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die bank 09 // 2021

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT GREENWASHING ESG,

MARKT GREENWASHING ESG, das Bankgeschäft nach strengen Umwelt-, Sozial- und Ethikkriterien, ist für die Institute längst kein neues Thema mehr. Doch während sich die Branche schon lange mit Nachhaltigkeit beschäftigt, rückt jetzt die Angst vor dem Missbrauch immer stärker in den Fokus. Vor allem US-Investoren fürchten, dass Unternehmen ihr Engagement deutlich positiver darstellen, als es tatsächlich ist. Rund 65 Prozent der befragten US-Anleger halten „Greenwashing“ für ein ernstes Problem, so eine Umfrage der britischen Großbank HSBC unter weltweit 2.000 am Kapitalmarkt aktiven Unternehmen und Großinvestoren. In Asien seien es etwa 20 Prozent, in Europa jedoch nur deutlich unter 5 Prozent. Für Schlagzeilen hatte das Thema jüngst vor allem gesorgt, weil die ehemalige Nachhaltigkeitschefin der deutschen Fondsgesellschaft DWS, Desiree Fixler, die Deutsche-Bank-Tochter beschuldigt hatte, ihr ESG-Engagement zu positiv darzustellen – was das Unternehmen zurückwies. Laut HSBC-Studie gaben 80 Prozent der US-Großanleger an, dass ESG-Themen für sie sehr wichtig seien. In Europa fanden das jedoch nur 40 Prozent. So üben aktuell die Investoren aus den USA den größten Druck auf die Unternehmen aus, dass sie sich von umweltschädlichen und sozialunverträglichen Aktivitäten trennen sollen. Rund 60 Prozent der US-Anleger empfinden es als sehr wichtig, dass die Unternehmen, deren Wertpapiere sie kaufen, sich auf die Folgen des Klimawandels einstellen. In Europa teilen gerade mal rund 25 Prozent diese Einstellung. Immerhin wollen laut HSBC-Umfrage in den kommenden fünf Jahren 94 Prozent aller befragten Unternehmen Aktivitäten herunterfahren, die die Umwelt schädigen oder sozial unverträglich sind. Ganz uneigennützig handelt die Wirtschaft dabei keinesfalls. Mehr als die Hälfte der Befragten glaubt, dass sich stärkeres ESG-Engagement auch wirtschaftlich für sie auszahlen wird, weil Renditen steigen oder Risiken sinken. Nur noch 25 Prozent der weltweiten Großinvestoren fürchten, dass nachhaltige Investments die Rendite drücken. Vor einem Jahr waren es mit 31 Prozent noch deutlich mehr. Und rund jedes zweite der befragten Unternehmen gab an, die Folgen des Klimawandels schon im Geschäft zu spüren. Die EU strebt damit unter anderem verbindliche Standards und ein Ende des sogenannten Greenwashings an. Die Taxonomie wird schrittweise in die EU- Rechtsvorschriften integriert. Eine intensive Auseinandersetzung damit ist deshalb für Finanzinstitute zwingend erforderlich. Ann-Ulrike Henning, Associate Director im Team Nachhaltigkeit beim Bankenverband, über Vorteile und Herausforderungen des neuen Instruments. die bank: Wie stark haben die Banken das Thema EU-Taxonomie auf der Agenda? Ann-Ulrike Henning: Die Taxonomie ist das Kernstück des EU- Aktionsplans Sustainable Finance, sie gibt Kriterien für Nachhaltigkeit vor. Auch für die Banken ist die Taxonomie die maßgebliche Legislativ-Initiative mit weitreichenden Auswirkungen. Erste Anwendungsprojekte sind bereits angelaufen. 09 // 2021

MARKT INTERVIEW DIE TAXONOMIE UND IHRE TÜCKEN Kernstück des EU-Aktionsplans für Nachhaltigkeit ist die Etablierung eines einheitlichen Klassifikationssystems, um den Grad der ökologischen Nachhaltigkeit einer Investition messen zu können. Mit dieser Taxonomie gibt die EU einen festen Rahmen vor, um Kapitalströme in umweltfreundliche Bahnen zu lenken und das Wirtschaftsleben nachhaltiger zu gestalten. die bank: Schon Ende 2021 soll die erste Phase dieses verbindlichen Klassifikationssystems umgesetzt sein. Ist dies realistisch? Henning: Kreditinstitute arbeiten mit Hochdruck an der Umsetzung der Taxonomie. Das ist und bleibt herausfordernd – auch und gerade wegen des hohen Zeitdrucks. Zwei Beispiele: Im Juli hat die EU- Kommission mit Artikel 8 der Taxonomie überhaupt erst die Transparenzpflichten für Kreditinstitute festgelegt. Diese sind dann ab 1. Januar 2022 zu erfüllen. Die Green Asset Ratio wird weitreichende Implikationen haben. die bank: Welche Vorteile sind aus Ihrer Sicht mit der Taxonomie für die Institute verbunden? Henning: Sie hilft die Verfügbarkeit und Qualität von Unternehmensdaten für Nachhaltigkeit zu verbessern. Dabei ist die Taxonomie ein flexibles Instrument, das technologischen Wandel, Wissenschaft sowie neue Wirtschaftstätigkeiten und Daten berücksichtigt. Sie ist keine verpflichtende Investmentliste und trifft auch grundsätzlich keine Aussage über das Risiko einer Investition. Sie bietet damit eine Gesprächsgrundlage und Orientierungshilfe für Banken, Unternehmen und Stakeholder. die bank: Welche Herausforderungen müssen die Institute bewältigen? Henning: Die Herausforderungen sind vielfältig. Die Taxonomie ist ein sehr komplexes Rahmenwerk. Die Do-No-Significant-Harm-Kriterien sind zum Teil schwer prüfbar. Vielfach liegen die erforderlichen Daten (noch) nicht vor oder haben nicht die ausreichende Qualität. Bereits heute ist absehbar, dass die Taxonomie mit einem hohen Umsetzungsaufwand verbunden sein wird – etwa im Bereich Mitarbeiterschulungen oder bei der IT-Umsetzung der Datenerhebung. International entwickeln sich weitere Klassifikationsrahmen für Nachhaltigkeit, ähnlich der EU-Taxonomie. Es sollte darum gehen, diese so zu gestalten, dass sie miteinander kompatibel sind und gerade für international tätige Banken eine möglichst konsistente Grundlage schaffen. die bank: Ist die Taxonomie aus Ihrer Sicht ein wirksames Mittel gegen Greenwashing? Henning: Die Taxonomie ist ein Klassifizierungssystem mit einheitlichen Begrifflichkeiten für nachhaltige wirtschaftliche Tätigkeiten. Sie stellt klare Regeln auf und ermöglicht gleiche Wettbewerbsbedingungen. Die Taxonomie kann so einen Beitrag dazu leisten, Greenwashing zu erschweren und zu verhindern. die bank: Frau Henning, vielen Dank für das Gespräch. Die Fragen stellte Eli Hamacher. 09 // 2021 23

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