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die bank 10 // 2015

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó FINANZMARKT

ó FINANZMARKT mannsbuchs von Nelkenbrecher aus dem Jahr 1871 wird auf notleidende griechische Staatspapiere hingewiesen: „Anleihe von 1824 bei Andrew Longman & Co. in London, in Oblig. à 100, 200, 350, 500 Pfund, rothe Griechen genannt, mit 5 Prozent Zinsen, die aber seit 1826 rückständig sind. Die Coupons werden in Amsterdam besonders notiert. Es soll noch eine halbe Million Pfund ungetilgt sein. Anleihe von 1825 bei J. & S. Ricardo & Co. in London, in Abschnitten wie oben, blaue Griechen genannt. Die Zinsen sind seit 1827 rückständig. Ungetilgt sollen noch sein 1.900.000 Pfund. Die rückständigen Zinsen belaufen sich auf 3.820.000 Pfund.“ 8 Gemeint ist das englische Pfund Sterling, dessen Wechselkurs damals bei gut 28 Drachmen stand. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Sommer 1914 markiert den Anfang vom Ende der Lateinischen Münzunion. Die Regierungen hoben die Einlösung von Papiergeld auf, setzten die Goldwährung außer Kraft und beschränkten den zuvor grundsätzlich freien Geld- und Kapitalverkehr. Goldmünzen wurden sowohl von öffentlichen Stellen als auch von Privaten dem Umlauf entzogen und gehortet. Papiergeld trat an die Stelle. Nationale Interessen bestimmten die Geldpolitik. Am Ende des Ersten Weltkriegs hatten sich die Wechselkurse der Teilnehmerstaaten deutlich auseinanderentwickelt. Ein Schweizer Franken galt 1918 bereits etwa zwei italienische Lire. In den folgenden Jahren drifteten die Wechselkurse weiter auseinander. Eine Rückkehr zu den alten Währungsparitäten wurde illusorisch. Während sich die Schweiz zu einem Hort der Stabilität entwickelte, betrieben andere Länder eine mehr oder weniger inflationäre Finanzpolitik. 1926 schließlich wurde die Lateinische Münzunion, die ohnehin nur noch auf dem Papier bestand, offiziell aufgelöst. In jenem Jahr stand der Wechselkurs des Schweitenumlauf um ebenso viel auszudehnen. Da hierdurch der Bedarf an Umlaufsmitteln überschritten wurde, so wurde der Zwangskurs eingeführt, welcher von da an bis April 1883 in Geltung blieb.“ 5 Italien gelang es zwar, wieder zur Währungsparität zurückzukehren. Doch das war nicht von Dauer. Die Papiergeldausgabe führte in den folgenden Jahren bis zum Ersten Weltkrieg immer wieder zu Wechselkursschwankungen, zu rückläufigen Lira-Devisenkursen ” 2 und in deren Folge zu Metallgeldabflüssen aus Italien. Schwierigkeiten gab es auch mit Griechenland, wo Banknoten ebenfalls mit Zwangskurs umliefen. Gold- und Silbermünzen verschwanden aus dem Umlauf und wurden mit hohen Aufschlägen gehandelt. In Meyers Großem Konversations-Lexikon von 1908/1909 heißt es: „Die griechischen Finanzen befanden sich stets in einem bedenklichen Chaos, dessen Ordnung nie gelungen ist und das 1893 durch die wiederholten Kriegs- 1 Mitglieder und assoziierte Länder der Lateinischen Münzunion Land Einwohnerzahl um 1895 Währungseinheit Mitglieder: Frankreich 38,4 Mio. 1 Franc = 100 Centimes Italien 30,6 Mio. 1 Lira = 100 Centesimi Belgien 6,3 Mio. 1 Franc = 100 Centimes Schweiz 3,0 Mio. 1 Franke = 100 Rappen Griechenland 2,3 Mio. 1 Drachme = 100 Lepta Assoziierte Länder in Europa: Spanien 17,6 Mio. 1 Peseta = 100 Centimos Rumänien 5,8 Mio. 1 Leu = 100 Bani Bulgarien 3,4 Mio. 1 Lev = 100 Stotinki Serbien 2,2 Mio. 1 Dinar = 100 Para Finnland rüstungen, durch die Beteiligung an den kretischen Aufständen, durch übertriebene Ausgaben für die Marine und die Unfähigkeit der meisten Finanzminister zum Staatsbankrott führte.“ 6 Und in einem zeitgenössischen „Handbuch für Bankiers und Kapitalisten“, erschienen im Jahr 1905, kann man unter dem Stichwort Griechenland lesen: „Die Metallwährung konnte sich nicht behaupten, eine Papierwährung trat an deren Stelle, und heute bedingt Gold ungefähr 50 Prozent Agio. Zur Zeit der Zahlungseinstellung Griechenlands im Jahre 1898 und der darauf erfolgenden Auseinandersetzung mit seinen Gläubigern, wonach deren Forderungen mit 30 Prozent in Gold beglichen werden, notierte das Goldagio 65 Prozent.“ 7 So war Griechenland faktisch aus der Münzunion ausgeschieden. Die griechische Staatsverschuldung scheint auch schon vor dem Beitritt zur Lateinischen Münzkonvention 1868 ein Problem gewesen zu sein. In der 19. Auflage des damals weit verbreiteten Kauf- 1 Markka = 100 Penniä Quelle: Neueste Münzenkunde aller Staaten der Erde. Naturgetreue Darstellung aller coursierenden Münztypen, deren Prägungsund Umrechnungsverhältnisse, sowie Maße und Gewichte, Flächeninhalte und Einwohnerzahl, zusammengestellt von A. L. Hickmann, Wien u. Leipzig 1895, passim. 40 diebank 10.2015

FINANZMARKT ó zer Franken bereits bei etwa sechs französischen Francs ” 2. Der Lateinischen Münzunion mangelte es an einer homogenen Wirtschaftskultur und an einer einheitlichen Finanzpolitik. Eine zentrale Notenbank für die gesamte Währungsunion war nicht vorgesehen. Unterschiedliche Vorstellungen über die Geld- und Währungspolitik führten immer wieder zu Spannungen, zu Krisen und erneuten Verhandlungen. Dabei gingen im Zweifel die nationalen Interessen vor. Dennoch bestand die Währungsunion annähernd 50 Jahre lang. Als im Ersten Weltkrieg die Regierungen ihre nationale Geld- und Finanzpolitik in den Dienst der Kriegsfinanzierung stellten, wuchsen die Diskrepanzen und wurden am Ende unüberbrückbar. Wie andere Währungsunionen, die kein gemeinsames politisches Dach hatten, brach auch die Lateinische Münzunion aufgrund nationaler Egoismen auseinander. Sie war, wie viele Währungsunionen in der Geschichte, keineswegs von Dauer. ó Autor: Dr. Bernd Sprenger ist Diplom-Volkswirt, Wirtschaftshistoriker und geschäftsführender Gesellschafter der Schwarz & Sprenger Agentur für Öffentlichkeitsarbeit in München. 1 Siehe zum Beispiel J. C. Nelkenbrecher’s Taschenbuch der Münz-, Maaß- und Gewichtskunde, der Wechsel-, Geld- und Fonds-Curse u. s. w., neubearbeitet von H. Schwabe, 19. Auflage, Berlin 1871, S. 392. 2 Zur Gründung und Entwicklung der Lateinischen Münzunion siehe Zellfelder, Friedrich: Der Lateinische Münzbund: Grundlagen, Entstehung und Scheitern, in: Schneider, Jürgen, u. a. (Hrsg.): Währungen der Welt, Band I: Europäische und nordamerikanische Devisenkurse 1777 – 1914, Teilband 1, Stuttgart 1991, S. 105 bis 121, sowie Theurl, Theresia: Eine gemeinsame Währung für Europa. 12 Lehren aus der Geschichte, Innsbruck 1992, S. 175 bis 213. 3 Theurl, Eine gemeinsame Währung für Europa (siehe Anmerkung 2), S. 181. 4 Das ganze „Kleinklein“ der oft langwierigen Verhandlungen, die wegen der Entwertung des Silbers einsetzten und die zu entsprechenden neuen Vereinbarungen und Bestimmungen führten, kann man aus zeitgenössischer Sicht nachlesen bei Lexis, W.: Münzbund, Lateinischer, in: Handwörterbuch der Staatswissenschaften, hrsg. v. J. Conrad, L. Elster, W. Lexis u. Edg. Loening, 2. Auflage, 5. Band, Jena 1900, S. 893 bis 898. 5 Wirth, Max: Das Geld. Geschichte der Umlaufsmittel von der ältesten Zeit bis in die Gegenwart, Leipzig/Prag 1884, S. 177. 6 Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, 20 Bände, Leipzig u. Wien 1908/1909, hier Band 8, S. 310. 7 Deutsch, Heinrich: Arbitrage in Münzen, Barren, Wechseln, Effekten und Prämien. Ein Handbuch für Bankiers und Kapitalisten, Berlin 1905, S. 148. 8 J. C. Nelkenbrechers Taschenbuch (siehe Anmerkung 1), S. 36. 2 Entwicklung der Devisenkurse in der Lateinischen Münzunion Jahresmittelwerte 100 Schweizer Franken in FF 100 belgische Franken in FF 100 italienische Lire in FF 1865 100 100 100 1870 100 100 97 1880 100 100 91 1890 100 100 99 1900 99 100 94 1910 100 100 99 1913 100 99 98 1918 130 99* 73 1920 238 105 71 Jeder ist besonders Ihre Spende verbessert die Lebensqualität von Menschen mit Behinderungen in Bethel. 1924 367 88 85 1926 596 --- 119 FF = Französische Francs, in der Regel Devisenkurse Paris. *1919 statt 1918 Quelle: Schneider, Jürgen, u. a. (Hrsg.): Währungen der Welt, Band I, Europäische und nordamerikanische Devisenkurse 1777 – 1914, Stuttgart 1991, Teilband 2, S. 236 ff. sowie Teilband 3, S. 243 f.; Band II, Europäische und nordamerikanische Devisenkurse 1914 – 1951, Stuttgart 1997, S. 128 f. u. 132. Spendenkonto IBAN: DE48 4805 0161 0000 0040 77 BIC: SPBIDE3BXXX Stichwort »Zukunft« 10.2015 diebank 41 413

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