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die bank 10 // 2020

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT selbst im

MARKT selbst im Kreuzfeuer von Übernahmegerüchten. Bei Generali hingegen wird über die Bildung eines stabilen Kerns italienischer Aktionäre diskutiert, um den Versicherer vor einer ausländischen Übernahme zu schützen. Und auch der einst zur Londoner Börse zählende Mailänder Finanzplatz Borsa Italiana wurde kürzlich für 4,3 Mrd. € an Euronext verkauft. Darüber hinaus fusionierte der Zahlungsdienstleister Nexi mit dem Rivalen Sia. Dadurch entsteht in Europa ein führender Spezialist für digitale Zahlungssysteme mit einem Umsatz von 1,8 Mrd. €. Wachsender Einfluss des Staates auf Italiens Bankwesen Der italienische Staat engagiert sich zunehmend im Finanzwesen. Ursprünglich sollte die vom Land mit einer 68-prozentigen Beteiligung übernommene Krisenbank MPS im Jahr 2021 reprivatisiert werden. Nun steht eine Verlängerung der Frist oder aber eine Fusion mit UniCredit zur Diskussion. Infolge der prekären Lage von MPS und der mit bis zu 10 Mrd. € bewerteten Rechtsstreitigkeiten besteht wenig Interesse an der Bank. Laut Regierungskreisen wäre UniCredit ein geeigneter Partner der Krisenbank. Die HVB-Mutter zeigt sich aber gegenüber dieser Lösung eher kühl. Der Staat hat sich auch bei der Sparkasse von Genua (Carige) und der Volksbank von Bari (Popolare di Bari) engagiert. Die Sanierung der beiden Banken geht langsamer voran als geplant. Das Management von Carige will den Anfang 2020 vorgelegten Strategieplan überarbeiten, da der ursprünglich für 2021 angepeilte Breakeven-Punkt nicht erreicht werde. Risiken liegen noch in den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen angeblicher Bilanzfälschung im Jahr 2018. Bei der Volksbank von Bari wird der Break-even bestenfalls 2023 erwartet. Die vom Staat mit 400 Mio. € und dem Einlagensicherungsfonds FITD mit 1,2 Mrd. € vor dem Konkurs gerettete Volksbank birgt hohe Risiken. So haben 70.000 Anleger durch bewusste Falschberatung oftmals ihre gesamten Ersparnisse verloren und fordern Schadenersatz. Ebenso wie Carige wurde die Bank durch eine betrügerische Geschäftspolitik in den Konkurs geführt. Last but not least mischt der Staat über die von ihm kontrollierte Förderbank Cassa Depositi e Prestiti (CDP) auch bei der Fusion der Zahlungsdienstleister und dem Verkauf der Borsa Italiana mit. Die staatliche Bad Bank Asset Management Company (Amco) verwaltet bislang 33,8 Mrd. € an notleidenden Krediten, die sie von diversen Pleite- bzw. Krisenbanken übernommen hatte. Amco zählt inzwischen zu den wichtigsten Aufkäufern und Verwertern von faulen Krediten. Allerdings stößt die von Regierungskreisen angedachte Bildung einer neuen Bank für Süditalien, möglicherweise zusammen mit Monte dei Paschi di Siena, auf heftige Kritik. Zentralbankchef Ignazio Visco hat sich dagegen ausgesprochen. Auch Professor Caselli rechtfertigt staatliche Interventionen in Krisenzeiten nur, wenn diese zeitlich befristet sind und Mehrwert schaffen. Der Staat dürfe keinerlei Einfluss auf die Governance der Institute nehmen. 10 10 // 2020

MARKT FAZIT Die durch die kürzlich erfolgte Fusion von zwei Großbanken eingesetzte Konsolidierung hat breite Wellen geschlagen. Derzeit rumort es im gesamten italienischen Banken- und Finanzsektor, weitere Zusammenschlüsse stehen bevor. Zwar ist es möglich, dass die Pandemie mit ihren negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft, den eingesetzten Konsolidierungsprozess im Bankund Finanzwesen vorübergehend bremst, aber sie wird ihn nicht stoppen. Auswirkungen der Pandemie auf Italiens Banksektor Zweifellos hat sich auch in Italien die Corona-Pandemie auf die Halbjahresbilanzen der italienischen Banken ausgewirkt. Doch die Konsequenzen waren geringer als befürchtet. Laut einer Analyse von Goldman Sachs Global Investment Research zeigen die sechs größten Banken im Zeitraum Januar bis Juni 2020 im Vorjahresvergleich um bis zu 5 Prozent verringerte Erträge, um 20 Prozent verringerte operative Gewinne und 5,8 Mrd. € Rückstellungen für notleidende Kredite. Das ist das Doppelte gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahrs. Die sechs größten Banken – ISP, UniCredit, Banco BPM, Ubi Banca, BPER und MPS – bestreiten rund die Hälfte des gesamten in Italien getätigten Bankgeschäfts. Damoklesschwert NPL? Italiens Banken sind mit Blick auf ausfallgefährdete Kredite infolge von Sondermaßnahmen außergewöhnlich „sanft“ behandelt worden, wie Zentralbankchef Ignazio Visco formulierte. Doch Befürchtungen, dass die Kreditausfälle in den nächsten Monaten rasant zunehmen, werden immer lauter. Die Regierung hatte zum Höhepunkt der Corona-Krise ein Moratorium für Kreditrückzahlungen verhängt, die zu 30 Prozent vom Staat garantiert werden. Aus Sicht des Bankenverbands ABI handelt es sich um eine externe Krise, die nicht vom Finanzsektor verschuldet ist; daher sei ein Entgegenkommen gerechtfertigt. Nicht nur Zentralbankchef Visco, sondern auch Branchenkenner sprechen sich gegen die erneute Änderung europäischer Regeln im Hinblick auf die von der EBA verlangte komplette Abschreibung von Problemkrediten innerhalb von drei beziehungsweise neun Jahren aus. Italiens Banken haben den Anteil fauler Kredite in den letzten zehn Jahren erfolgreich verringert. Im Juli 2020 machten die Netto Non Performing Loans (NPL) mit 24,6 Mrd. € rund 1,4 Prozent der Ausleihungen aus, gegenüber 31,9 Mrd. € im Juli 2018 und 34,9 Mrd. € im Juli 2018 (1,8 bzw. 2,2 Prozent). Zum Höhepunkt der NPL-Krise im November 2015 hatten sich die Netto-NPL laut ABI auf 88,8 Mrd. € belaufen. Im Fall eines neuerlichen Lockdowns und einer Verlängerung der Pandemie-bedingten Krise droht Italiens Banken bis 2023 ein Anteil der NPL von Brutto 13,2 Prozent der Ausleihungen sowie ein Sinken der Kernkapitalquote von 13,7 auf 10,2 Prozent, so Standard & Poor's (S&P). Stefano Caselli geht davon aus, dass sich nicht nur die Pandemie, sondern auch die effiziente Verwendung der Recovery Fonds auf die Ertragsentwicklung der Banken auswirken wird. 2021 wird ein Schlüsseljahr Für S&P wird 2021 zum Schlüsseljahr für Italiens Banken. „Erst dann sieht man das wahre Ausmaß der Krise", sagt Mirko Sanna, Director Financial Institutions. Noch sei nicht klar, ob die Rückstellungen für ausfallgefährdete Kredite ausreichten. „Dank der umgesetzten Maßnahmen von italienischen und europäischen Institutionen hat die durch die Pandemie ausgelöste Wirtschaftskrise bisher nur begrenzte Auswirkungen auf die Kreditqualität gehabt. In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass die NPLs bis 2021 anwachsen werden, jedoch auf einem nicht alarmierenden Niveau. Infolge der anhaltenden Ungewissheit ist es wichtig, so bald wie möglich die regulatorischen und operationellen Werkzeuge zu bestimmen, um mögliche Risiken für die Banken und ihre Kunden zu verhindern“, so ABI-Generaldirektor Giovanni Sabatini zu „die Bank“. Autorin Die Korrespondentin Thesy Kness-Bastaroli berichtet seit vielen Jahren für deutsche, Schweizer und österreichische Zeitungen aus Italien. Die Wahl-Mailänderin ist in der Wirtschaftshauptstadt Italiens gut vernetzt und hält enge Kontakte zu den wichtigsten Bank- und Finanzunternehmen. 10 // 2020 11

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