Aufrufe
vor 4 Monaten

die bank 08 // 2022

  • Text
  • Wwwbankverlagde
  • Regulierung
  • Lingel
  • Nachhaltigkeit
  • Diskriminierung
  • Digitale
  • Insbesondere
  • Markt
  • Digitalisierung
  • Unternehmen
  • Banken
die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT 24

MANAGEMENT 24 08 | 2022

MANAGEMENT Bankier, Persönlich haftender Gesellschafter, Honorarkonsul der Republik Mosambik – gleich drei Funktionen weist Marcus Lingels Visitenkarte aus. Eigentlich wollte er Architekt werden. Doch der Vater überzeugte ihn, dass das Bankgeschäft attraktiver sei. So machte der Sohn eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der VR-Bank Ostalb in Aalen, studierte in Mannheim Betriebswirtschaft und arbeitete schließlich vier Jahre lang bei der später insolventen Schmidt Bank in der Kreditabteilung, bevor er zum Vater in die Bank wechselte. „Da gab es natürlich Höhen und Tiefen wie in jedem Familienunternehmen.“ Im Büro des Vaters habe man auch schon mal heftig gestritten, erinnert sich der Sohn. „Wir haben aber ähnlich gedacht, das hat sicher geholfen.“ Nicht nur die Leidenschaft für die Bank teilten der Senior und der Junior. Auch beim ehrenamtlichen Engagement wählten sie dasselbe Ziel: Mosambik, im Süden Afrikas. Als Honorarkonsul des Landes will auch Marcus Lingel dazu beitragen, die dortigen Lebensverhältnisse zu verbessern. „Erstmals war ich mit meinem Vater 1993, kurz nach dem Bürgerkrieg, in Mosambik. Dort tauchen sie in eine Welt ein, die sie mit unserer gar nicht vergleichen können.“ Er habe schnell gespürt, mit wie wenig Mitteln man in dem Land viel erreichen kann. „Für mich war es immer eine Herzensangelegenheit, von meinem Erfolg auch ein Stück anderen Menschen weiterzugeben“, sagt Lingel, der das Land schon rund 40 Mal besucht hat. Selbst während der Pandemie flog er in den Süden Afrikas, um zu demonstrieren, dass sich am Engagement der Bank auch nach dem Tod des Vaters nichts ändert. Die Bank gründete und finanziert u. a. einen Verein, die „Deutsch-Mosambikanische Gesellschaft“, der bis heute knapp 30 Schulen baute und jährlich rund 5.500 Schüler ausbildet. 200.000 € werden dafür jährlich investiert. Während sich Vater Siegfried auf Vor- und Grundschulen konzentrierte, will Marcus Lingel Sekundar- und Berufsschulen bauen, um die Chancen auf einen Beruf und damit einen regelmäßigen Lebensunterhalt zu erhöhen. Kinder aus ländlichen Gebieten erhalten Stipendien, damit sie in der Stadt leben und die Schule besuchen können, was sonst wegen der weiten Wege oftmals unmöglich und insbesondere für Mädchen mit großen Gefahren verbunden ist. Ein Country-Manager in Mosambik führt das Projekt, die Strategie legt Lingel selbst fest. Wer einmal die Familienbank übernehmen wird, das ist aktuell noch kein Thema. Sohn Maximilian (24) studiert Wirtschaft, Tochter Anna (22) Modemanagement. „Was die beiden später beruflich machen, das müssen sie selbst entscheiden“, sagt der 53-Jährige, der sich selbst in „seiner Sturm- und Drangphase“ sieht. Den eigenen Berufswunsch auf Anraten des Vaters geändert zu haben, hat Lingel nie bereut. „Die Bank ist mein Leben. Ich habe eine private und eine berufliche Familie.“ sich fortan auf das beratungsintensive, aber ertragreichere Wertpapiergeschäft, mit dem man Kunden binden kann. Damit sich die Mitarbeiter wohlfühlen, legt der Chef Wert auf eine gute Atmosphäre. Kostenlose Getränke und Dienstfahrräder sind für ihn selbstverständlich. Im Basement der Münchner Zentrale hat er eine Dusche für die sportlichen Fahrer installieren lassen, gleich nebenan eine schicke Pantry für Selbstversorger, und ein cooles Café für die Mitarbeiter, die sich lieber bedienen lassen. Einmal monatlich geht die Rechnung aufs Haus. Und gut feiern können die Privatbanker auch. Zum diesjährigen Sommerfest auf der Münchner Praterinsel, der ersten Feier seit Ausbruch der Pandemie, kamen 300 Mitarbeiter. Autorin Eli Hamacher ist Diplom-Volkswirtin und arbeitet seit 30 Jahren als Wirtschaftsjournalistin. Die Freelancerin schreibt für „die bank“ vor allem über die Branche und Porträts über einzelne Unternehmen. Ein weiterer Fokus ihrer Arbeit sind Auslandsmärkte. 08 | 2022 25

die bank

© die bank 2014-2020