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die bank 10 // 2017

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT 1 |

MANAGEMENT 1 | Kapitalentlastung nach Internal Rating Based Approach (IRB) Beispiel: Portfolio € 1 Mrd. Nicht versichert Versichert (via Reduzierung Verlustquote-LGD) Versichert (via Securisation Konzept) Ausfallwahrscheinlichkeit (PD) 2 % 2 % 2 % Versicherungsdeckung N. A. 100 % anteilig > 80 % BLA Verlustquote (LGD) 16 % - 20 % 10 % 1 16 % - 20 % Risikogewichte (RW) 33 % - 41 % 21 % 2 ca. 21 % 3 % Reduzierung der Risikogewichte (RW) N. A. 36 % - 49 % Reduzierung der RW 1 LGD floor 2 Basel RW formula using PD and LGD as inputs 3 Using proposed IRBA securitisation approach Beispiel: 100 % LTV/LTAV Kredit für ein Objekt zu 300.000 €. Bonitätsstufe des Versicherers = 2 (’A’ rating) Ohne Versicherung Mit Versicherung Ausfallwahrscheinlichkeit (PD) 15 % 0,05 % 1 Versicherungsdeckung 120.000 120.000 Capital PD x LGD = 18.000 PD x LGD = 60 Annahme: Versicherungsdeckung ist in der Lage, sämtliche Verluste zu absorbieren. 1 Die PD des Versicherers ist abhängig von der Bonitätsstufe Bonitätsstufe 0 1 2 3 4 5 6 Ausfallwahrscheinlichkeit (PD) 0,002 % 0,01 % 0,05 % 0,24 % 1,20 % 4,2 % 4,2 % frisches Kapital bitten. Das Kreditgeschäft muss in der Regel auch weiter wachsen, um die Investoren zufrieden zu stellen und für eine gesunde und solide Unternehmensentwicklung sorgen. Diese Zwickmühle dürfte der Nachfrage nach Instrumenten, die Risiken aus Bilanzsicht minimieren, einen Schub geben. In den letzten Monaten ist bereits eine erhöhte Nachfrage erkennbar. Seit rund zehn Jahren herrschen „Schönwetterbedingungen“, was die Kreditqualität angeht. Doch vielen Banken ist bewusst, dass sich der Markt auch wieder ändern wird, die Branche also wieder höhere Ausfallquoten und erhöhte Risikopositionen sehen wird. Ohne Schutz in raue Zeiten zu gehen, erweist sich historisch gesehen immer wieder als Bumerang. Auch deshalb sollte im Sinn eines optimalen Risikomanagements in ruhigen Zeiten Vorsorge getroffen werden, die dann greifen kann, wenn die Zeiten wieder rauer werden. Spielraum beim Neugeschäft Die immer höheren Kapitalanforderungen bremsen in der Tendenz die Vergabe von Immobilienkrediten im deutschen Markt. Deshalb zeigt er bislang auch keine generellen Preisübertreibungen bei Privatimmobilien. Das bedeutet umgekehrt: Es könnten, gemessen an der vorhandenen Nachfrage, viel mehr Immobilienfinanzierungen vergeben werden, hätten die anbietenden Banken mehr Spielraum beim Neugeschäft. Dieser Freiraum kann durch die Eliminierung von Risiken per Versicherungskonzept geschaffen werden. Ganz konkret: Versichert etwa eine Großbank im Kreditstandardansatz eine Kredittranche von 1 Mrd. € in ihrer Bilanz, erweitert sich durch die Kapitalfreisetzung der Spielraum für mögliches Neugeschäft um 250 Mio. €. Regulatorischer Druck kommt jedoch auch noch von einer weiteren Seite. Die kommende Umstellung des Bilanzierungsstandards von IAS 39 auf IFRS 9 führt dazu, dass Banken Rückstellungen für ihre Kreditrisiken und mögliche Verluste unter den neuen internationalen Vorschriften vorausschauender kalkulieren müssen als bisher. Kredittranchen müssen künftig nach dem Expected- Loss-Modell statt nach dem Incurred-Loss- 46 10 // 2017

MANAGEMENT 2 | Aktuelle Risikogewichte Aktuelle Risikogewichte (RW) 130 % Ohne Versicherung Mit Versicherung § RW 60 % 41 % RW 100 % (75 %) RW 50 % Beleihungsauslauf (Portfolio / Kredite) 80 % RW 35 % RW 35 % 0 % Reduzierung der Risikogewichte und Eigenkapitalhinterlegung um 19 % Modell in der Rechnungslegung geführt werden. Prognosen der Unternehmensberatung Deloitte zeigen, dass die Umstellung des Bilanzierungsstandards auf IFRS 9 dazu führen wird, dass Risikorückstellungen, über alle Asset-Klassen betrachtet, gravierend zunehmen können. Auch hier kann ein Versicherungskonzept effektiv Risiko externalisieren und damit minimieren. Minderungserfolge für Banken und Versicherungen sind enorm Wie groß sind nun konkret die Vorteile, die sich mit dem Versicherungskonzept (Credit Loss Insurance / Financial Guarantee) erzielen lassen? ÿ 1 und ÿ 2 zeigen, wie sich die Risikogewichte und Eigenkapitalhinterlegung bei einer Bank durch eine geeignete Versicherung reduzieren lassen. Für Versicherungen sind die Kapitalanforderungen mit dem neuen Regulierungsrahmen Solvency II ebenfalls drastisch angestiegen. Auch hier sind positive Effekte zu erwarten. Wird in der Bilanz ein 300.000 € -Kredit bei einer Finanzierungshöhe von 100 Prozent zu einer Ausfallwahrscheinlichkeit von 15 Prozent versichert, so kann letztere aus Sicht des Versicherers auf maximal 0,05 Prozent (Best Case) verringert werden und somit zu einer erheblichen Kapitalentlastung von nahezu 100 Prozent beitragen. In einem Versicherungskonzept kann auf die jeweils individuellen Kundenanforderungen explizit eingegangen werden. Etwa, auf welche Weise das Risiko jeweils ermittelt wird, d. h. ob ein interner Risikomodellansatz (IRB) oder der in Deutschland weit verbreitete Standardansatz (KSA) verwendet wird, um Risiken zu identifizieren und zuzuordnen. Der Wirkungsgrad der Versicherung ist in der Regel von den jeweiligen aufsichtsrechtlichen Gremien abhängig und bedarf deren Abnahme. Versicherungskonzepte als Mittel zur Wohnraumschaffung Der gelegentlich vorgetragene Einwand, die Versicherungskonzepte für den B2B-Sektor förderten die Bildung von Preisblasen am Immobilienmarkt, ist wenig stichhaltig. Gewöhnlich wird dabei argumentiert, Banken würden so zu einer nachlässigeren Risikobeurteilung verleitet und von Privatkunden weniger Eigenkapital bei einem Immobilienerwerb verlangen. Aus den bisherigen Erfahrungen im Bereich der Immobilienfinanzierungen ist dieses Argument kaum haltbar. Selbst bei Vollfinanzierungen ist noch ein ausreichendes Eigenkapital für die Erwerbsnebenkosten (in der Regel 8 bis 15 Prozent der Gesamtkosten) zu erbringen, außerdem gibt es keinen Unterschied bei der Risikobeurteilung von versicherten oder nicht versicherten Finanzierungen. Auch von den Versicherern wird die Einhaltung von branchenüblichen Kredit- und Qualitätsstandards von ihren B2B-Kunden gefordert. Eine regulatorische Einschränkung der Kreditausfallversicherung als Eigenkapitalersatz kann noch viel größere Probleme verursachen, das zeigt das Beispiel Schweden. Dort haben private Hausbauer ihren Kapitalbedarf mit gewöhnlichen und ungesicherten Konsumentenkrediten finanziert, weil Versicherungskonzepte durch die Regulierung der Finanzinstitute nicht in Anspruch genommen werden konnten. Das Modell wurde zum finanziellen Verhängnis und konnte nicht verhindern, dass die schwedischen Immobilienpreise trotzdem weiter anstiegen. FAZIT Versicherungskonzepte sind ein effektives Mittel der Risikominderung, zur Erweiterung des Geschäftsmodells sowie zur Optimierung von Eigenkapitalanforderungen. Sie eignen sich jenseits des Finanzsektors auch für andere Branchen Autor: Thomas Ehrhardt, Country Manager Deutschland, AmTrust International, Mortgage & Credit. 10 // 2017 47

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