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die bank 09 // 2021

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT 2 | Klimawandel im

MARKT 2 | Klimawandel im Fokus Anteil der Befragten Unternehmen/Großinvestoren in Prozent Der Klimawandel ... 51 % ... beeinflusst unser Geschäft und unsere Aktivitäten bereits 30 % ... wird uns in den nächsten 10 Jahren beeinflussen 2 % Keine Angaben 1 % ... wird uns nie beeinflussen 3 % ... wird uns erst in 30 Jahren beschäftigen 13 % ... wird uns in den nächsten 10 bis 30 Jahren beeinflussen Quelle: HSBC. keits-Berichtspflichten als wichtigste anstehende Herausforderung (34 Prozent); erst dann kommt die Bewältigung der Corona- Krise und deren Folgen (31 Prozent). Welch enormen Einfluss Banken und Investoren mit der bewussten und zielgerichteten Steuerung von Geldströmen auf die nachhaltige Transformation der Gesamtwirtschaft haben, unterstreicht Michaela Öggl, ESG Coordination Managerin der HypoVereinsbank: „Der Bankensektor nimmt auf dem Weg zur Klimaneutralität eine Katalysatorfunktion ein: Neben Maßnahmen, die wir als Unternehmen selbst treffen können, um klimaneutraler zu wirtschaften, unterstützen wir auch unsere KundInnen dabei, ihren CO 2 -Ausstoß zu reduzieren.“ Jörg Eigendorf bringt es in Zahlen auf den Punkt: „Für die Transformation unserer Wirtschaft werden gigantische Investitionen erforderlich sein: Laut aktuellen Schätzungen sind bis 2050 jedes Jahr mehr als zwei Billionen Euro weltweit nötig.“ Dadurch fiele das gesamte jährliche Finanzierungsvolumen des Bankensektors laut Berechnungen von Autonomous um 15 Prozent höher aus als heute. Die Herausforderungen für die Branche sind vielfältig. Kernstück des EU-Aktionsplans für Nachhaltigkeit ist die Etablierung eines einheitlichen Klassifikationssystems, um den Grad der ökologischen Nachhaltigkeit einer Investition messen zu können. Mit dieser Taxonomie gibt die EU einen festen Rahmen vor, um Kapitalströme in umweltfreundliche Bahnen zu lenken und das Wirtschaftsleben nachhaltiger zu gestalten. Sie strebt damit unter anderem verbindliche Standards und ein Ende des sogenannten Greenwashings an. Die Taxonomie wird schrittweise in die EU- Rechtsvorschriften integriert. Eine intensive Auseinandersetzung damit ist deshalb für Finanzinstitute zwingend erforderlich (siehe Interview). Gleichzeitig steigt das Interesse der Regulierungsbehörden an dem Thema und setzt die Branche unter Druck, nachprüfbare Angaben zum Klima-Engagement zu machen. Das bekam jüngst auch die DWS, Fondstochter der Deutschen Bank, zu spüren, als die US-Wertpapierbehörde wegen des Verdachts irreführender Nachhaltigkeitsangaben ermittelte (siehe Kasten). An guten Vorsätzen und konkreten Zielen mangelt es nicht. Die Commerzbank etwa trat im April 2021 der Net-Zero Banking Alliance der Finanzinitiative des Umweltprogramms der Vereinten Nationen bei. Ziel ist eine auf netto Null reduzierte CO 2 -Bilanz des gesamten Kredit- und Investmentportfolios der Bank bis spätestens 2050. Für den eigenen Bankbetrieb strebt das Institut nach eigenen Angaben bereits für 2040 an, die CO 2 -Emissionen auf Null zu senken, inklusive eines klimaneutralen Lieferantenportfolios. Zudem unterstützt die Bank die nachhaltige Transformation ihrer Kunden. Bis 2025 16 09 // 2021

MARKT soll das nachhaltige Geschäftsvolumen auf 300 Mrd. € steigen. Allein in den vergangenen sechs Monaten habe die Bank dieses Volumen von 100 auf gut 140 Mrd. € erhöht, so ein Sprecher. Michaela Öggl unterstreicht: „Wir müssen handeln und sind uns als Unternehmen unserer Verantwortung bewusst: Deshalb hat die HypoVereinsbank im vergangenen Jahr mit 15 weiteren Akteuren die Selbstverpflichtung des deutschen Finanzsektors zur Erreichung der Ziele des Pariser Klimaabkommens unterzeichnet.“ Den eigenen CO 2 -Verbrauch habe die Gruppe seit 2008 bereits um 60 Prozent reduziert, bis 2030 plane man eine Reduktion um 80 Prozent. Bis 2028 werde die UniCredit außerdem vollständig aus der Finanzierung des Kohlesektors aussteigen. Schon drei Jahre früher will die Deutsche Bank keinen Abbau von Kraftwerkskohle mehr finanzieren. Um den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren, solle der Gesamtenergieverbrauch bis zum Jahr 2025 gegenüber 2019 um 20 Prozent sinken und gleichzeitig sollen erneuerbare Energien 100 Prozent des Stroms liefern, so Eigendorf. Der eigene Geschäftsbetrieb sei schon seit 2012 klimaneutral. Bei der HypoVereinsbank kommt in Deutschland der Strom in allen Gebäuden und Filialen laut Michaela Öggl seit 2010 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien. Die Commerzbank betreibt seit 2013 alle deutschen Gebäude mit Ökostrom. Um die Netto- Null schon bis 2040 zu erreichen, will das Frankfurter Institut zudem die Firmenwagenregelung ändern, Flüge beschränken und die Immobilien weiter energetisch sanieren. „Den geringen Rest an verbleibenden, nicht vermeidbaren Emissionen werden wir dann gemäß internationalen Standards durch anerkannte CO 2 -negative Maßnahmen kompensieren (z. B. Aufforstung, CO 2 -Einlagerung), statt CO 2 -Zertifikate zu nutzen“, so ein Sprecher des Instituts. Wie bei vielen Großbanken läuft auch bei der KfW-Bankengruppe der Bankbetrieb im Bereich Energie (Gebäude) weitestgehend klimaneutral. Strom liefern eigene Photovoltaikanlagen, Blockheizkraftwerke sowie Solar-, Geothermie- und Holzpellet-Anlagen. Wie die eigenen Gebäude wird auch das externe Rechenzentrum mit zertifiziertem Ökostrom versorgt. Den Umstieg auf umweltfreundliche Verkehrsträger fördere die Gruppe durch Erstatten von Fahrtkosten im ÖPNV, Jobtickets, Ladesäulen für E-Bikes und E-Fahrzeuge, sagt Karl-Ludwig Brockmann, Konzernbeauftragter Umwelt und Nachhaltigkeit der KfW-Bankengruppe. Wer mit dem Rad zur Arbeit kommt, kann an den Stellplätzen Duschen und Spinde nutzen. Auch die aktuell 45 Elektro- und Hybridfahrzeuge würden immer stärker genutzt. Zur Kompensation der CO 2 - Emissionen kauft die KfW laut Brockmann hochwertige Zertifikate des Clean Development Mechanism (CDM) am Markt ein und legt sie endgültig still. Im Jahr 2020 stammten sie aus einem Windkraftprojekt in Indien und hatten den höchstmöglichen Zertifizierungsstatus „Gold Standard“. Bei der GLS Bank, die als erstes Institut nach sozial-ökologischen Grundsätzen arbeitete, besteht der Fuhrpark nur noch aus einer rein elektrischen Flotte plus Pedelecs, die die Mitarbeiter leihen können. „Bahnfahren ist ein Muss, Flüge müssen vermieden werden, vor allem bis 1000 Kilometer“, sagt Laura Mervelskemper, Leiterin der Abteilung Wirkungstransparenz & Nachhaltigkeit. Zudem sei im vergangenen Jahr eine Plattform für Fahrgemeinschaften eingeführt sowie ein Teil der Parkplätze nur für E-Autos und die Fahrgemeinschaften ausgewiesen worden. Auf dem Gelände eines etwa 100 Quadratmeter großen Parkplatzes werde in Kürze ein Betriebskindergarten entstehen. Regelmäßig nehme die GLS Bank zudem an den Klimastreiks teil, ergänzt Mervelskempers Kollege Jan Köpper. Neben dem deutlichen Signal nach außen sensibilisiere das auch die MitarbeiterInnen für die Klimakrise. Dies 09 // 2021 17

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