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die bank 09 // 2021

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

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MARKT zuvor habe es in einem Quartal einen so hohen Ertragszuwachs gegeben. Das positive Bild deckt sich mit der Ertragsentwicklung in den USA: Auch die Unternehmen des S&P 500 erreichten in Q2/2021 Rekordwerte, der Median für EBITDA (yoy +53 Prozent) und EBIT (yoy +71 Prozent) stieg jeweils auf ein neues Quartalshoch. Bereits im ersten Quartal konnten europäische Banken ein hohes Gewinnwachstum verzeichnen, wie die nachfolgende Abbildung ÿ 3 verdeutlicht. In Summe generierten die 114 größten Banken in der Eurozone einen Vorsteuergewinn von etwa 35 Mrd. €. Selbst die deutschen Institute wiesen einen Gewinn vor Steuern von 3,9 Mrd. € aus. Dividenden und Aktienrückkäufe sind wieder möglich Diese erfreulichen Geschäftsausweise haben jedoch die Begehrlichkeiten der Aktionäre in Form höherer Ausschüttungen und Rückkaufprogramme geweckt. Dazu passt, dass Europas Banken aufgrund der guten Ergebnisse der Stresstests der Europäischen Zentralbank (EZB) seit September wieder Dividenden zahlen dürfen. Bis dahin hatten die Aufseher der EZB die Banken dazu aufgefordert, auf Dividendenausschüttungen und Aktienrückkäufe zu verzichten. Die Zentralbank wollte damit verhindern, dass Institute in der Corona-Krise zu wenig Kredite vergeben. Der Chef der EZB-Bankenaufsicht, Andrea Enria, machte das Ausschüttungsverbot an einer bestimmten Höhe der Eigenkapitalquote fest. Wenn diese in Gefahr sei, würden die Banken alles dafür tun, um über dieser Schwelle zu bleiben – schlimmstenfalls zulasten der Kreditvergabe. Der Stresstest der EZB habe nunmehr gezeigt, wie viel Kapital die Banken zur Verfügung haben, um es durch Dividenden und Rückkäufe an die Aktionäre zurückzugeben. Für die Ratingagentur Scope Ratings könnten die Ergebnisse des Stresstests sogar ein Meilenstein für die europäischen Banken werden, wenn sie eine Normalisierung der Ausschüttungspolitik einleiten. In der Folge könnten Aktienanleger einen besseren Einblick in die Höhe des überschüssigen Kapitals gewinnen. Nach Berechnungen der Bank of America beläuft sich der Kapitalüberschuss auf rund 160 Mrd. €, der es den profitableren Banken ermöglicht, sich auf Wachstum zu konzentrieren und gleichzeitig Dividenden in Höhe von 43 Mrd. € und Aktienrückkäufe in Höhe von 25 Mrd. € im Jahr 2022 zu tätigen. So können Investoren z. B. bei der spanischen Santander Ausschüttungsquoten von 40 bis 50 Prozent erwarten. EZB-Bankenstresstest mit guten Ergebnissen Am verschobenen 2021er-Stresstest haben 50 Banken teilgenommen, darunter auch Institute außerhalb der Eurozone. Allerdings sind wegen des Brexits diesmal keine UK-Institute am Start. Insgesamt gesehen haben Europas Geldhäuser robuste Ergebnisse abgeliefert, so eine Studie der LBBW. Ehemalige Befürchtungen um ein durch Corona-bedingte Verwerfungen instabil gewordenes Bankensystem hätten sich nicht bewahrheitet, ungeachtet zahlreicher Herausforderungen etwa bei den Themen Assetqualität, Rentabilität sowie Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Positiv sei darüber hinaus, dass die europäischen Banken seit der Finanzkrise ihre Eigenkapitalausstattung verbessert haben und somit widerstandsfähiger geworden sind. Der diesjährige Stresstest sei für die Banken insofern besonders bedeutend, da die EZB die Ergebnisse aus dem herausfordernden Szenario verwendet habe, um die institutsspezifischen Eigenkapitalzuschläge zu berechnen. Wie schon beim letzten EBA-Stresstest vor drei Jahren haben auch im diesjährigen Test vor allem die skandinavischen Institute geglänzt. Unter den Top Ten, die im adversen Szenario die höchste CET1-Ratio aufweisen, befinden sich vier Banken aus dem hohen Norden und zwei aus den Niederlanden. Als einziges deutsches Institut konnte sich die Volkswagen Bank, die erstmals angetreten ist, auf dem siebten Rang platzieren. Wiederum schlecht abgeschnitten haben Deutsche Bank, Commerzbank und BayernLB. Profitabilitätslücke im europäischen Bankensektor An kaum einen Indikator lässt sich die Divergenz zwischen europäischen und amerikanischen Banken so festmachen wie an der Profitabilität bzw. Eigenkapitalrendite (RoE). Im Schnitt ist das Profitabilitätsniveau der europäischen Banken deutlich niedriger als das der amerikanischen. Wie aus einer zeb-Studie hervorgeht, konnten die US-Banken die Eigenkapitalrendite im ersten Quartal weiter auf 17 Prozent erhöhen, das sind plus 11,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Europas Banken konnten den RoE im Q1 lediglich auf 8,5 Prozent erhöhen, was einem Anstieg von 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Laut einer Auswertung von Refinitiv generieren Europas Top-Banken aktuell Renditen zwischen 6 und 10 Prozent. Bei chinesischen Instituten beläuft sich der RoE auf 11 bis 17 Prozent, bei den Top-Banken aus den USA liegt die Spanne zwischen 9,5 Prozent (Wells Fargo) und 19 Prozent (JPM). Die Gründe für die Rentabilitätslücke sind vielfältig. Neben vielen strukturellen Faktoren leiden etliche Finanzinstitute aus West- und Südeuropa unter Überkapazitäten und verdienen vielfach nicht ihre Kapitalkosten. Die US- Banken hingegen erzielen hohe Margen im Investment Banking, Hypothekar- und Kreditkartengeschäft sowie bei margenstarken Konsumkrediten. Mit Blick auf diese Zahlen ist hervorzuheben, dass es eine klare Korrelation zwischen skaliertem Marktanteil sowie RoE und eine klare Korrelation zwischen RoE und Börsenbewertung gibt. Bei der Cost-Income-Ratio (CIR) indes haben die europäischen Banken zu den US- Instituten aufgeschlossen, was sicherlich auf die erheblichen Kosteneinsparungen in den letzten Monaten zurückzuführen ist. Im ersten Quartal beläuft sich diese Effizienzkennziffer auf 60 Prozent. Mitte des vierten Quartals 2020 lag das CIR für die EU-Banken noch bei rund 85 Prozent. 12 09 // 2021

MARKT 3 | European Banking Profits 30 20 10 0 2016 Q1 2017 Q1 2018 Q1 2019 Q1 2020 Q1 2021 Q1 Quelle: SSM, Barkow Consulting Credit Benchmark Model®. Chinesischer Bankensektor stabil Auch der chinesische Bankensektor hat sich in der Covid19-Krise bewährt. Gemäß einer Studie von Deloitte sind die Institute mit den Risiken umsichtig umgegangen und haben bemerkenswerte Fortschritte bei der Unterstützung der Erholung der Realwirtschaft gemacht. Im Jahr 2020 sei die Bilanzsumme des Bankensektors stetig angewachsen, wobei sich die Qualität der Aktiva verbesserte. Nach den von der China Banking and Insurance Regulatory Commission (CBIRC) veröffentlichten Indikatordaten sei die Bilanzsumme bis Ende 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 10,1 Prozent auf 319,7 Bio. RMB gestiegen. Um sich gegen systematische Finanzrisiken abzusichern, stärkten die Institute ihre Fähigkeit zur Risikoabwehr, indem sie notleidende Vermögenswerte in Höhe von rund 3 Bio. RMB veräußerten und eine Rückstellung für Kreditausfälle in Höhe von 1,9 Bio. RMB bildeten, was einem Anstieg von 113,9 Mrd. RMB gegenüber 2019 entspricht. Ende 2020 habe der Deckungsgrad der Rückstellungen bei 182,3 Prozent und der Deckungsgrad der Rückstellungen für Kreditausfälle bei 3,5 Prozent auf relativ hohem Niveau gelegen. FAZIT Der relative Wertverfall des europäischen Finanzsektors hat sich insbesondere nach der Finanzkrise weiter beschleunigt. Um dem entgegenzuwirken, bedarf es nicht nur eines leistungsfähigen Banken- und Kapitalmarkts, sondern auch einer stärkeren Konzentration und Differenzierung. Da die westeuropäischen Märkte nicht so oligopolistisch geprägt sind wie die nordischen, müssen sich die diese mehr auf rentable Segmente wie die Vermögensverwaltung konzentrieren. Andernfalls könnte sich die Kluft zwischen den Banken in den USA, Asien und Europa weiter vergrößern. Immobiliensektor jedoch als Risikofaktor Wie die Nachrichtenagentur Reuters jüngst berichtete, droht den chinesischen Banken in Zukunft jedoch ein Anstieg notleidender Kredite, da die derzeitige wirtschaftliche Erholung unausgewogen sei und es ihr an einer soliden Grundlage fehle. Reuters bezieht sich hierbei auf die Veröffentlichung der obersten Bankenund Versicherungsaufsichtsbehörde des Landes. Laut der CBIRC beliefen sich die ausstehenden notleidenden Kredite im Bankensektor per Ende Juni 2021 auf 3,5 Bio. RMB (rund 540,8 Mrd. US-$), was einem Anstieg von 108,3 Mrd. RMB gegenüber dem Jahresbeginn entspricht. Künftige Risiken könnten sich für den Bankensektor aus dem überhitzten Immobiliensektor ergeben, wenngleich die Aufsichtsbehörde darauf hingewiesen hat, dass das Wachstum der Immobilienkredite auf 10,3 Prozent zurückgegangen ist, da die Regierung die Finanzierung einschränkt hat. Kürzlich hat der mit rund 300 Mrd. US-$ verschuldete Immobilienentwickler Evergrande vor Liquiditätsrisiken wegen eines Rückgangs seiner Immobilienverkäufe gewarnt. Wenn man es in die richtige Perspektive rückt, ist Evergrande gar nicht so groß: Gemäß NN Investment Partners machen seine Bankkredite etwa 0,1 Prozent der gesamten ausstehenden Kredite chinesischer Banken aus und die ausstehenden Anleihen weniger als 0,5 Prozent des gesamten lokalen Markts für Unternehmensanleihen. Gefahren bestehen eher aus den Ansteckungsrisiken für den übrigen Immobiliensektor. Daneben kündigte die Regulierungsbehörde an, ihre Aufsicht über die Finanzgeschäfte großer Internetplattformen zu verstärken, um eine unkontrollierte Kapitalausweitung einzudämmen. Autor Karl-Heinz Goedeckemeyer ist Wirtschaftspublizist und Finanzanalyst in Frankfurt am Main. 09 // 2021 13

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