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die bank 09 // 2021

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

DIGITALISIERUNG

DIGITALISIERUNG ZAHLUNGSVERKEHR I ZIEL: ALLES UNTER EINEM DACH Im Zahlungsverkehr ist es derzeit spannend wie schon lange nicht mehr. Nach dem Zusammenschluss von paydirekt und giropay und vor dem Hintergrund der European Payments Initiative (EPI) sieht sich der Sektor vor großen Herausforderungen. In diesem Markt ist viel Bewegung“ – treffender als Christian von Hammel-Bonten kann man die Situation kaum beschreiben. Paydirekt, giropay, Kwitt, dann EPI oder auch die Initiative #DK („Digitale Kreditwirtschaft“, und der Hashtag wird dabei konsequent mitgesprochen) – es ist gar nicht so einfach, den Überblick über die Entwicklungen der vielen verschiedenen mobilen Bezahlverfahren in Deutschland und Europa zu behalten. Umso willkommener war den ZuhörerInnen bei der Bank-Verlag Fachkonferenz „Zahlungsverkehr der Zukunft-Update“ der kleine Blick hinter die Kulissen, den der Geschäftsführer der paydirekt GmbH in seiner Keynote gewährte. Erinnern wir uns zunächst aber: Paydirekt war 2015 als gemeinsamer Online-Bezahldienst der deutschen Banken, Sparkassen und Genossenschaftsinstitute gestartet und hatte es von Beginn an nicht gerade leicht. Nicht wenige Marktbeobachter sind der Ansicht, dass der Dienst wohl schlicht zu spät startete, um noch zu einer ernsthaften Konkurrenz für Paypal werden zu können. Schließlich war der kalifornische Dienstleister zu diesem Zeitpunkt schon mehr als zehn Jahre in Deutschland aktiv und hatte sich für Millionen Kunden vor allem über die Verkaufsplattform Ebay zum bewährten „Bezahlfreund“ etabliert. Wer damals – wie die Autorin – aus grundsätzlichen Erwägungen dann doch lieber dem deutschen Newcomer den Vorzug geben wollte, stieß bei der geringen Zahl der an paydirekt angebundenen Online-Shops immer wieder frustriert an seine Grenzen. Nun hat die paydirekt GmbH Ende letzten Jahres die giropay GmbH übernommen (später auch noch den reinen Sparkassen- Dienst Kwitt), und führt das Online-Bezahlverfahren seit diesem Frühjahr unter dem Markennamen giropay weiter. giropay übernimmt dabei die Zahlungsabwicklung, d. h. Zahlungen werden direkt vom Girokonto des Käufers auf das Girokonto des Händlers geleitet. Diese Abgrenzung zur Arbeitsweise zahlreicher Drittanbieter im Markt ist für von Hammel-Bonten ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal, und er leitete mit der rhetorischen Volte „Würden Sie sich von einem Rennfahrer die Haare schneiden lassen?“ zu seinem Statement über, Geldangelegenheiten den ursprünglich Zuständigen zu überlassen. „Das Girokonto ist die Heimat des Geldes“, lautete seine markige Botschaft. Die ganzen Intermediäre in der Szene, die ApplePays, Klarnas, Überweisungsdienste, aber auch Kredit-Schemes und andere, säßen immer nur 46 09 // 2021

DIGITALISIERUNG „dazwischen“. Warum also sollten KundInnen diese Dienstleistung des Geldtransfers nicht viel lieber demjenigen überlassen, dem sie im Zusammenhang mit Geld auch sonst als erstem vertrauen – nämlich der kontoführenden Bank oder Sparkasse, der man ja schon seit langem sein Geld in bewährter Weise anvertraut. Lieber Haus- als Challenger-Bank Eine Studie der ING zu digitalem Banking in Deutschland scheint diese Vorliebe zu untermauern: Ihr zufolge nutzen 65 Prozent der Deutschen Online Banking, und sogar 68 Prozent würden lieber das digitale Angebot ihrer Hausbank ausprobieren als das einer Challenger-Bank. Von Hammel-Bontens Credo: Mit dem Angebot giropay als „digitaler Schwester“ der girocard könnten Deutsche komfortabel und direkt von ihrem gewohnten Girokonto Geld senden oder anfordern. Ein Mehrwertservice des vorhandenen Girokontos ohne die Fraud-Gefahr, die im Netz nur zu oft lauere. Immerhin sei jeder zehnte Online Shopper schon einmal einem Betrug zum Opfer gefallen, zitierte der paydirekt-Mann eine Studie von ECC. giropay hingegen ermögliche allen deutschen Bankkunden schnelles digitales Bezahlen, dafür sorgen mehr als 1.500 Banken und Sparkassen, die an dem System teilnehmen, mit ihren bewährten Sicherheitssystemen. Mit einem kleinen Ausblick auf die giropay- Roadmap schilderte Christian von Hammel- Bonten abschließend die geplante Erweiterung der Bankenreichweite und die Optimierung der Händleranbindung bis hin zur Integration der digitalen girocard. Auf die Zuschauerfrage, wann der Rollout der digitalen girocard anstehe, lautete seine Antwort etwas vorsichtig, damit sei wohl im nächsten Jahr zu rechnen. Braucht es bei so viel neuer Einigkeit im Markt dann überhaupt noch ein europäisches Pendant, das als EPI (European Payment Initiative) auf Basis des Instant-Payments-Standard schon lange heiß diskutiert wird? EPI will VerbraucherInnen und HändlerInnen in ganz Europa nicht nur eine Karte, sondern auch eine digitale Geldbörse anbieten. Derzeit sind 31 europäische Banken bzw. Kreditinsti- 09 // 2021 47

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