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die bank 08 // 2022

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT

MANAGEMENT GESCHÄFTSMODELLE: MERKUR BANK GESCHÄFTSMODELLE: MERKUR BANK HERRN LINGELS LUST AUF GROSSES WACHSTUM Mit der Übernahme der Bank Schilling wuchs die Merkur Privatbank in neue Dimensionen. Jetzt hat ihr geschäftsführender Gesellschafter die Integration erfolgreich abgeschlossen und sich ehrgeizige Wachstumsziele gesetzt. Marcus Lingel sprach mit „die bank“ über die Münchener Privatbank, die ihren eigenen Weg gehen will. Mit eingefahrenen Denkmustern stößt man bei Dr. Marcus Lingel schnell an seine Grenzen. Das beginnt schon bei der Adresse: Bayerstraße 33, zwischen Europäischem Hof und Münchner Stubn, vis-à-vis des Hauptbahnhofs, dessen Umfeld in der bayerischen Landeshauptstadt eher noch unattraktiver ist als in anderen Großstädten. Doch der Chef hadert kein bisschen mit dem für eine Privatbank nicht gerade standesgemäßen Firmensitz. Während etwa Berenberg am vornehmen Neuen Jungfernstieg in Hamburg residiert, sich die Metzlers direkt bei der Oper Frankfurt niedergelassen haben oder Warburg unweit der Hamburger Binnenalster Kunden empfängt, kokettiert Lingel gern damit, dass in dem achtstöckigen Gebäude früher einmal ein Basar mit 250 türkischen Geschäften Waren aller Art feilbot und er von Glaspalästen und dem teils elitären Gehabe anderer Privatbanken ohnehin nichts halte. 20 08 | 2022

MANAGEMENT „Wir sind eine Bank, in der wir gern die Ärmel hochkrempeln und anpacken. Bei Glaspalästen bekommt der Kunde doch schnell den Eindruck, dass er dafür zahlen muss.“ Noch viel wichtiger ist für den persönlich haftenden Gesellschafter: „An unserem Hauptstandort arbeiten rund 140 Mitarbeiter, von denen viele von außerhalb kommen. Da ist die Lage auch mit Blick auf den Fachkräftemangel ein riesiger Vorteil.“ Das Wohl seiner MitarbeiterInnen und KundInnen liegt dem Banker besonders am Herzen. „Was für den Kunden gut ist, muss auch für den Mitarbeiter gut sein und umgekehrt.“ Selbstverständlich für Lingel ist, dass der Arbeitgeber unter anderem die gesamten Fahrtkosten übernimmt. Auch der Kunde soll sich gut aufgehoben fühlen. Im Eingang der Merkur Privatbank steht ein großes Plakat mit der Aufschrift „Keine Negativzinsen“, auf beschönigendes Vokabular wie „Verwahrentgelte“ verzichtet Bankier Lingel ganz bewusst. Das Schild steht auch schon länger dort, nicht erst, seitdem die Zinsen wieder anziehen, und die Banken nach und nach davon abrücken, sich für das Verwahren von Einlagen bezahlen zu lassen. Im Mittelpunkt steht der Unternehmer Große Worte muss Lingel nicht verlieren, wenn er das Geschäftsmodell seiner Bank beschreibt. „Unser Geschäftsmodell als eigentümergeführter Betrieb ist stark werteorientiert. Im Mittelpunkt steht der Unternehmer, und alle Dienstleistungen fokussieren wir auf ihn. Der Unternehmer braucht einen Handschlag, Partnerschaft, Verlässlichkeit und eine offene Kommunikation.“ Die Bank sammele Geld von Menschen, die ihr dieses anvertrauten, und vergebe es an Unternehmer, denen sie vertraue. Neben der für Privatbanken typischen Vermögensanlage bilde das Kreditgeschäft eine starke Säule. In Zahlen: 2,2 Mrd. € an Einlagen steht ein Kreditbuch in gleicher Höhe gegenüber. Strategisch schätzt es Lingel, frei von Vorgaben zu sein. „Wir sind nicht managementgetrieben. Ich habe keinen Dreijahresvertrag, sondern lebenslänglich.“ Man sei auch nicht auf Quartalsergebnisse fokussiert, sondern könne in Ruhe seinen Visionen folgen – ganz anders als die großen Häuser, die mal ein Geschäftsfeld als Wachstumsbringer schlechthin pushen, um es dann wenig später wieder einzustampfen. Lingels Credo: „Das, was wir machen, machen wir morgen, übermorgen und überübermorgen.“ Um Interessenkollisionen zu vermeiden, biete die Merkur Privatbank keine eigenen Finanzprodukte an. Durch den Erfolg sieht sich Lingel bestätigt. Die wichtigsten Geschäftszahlen verbessern sich stetig (siehe Kasten). Anders als die großen Banken und mittlerweile auch einige der größeren FinTechs, die massiv Personal abbauen, zeigt die Beschäftigtenkurve der Münchener nach oben. Allein im vergangenen Jahr wurden 100 neue Mitarbeiter eingestellt, in diesem Jahr sollen es insgesamt weitere 40 sein. Alles in allem würde die Merkur Privatbank dann fast 500 Menschen beschäftigen. „Wir profitieren davon, dass wir stark unternehmerisch orientiert sind, das macht uns auch in den Augen potenzieller Mitarbeiter attraktiv.“ Beschäftigte, die zentrale Funktionen übernehmen, sitzen in München oder im unterfränkischen Hammelburg. Der Rest der Belegschaft arbeitet in den mittlerweile 22 Filialen in Bayern, Hessen, Thüringen und Sachsen. Im Sommer vergangenen Jahres kam mit Düsseldorf noch Nordrhein-Westfalen hinzu. Mit Schilling von vier auf 22 Filialen gewachsen Ohne eine gewisse Größe geht es am hart umkämpften deutschen Markt nicht, den Experten trotz zahlreicher Fusionen immer noch als overbanked bezeichnen. Im Oktober 2019 übernahm die Merkur Privatbank deshalb die Bank Schilling in Hammelburg. Anders als die damals noch stark kreditlastige Merkur Privatbank hatte sich Schilling auf die Vermögensanlage konzentriert und vergrößerte das Filialnetz auf einen Schlag um 18 auf 22 Geschäftsstellen. „Der Zusammenschluss hat die Häuser auf eine ganz solide Ebene gebracht, auch weil die Synergien größer waren als zunächst erwartet“, bilanziert Marcus Lingel, den auch die Herausforderung reizte, mit einer Bank mit gleich vielen Mitarbeitern zusammenzu- 08 | 2022 21

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