügen, sind wir relativ gelassen, diese Aufgabe bestmöglich umzusetzen. Die Übernahme von Ubi Banca festigt unsere Position im Wealth Management und als Protection Company. Falls sich die Gelegenheit bietet, stehen wir auch künftig weiteren Akquisitionen im Wealth Management, Asset Management und bei Versicherungen offen gegenüber. Vorerst sind aber keine Gespräche darüber im Gange. die bank: Die Fusion von Intesa Sanpaolo mit Ubi Banca hat sich auf den gesamten italienischen Finanzsektor ausgewirkt, wie zuletzt bei den Zahlungsdienstleistern Nexi und Sia gesehen. Erwarten Sie weitere Zusammenschlüsse? Messina: Ich glaube, wir stehen vor einer Wende. Sowohl Italiens wie auch Europas Player im Finanzsektor müssen ihre Rentabilität, Effizienz und vor allem ihre Innovationskraft festigen. Und dafür investieren. Derzeit dominiert vielfach noch das Konkurrenzdenken auf nationaler und überregionaler Ebene – es fehlt eine globale Vision. In Zukunft müssen Europas Banken den wachsenden Druck der Konkurrenten aus den USA und Asien, aber auch multinationaler Hightech-Unternehmen standhalten. Letztere sind keine Banken, aber im Privatleben von Milliarden Kunden auf der Welt präsent. 12 10 // 2020

MARKT sionen im Ausland. So haben die beiden spanischen Banken Caixa und Bankia ihr Zusammengehen angekündigt. Erwarten Sie einen europaweiten Konsolidierungsprozess? Messina: Meiner Ansicht nach hat unser Tauschangebot für Ubi Banca den Anstoß für eine Fusionswelle in ganz Europa gegeben. Zweifellos steht die Europäische Zentralbank diesem Trend positiv gegenüber und unterstützt ihn. Doch könnte die durch die Pandemie bewirkte allgemeine Verunsicherung und die wirtschaftliche Situation diesen Prozess verlangsamen. Gestoppt wird er nicht. die bank: Die renommierte Harvard Business Revue hat Sie mehrmals zu Europas bestem Bankmanager ernannt. Wo liegt das Geheimnis Ihres Erfolgs? Messina: Ich sehe darin nicht so sehr eine Anerkennung für mich persönlich, sondern eine Auszeichnung für Banca Intesa Sanpaolo als beste europäische Bank. Unser Geschäftsmodell, den Fokus auf Wealth Management zu legen, hat Erfolg. Es hat uns dazu verholfen, trotz Negativ-Zinsen zu wachsen. Wir sehen es auch als Vorteil an, im italienischen Markt stark verwurzelt zu sein. die bank: Sind Sie an der für 2021 angekündigten Privatisierung der Krisenbank Monte dei Paschi di Siena interessiert? Messina: Keineswegs. Das steht nicht zur Diskussion. die bank: Welche Konsequenzen hat die Corona-Krise auf Italiens Banken im Allgemeinen und Ihr Haus im Besonderen? Messina: Italien wurde von der Pandemie übermäßig stark getroffen. Intesa Sanpaolo hat ihren Kunden, noch bevor der Lockdown beschlossen wurde, zahlreiche Erleichterungen eingeräumt: Etwa einen vorübergehenden Stop ihrer Darlehens-Rückzahlungen. Dies machte bis Jahreshälfte 47 Mrd. € aus. Des Weiteren hat die Bank ihr soziales Engagement verstärkt, Unternehmen und Freiberuflern eine Liquiditätsspritze von 50 Mrd. € gewährt. Auch haben wir unsere Doppelrolle im Inland gestärkt: als Bank der Realwirtschaft und als Motor für nachhaltiges Wachstum. die bank: Befürchten Sie eine Zunahme der Non Performing Loans in naher Zukunft? Messina: Nein, denn die durch Covid-19 verursachte Notlage unterscheidet sich wesentlich von den vergangenen Krisen. Auch die Antworten der verschiedenen Regierungen und der europäischen Institutionen differenzieren sich von der Vergangen- heit. Die Eingriffe des Staats auf die Wirtschaft sind im Hinblick auf die Pandemie nicht zu vermeiden. Dies gilt übrigens nicht nur für Italien, sondern auch für Deutschland. Durch die Interventionen konnten die Banken den Unternehmen und privaten Haushalten Liquidität garantieren und damit einen „Finanzstress“ mit unweigerlichen Folgen auf die NPL verhindern. Italiens Wirtschaft stützt sich auf eine solide Basis. Nicht nur, dass sich die Finanzstruktur der italienischen Unternehmen gegenüber der Vorkrisenzeit im Jahr 2008 wesentlich gefestigt, die Kapitalausstattung der Unternehmen erhöht hat. Insbesondere die exportorientierten Unternehmen haben ihre Position verbessert. Hinzu kommt, dass die privaten Haushalte derzeit über ein Vermögen von 10,7 Billiarden € verfügen und relativ gering verschuldet sind. die bank: Teilen Sie die Ansicht von Standard & Poor‘s, dass 2021 zum Schlüsseljahr für Italiens Banken werden wird? Messina: Ende Januar 2021 soll das vom Staat den Banken garantierte Moratorium ablaufen, das ist der Grund, weshalb S&P 2021 zum Schlüsseljahr ernannte. Doch Italiens Banken sind gut gerüstet, um die Auswirkungen der Pandemie aufzufangen. Ihre Kapitalausstattung ist solide, die Risikokredite sind weitgehend gedeckt. Auch hat die Kontrolle der EZB in diesen Jahren dazu beigetragen, dass das Kreditsystem dem Schock der Pandemie gewachsen ist. Was Intesa Sanpaolo betrifft, beweisen die Halbjahresergebnisse die Solidität und Flexibilität der Bank. die bank: Haben Sie vielen Dank für Ihre Antworten, Herr Messina. Die Fragen stellte Thesy Kness-Bastaroli. 10 // 2020 13

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