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die bank 08 // 2022

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT fassten

MANAGEMENT fassten die Maßnahmen auch die Freigabe der Kapital- und Liquiditätspuffer und die Verschiebung des aufsichtsrechtlichen Stresstests. Diese Maßnahmen ermöglichten es insgesamt, die Kreditvergabekapazitäten über den Zeitraum der Pandemie aufrechtzuerhalten. Allerdings zeigten die Maßnahmen unterschiedliche Wirkung: Während die Institute insbesondere die Liquiditätspuffer noch ausweiten mussten und sich die erhoffte Wirkung nicht einstellte, blieben Kapitalpuffer weitestgehend ungenutzt. Die weiteren Maßnahmen wirkten sich positiv aus. Neben dem Gesetzgeber haben auch die Aufsichtsbehörden durch unverzügliches Handeln die Banken in die Lage versetzt, operativ handlungsfähig zu bleiben, und mit geeigneten Maßnahmen nicht sachgerechte prozyklische Effekte verhindert. Ausblick auf EU-Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft Um die unmittelbar Corona-bedingten Schäden für Wirtschaft und Gesellschaft abzufedern, wurden auf europäischer Ebene ebenfalls vielfältige Maßnahmen beschlossen. Sowohl vom Umfang als auch der Bedeutung überragt der im Sommer 2020 beschlossene Wiederaufbauplan NextGenerationEU mit einem Volumen von über 800 Mrd. € die übrigen EU-Instrumente um ein Vielfaches. Hauptbestandteil des Fonds ist die sogenannte Aufbau- und Resilienzfazilität, wodurch Darlehen und Zuschüsse im Umfang von 723,8 Mrd. € zur Unterstützung von Reformen und Investitionen der EU-Länder bereitgestellt werden. Konkret verbunden sind mit der Unterstützung Anforderungen in Bezug auf Resilienz, Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Auch wenn dieses Instrument für Deutschland aufgrund der umfangreichen nationalen Maßnahmen eher eine untergeordnete Rolle gespielt hat, war dies sowohl für die von der Krise besonders stark getroffenen EU-Mitgliedstaaten als auch im Kontext des EU-Zusammenhalts die richtige Herangehensweise. Weitere Ansätze waren zum einen das SURE-Programm (Support to mitigate Unemployment Risks in an Emergency), einem EU-weiten Instrument zur vorübergehenden Unterstützung bei der Minderung von Arbeitslosigkeitsrisiken in einer Notlage. Von der zur Verfügung stehenden Darlehenssumme in Höhe von 100 Mrd. € haben 19 EU-Länder bisher 94 Prozent abgerufen – auch dies ein Zeichen, dass der Ansatz richtig gewählt war. Zum anderen haben sowohl die Europäische Investitionsbank als auch der Europäische Investitionsfonds (EIB/EIF) zusätzlich mit eigenen Corona-Programmen zur Stabilisierung beigetragen. 30 08 | 2022

MANAGEMENT FAZIT Folgende Schlüsse lassen sich ziehen: Die Auswirkungen der Krise waren innerhalb der EU sehr unterschiedlich, eine subsidiäre Reaktion war sinnvoll. Gerade das in Deutschland in der Fläche vertretene Banken- und Förderbankensystem steht im europäischen Vergleich sehr gut da. Allerdings muss man auch aus dieser Krise den Schluss ziehen, dass die EU mit ihren Aktivitäten immer dann mehr Erfolg hat, wenn sie diese eng abstimmt und koordiniert. Entscheidende Voraussetzung für den insgesamt glimpflichen gesamtwirtschaftlichen Verlauf in Deutschland war, dass die meisten Unternehmen zu Beginn der Krise sehr solide aufgestellt waren und dass sie gleich am Anfang über einen leistungsfähigen Banken- und Kapitalmarkt mit Fremdkapital versorgt werden konnten. Für die Fördermaßnahmen gilt: Die frühzeitige und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Bund, Förder- und Hausbanken sollte vergleichbar eng fortgeführt werden, damit Förder- und Unterstützungsprogramme auch bei künftigen Krisen und Herausforderungen – insbesondere der Transformation – zügig konzipiert und den Unternehmen flächendeckend, zielgenau und effizient zur Verfügung gestellt werden können. Das Hausbank- und Durchleitprinzip hat sich in der Krise einmal mehr bewährt und stellt auch künftig die Grundlage der Zusammenarbeit von Förder- und Geschäftsbanken dar. Schließlich kennen Banken ihre Kunden und deren Risikolage am besten und können genau und schnell abschätzen, wie der mögliche Finanzierungsbedarf gedeckt werden kann. Zur Freisetzung von privatem Kapital für qualifizierte, innovative und transformative Investitionen sollten zudem verstärkt Instrumente wie anteilige Risikoübernahme sowie gegebenenfalls Nachrangkapital genutzt werden. Zwingende Voraussetzungen sind zudem auch verlässliche Konditionen und attraktive Förderbedingungen. Insgesamt können künftige Herausforderungen und das erwartete Investitionsvolumen nur durch einen diversifizierten Finanzierungmix gestemmt werden. Zwar wird die bankbasierte Kreditfinanzierung weiterhin die dominierende Rolle spielen, doch muss diese durch Förderprogramme, Kapitalmarktfinanzierung oder gegebenenfalls Eigenkapitalinstrumente ergänzt werden. Voraussetzung hierfür sind neben einem starken Bankensektor, der eng mit dem Mittelstand verbunden ist und gerade in der Krise Teil der Lösung war, auch eine gezielte öffentliche Unterstützung sowie ein effizienter Kapitalmarkt, der nicht nur Liquidität sichert, sondern auch Risiken abdeckt. Von der geldpolitischen Seite wurden die Stützungsmaßnahmen für den Euroraum schließlich durch die umfangreiche Bereitstellung von Zentralbankliquidität, ein umfangreiches Pandemie-Kaufprogramm sowie besondere Zinsvergünstigungen im Rahmen der Langfristtender der Europäischen Zentralbank (EZB) begleitet. Gleichwohl muss man festhalten, dass das gemeinsame und koordinierte Vorgehen innerhalb der EU – besonders innerhalb des Euroraums – auch bei der längerfristigen Ausrichtung der Finanzpolitik grundlegend verbessert werden muss. Die entsprechenden Diskussionen hierzu laufen bereits auf Hochtouren. Autoren Dr. Hendrik Hartenstein (links) leitet die Unternehmensfinanzierung im Bundesverband deutscher Banken e.V. (BdB). Dietmar Schwarz (rechts) ist beim Verband als Associate Director in diesem Bereich tätig. Die Verfasser danken ihren Kollegen Volker Hofmann (Leiter Volkswirtschaft), Ole Drabner (Unternehmensfinanzierung) und Dr. Andreas von Oppen (Recht) für die Mitarbeit an diesem Beitrag. 08 | 2022 31

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