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die bank 09 // 2021

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT 2 | Kriterien für

MARKT 2 | Kriterien für die Wahl eines Wealth Managers bei den jungen Vermögenden Relevanz ausgewählter Merkmale im Banking Erreichbarkeit 4,7 Online Banking 4,5 persönlicher Kontakt 4,5 Preise 3,0 Mobile Banking 2,9 weltweite Präsenz 2,7 Marke 2,4 Produktspektrum 2,2 Quelle: Consileon. 50 Mio. US-$ zur Verfügung hat, wuchs schneller und verzeichnete demnach einen Zuwachs von 24 Prozent. Nach Angaben des Geldhauses ist dies die höchste Steigerungsrate seit 2003. Auch zukünftig soll sich das Wachstum der Reichen und Superreichen weiter fortsetzen. Die Credit Suisse schätzt, dass die Zahl der Millionäre bis zum Jahr 2025 auf über 84 Millionen steigen wird, was einem Anstieg um fast 28 Millionen Menschen entspricht. Die Anzahl der Ultra High Net Worth Individuals soll in diesem Zeitraum um durchschnittlich 25.000 pro Jahr wachsen. Gegenüber dem Jahr 2020 entspricht das einem Zuwachs von 60 Prozent. Für den finanziellen Erfolg der Millionäre machte die Studie vor allem die Kursgewinne an den Aktienmärkten und die gestiegenen Immobilienpreise verantwortlich, die vornehmlich der Niedrigzinsphase, aber auch den zahlreichen Corona-Hilfen geschuldet waren. Zugleich hat allerdings auch der Konsumausfall infolge der Corona-Pandemie zu einer erhöhten Sparquote geführt und das Vermögen der Reichen anwachsen lassen. Erwartungsgemäß war der Aktienkurseffekt in den USA besonders ausgeprägt, da dort die AnlegerInnen einen hohen Anteil ihres Vermögens in Aktien halten. In Deutschland ist es genau umgekehrt: Im Vergleich zum Weltdurchschnitt sind deutsche Vermögende unterdurchschnittlich in Aktien, aber dafür überdurchschnittlich in Immobilien investiert. Junge Generation mit anderen Erwartungen Eine Analyse des Wealth-Management-Markts zeigt, dass dieser spürbar in Bewegung ist. Angesichts zunehmender Marktvolatilitäten und der gestiegenen Inflation überrascht es nicht, dass viele der heutigen HNWIs in erster Linie versuchen, ihr Vermögen zu erhalten statt es zu vermehren. Es geht also bei der Anlagestrategie darum, sicher zu investieren und im besten Fall eine kleine Rendite in Höhe von 1 bis 2 Prozent zu generieren. Laut dem Capgemini-Report haben die gut Betuchten im ersten Quartal 2021 gegenüber dem ersten Quartal 2020 ihren Anteil an festverzinslichen Wertpapieren ausgebaut. Ansonsten blieb die Vermögensallokation nahezu unverändert. Auffallend ist jedoch, dass von 1998 bis zum ersten Quartal 2021 alternative Anlageformen immer beliebter wurden und dementsprechend Eingang in das Portfolio fanden. Aktuell machen sie bereits 14 Prozent der im Portfolio gehaltenen Vermögenswerte aus. Schwindendes Vertrauen in das Finanzsystem Zugleich zeigen MillionärInnen in diesem Zusammenhang auch ein gestiegenes Interesse an Kryptowährungen und Special Purpose Acquisition Companies, sogenannten SPACS. Beides sind aktuelle Megatrends, die bereits auch bei kleinen PrivatanlegerInnen mit geringen Vermögen weltweit auf großen Zuspruch stoßen. Eine Erklärung für diesen Hype ist das schwindende Vertrauen in das bestehende Finanzsystem, aber auch die Tatsache, dass eine Gruppe der Vermögenden auch aggressive Renditeziele verfolgt. Festgestellt wurde ebenfalls ein steigender Beratungsbedarf zu steueroptimierten Investitionen, aber auch zu philanthropisch und sozial verantwortungsvollen Themen. Was das Verhalten der Vermögenden bei ihrer Anlage angeht, so nehmen diese gerne wieder selbst das Zepter in die Hand, auch wenn selbstgesteuerte Investitionen umfangreiche Kennt- 26 09 // 2021

MARKT nisse voraussetzen und Zeit in Anspruch nehmen. Laut Capgemini nähern sich HNWIs damit dem Verhalten institutioneller AnlegerInnen an und suchen eine Mischung aus digitaler und direkter Interaktion mit der Vermögensverwaltung. Dr. Marcus Lingel, Vorsitzender der Geschäftsführung und persönlich haftender Gesellschafter der Merkur Privatbank, sieht die Anforderungen an Bank und Beratung deshalb auch steigen: „Gerade High- und Ultra High Net Worth Individuals analysieren immer genauer ihre Finanzpartner. Die Anforderungen an die Wertekultur und ein transparentes und erfolgreiches Geschäftsmodell nehmen stetig zu.“ Ähnlich sieht es Oliver Plaack, Erweiterte Geschäftsleitung der Bankhaus Lampe KG: „Die Prioritäten sowie der Wert, den die KundInnen z. B. ihrer eigenen Zeit beimessen, haben sich verschoben. Wir sehen drei Ebenen der Erwartung und damit auch gleichzeitig Handlungsfelder: Service, Purpose und Convenience.“ Vermögensverwaltungen müssen also ihre Strategien und Geschäftsmodelle kontinuierlich an die Wünsche, Erwartungen und Wertvorstellungen ihrer Kundschaft anpassen, wenn sie im Segment der Reichen und Superreichen auch zukünftig erfolgreich sein wollen. Dies gilt umso mehr, als eine mit dem Internet bestens vertraute Generation heranwächst, die in vielen Fällen nicht nur bereits über ein Millionenvermögen verfügt, sondern in den kommenden Jahren auch ein Millionenvermögen erben wird. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) gehen von insgesamt 400 Mrd. € pro Jahr aus, die allein in Deutschland in den nächsten Jahren vererbt werden sollen. Diese Generation der jungen Reichen zeichnet sich durch eine hohe Anpassungsfähigkeit und Flexibilität aus, da sie mit Krisen und Umschwüngen aufgewachsen ist. Mit einer klassischen Betreuung und der Empfehlung konventioneller Produkte ist es bei der nachwachsenden Generation der HNWIs und UHNWIs künftig also nicht mehr getan. 09 // 2021 27

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