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die bank 09 // 2022

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

DIGITALISIERUNG OPEN

DIGITALISIERUNG OPEN BANKING UND EMBEDDED FINANCE ALS CHANCE DIE BANK WIRD ZUM IT-DIENSTLEISTER Immer mehr Banken betrachten Open Finance als große Chance - aber wird diese ausreichend genutzt? Dieser Fragestellung widmete sich die Fachtagung „Beyond PSD2: Open Banking - Open Finance - Open Data”, die der Bank-Verlag in Köln veranstaltete. Mit Embedded Finance haben wir ein riesiges Potenzial, näher am Leben der Kunden zu sein und branchenübergreifend alltägliche Produkte zu entwickeln“ – auf diese griffige Formel bringt Joris Hensen die Vorteile dieser neuartigen „eingebetteten Finanzlösungen“. Hensen verantwortet bei der Deutschen Bank das API-Programm. Die Welt der Schnittstellen bietet viele Ansatzpunkte für eingebettete oder verknüpfte Dienstleistungen rund um Finanzprodukte. Schon früh hat die Deutsche Bank die Chancen dieses Sektors erkannt, bereits seit 2015 beschäftigt sich dort eine komplette Einheit mit Ideen und Entwicklungen, wie sich – auf den ersten Blick – bankferne Dienstleistungen mit den typischen Angeboten der Institute verbinden lassen. Digitale Komponenten der Banken wie Bausteine nutzen Bankferne Unternehmen sollen nämlich künftig komplette Finanzprodukte und Bankdienstleistungen direkt in ihre eigenen Angebote integrieren können. „Ein Geschäftsmodell, das allen Beteiligten Vorteile bringt. Im Idealfall nutzen Unternehmen die digitalen Komponenten und Dienste der Banken wie Bausteine, die sie dank API zu eigenen, zielgruppengerechten Produktangeboten zusammensetzen können“, formulierte Hensen kürzlich in seinem Gastbeitrag für die Zeitschrift „die bank“ („Das neue Selbstverständnis der Banken“, Ausgabe 05-2022). Eins der ersten digitalen Produkte dieser Art sei Uber gewesen, führte er bei der Fachtagung in seinem Vortrag aus. Der nicht nur in den USA erfolgreiche Fahrdienst zeige auf vorbildliche Weise, wie ein neuer Dienst auf vorhandenen digitalen Produkten – hier: Messaging-Dienst, Maps und Zahlungsverkehrs-Apps – aufsetzt und diese geschickt verbindet. Auch Reiseportale, die Flugbuchungen mit den Zusatzangeboten Mietwagen, Hotels, Ausflugspaketen und Versicherungen kombinieren, belegen, dass Produkte heute näher an den Konsumenten heranrücken und alle Angebote am Ort des Bedarfs bündeln. Gleichzeitig, so der Mann von der Deutschen Bank, entstünden neue Vertriebskanäle für die Anbieter von derart integrierten Produktangeboten. 44 09 | 2022

DIGITALISIERUNG Finanzdienstleistungen neu denken Im Finanzbereich ließen sich Bankdienste mit Embedded Finance heute nahtlos in ein anderes Produkt integrieren. Das beginne mit der Kontoeröffnung über ein Konto- Vergleichsportal, gehe über Bezahldienste bis hin zum Investmentbereich. Diese spannende Entwicklung nutze auch dem Kunden. Er müsse nicht mehr auf diversen Seiten Hilfe oder Angebote zusammensuchen, sondern werde auf einer Seite rundum bedient. Das Rad muss dabei offensichtlich nicht immer neu erfunden werden. Vielmehr gehe es darum, vorhandene Dinge zu integrieren und zu sogenannten Mash-ups zusammenzuführen. Ein Konzept aus der Innovationsforschung, das sich auch in der Zusammenarbeit mit Trendforschern bewährt habe, sagte Joris Hensen. So beobachte man auch neue Trends im Ausland und überlege, wie man diese Innovationen als neues Feature in vorhandene oder komplett neue eigene Produkte einfließen lassen kann. Bei der Umsetzung von Embedded- Finance-Ansätzen seien zwei Kriterien ausschlaggebend: Der Prozess einerseits und die technischen Schnittstellen als „Grundzutat“ andererseits, ohne die nichts funktionieren könne. Beim Start des Programms sei 2015 noch nicht ganz absehbar gewesen, wo die Reise hingehen würde, erinnerte sich Hensen zurück. „Für uns war nur klar, dass wir als Bank die Chance nutzen wollten, uns über die Maße der Regulation hinaus zu öffnen, damit wir in der Lage sind, neue Produkte für unsere Kunden oder die Kunden von Partnern zu entwickeln.“ Dabei habe das Prinzip der Offenheit und Partnerschaft stets im Mittelpunkt gestanden. Produktmanager müssen technologisches Basiswissen besitzen Für den Erfolg von Embedded Finance sei aber auch ein neues Rollenverständnis wichtig. Etwa bei den Produktmanagern, die heute verstehen müssen, wie man Bankdaten als Geschäftsmodell nutzen kann. Allerdings sollten diese auch das technologische Basiswissen besitzen, um die Umsetzung zu begleiten. Natürlich sei es nicht leicht, Mitarbeiter zu finden, die den entsprechenden Background für dieses duale Verständnis mitbringen. Aber mit der gewohnten Trennung zwischen IT und Geschäftsbereich komme man an dieser Stelle eben nicht weiter, die Einheiten müssten zusammenwachsen. Der Entwicklungsprozess neuer Embedded-Finance-Produkte gestalte sich dabei als agiler End-to-End-Prozess: Vom Konzept über die eigentliche Entwicklung und diverse Testphasen bis hin zur Vermarktung. Am Ende stünden positive Ergebnisse für beide Seiten, nämlich verbesserte Kundenerlebnisse und neue Geschäftsmodelle. Abgeschlossen sei der Prozess damit aber noch nicht. Hensen: „Man liefert nicht etwas und beschäftigt sich dann nicht mehr damit, man arbeitet weiter damit.“ Wichtig für den Erfolg von Embedded Finance sei, dass das Feedback der Anwender in die stetige Weiterentwicklung einfließe, ebenso wie der Wunsch nach weiteren, zusätzlichen Features. Viele kleine Nischen ergeben das Geschäftsmodell Alles Streben nach einem Mehrwert in einem Produkt funktioniere natürlich nicht ohne einen geeigneten Hintergrund an Daten als Basis. Um Daten nach draußen nutzbar zu machen, müssten auch innerhalb der Bank wiederverwendbare Schnittstellen genutzt werden. Das bedeutet, einmal „gebaute“ APIs auch in anderen Projekten weiter zu nutzen, über Bereichsgrenzen hinweg. Damit die Leistungen skalierbar werden, müssten die Prozesse hinter diesen APIs volldigital sein, also ohne manuelle Schritte im Eröffnungsprozess, die nur den Workload der Service-Center erhöhten. Entwickelt würde aber normalerweise nicht die eine „Killer-App“, sondern erfahrungsgemäß gehe es fast immer um nischenbasierte Produktentwicklung, erläuterte der API-Fachmann. Für den Geschäftserfolg sei dann schließlich die Summe der Nischen ausschlaggebend. Ein weiterer interessanter Punkt im Rahmen von Embedded Finance: Eine Bank kann durch sie auch zum Daten-Dienstleister für Geschäftskunden werden. Viele Firmenkunden nutzen bislang nämlich noch Software von Drittanbietern, um ihre Bankdaten aufwendig in die eigenen Prozesse zu importieren, oder sie verwenden beispielsweise eine Steuer-Software, um ihre Steuererklärung auszufüllen. Hier wäre auch eine Einsatzmöglichkeit für den direkten Datenimport denkbar. Bank kann neue Rolle einnehmen Eine Bank kann mit den neuen Prozessen also eine neue Rolle einnehmen und zum IT- Dienstleister werden, mit eigenem Developer- Portal, mit dem Überblick über Entwicklungszyklen und Produktmanagern, die direkt mit der Außenwelt interagieren. Die Frage, ob sich der Aufwand lohne, bestätigte Joris Hensen den Fachtagungs-Besuchern beim Bank- Verlag. Einerseits gebe es ein verbessertes Produktangebot für eigene Kunden und die Kunden Dritter, andererseits werde eine stärkere Kundenbindung aufgebaut und natürlich auch Umsatz generiert. 09 | 2022 45

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