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die bank 08 // 2022

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT 1 |

MARKT 1 | Umsatzentwicklung Prozentualer Anteil im Vergleich zum Vorjahr 12 10 8 6 4 2 0 -2 -4 -6 - 1.6 - 4.3 2020 im Vergleich zu 2019 9.9 8.9 2021 im Vergleich zu 2020 8.1 5.7 5.0 5.0 2022 im Vergleich zu 2021 6.6 2023 im Vergleich zu 2022 Banken und Finanzinstitute CxO-Studie 2021 Banken und Finanzinstitute CxO-Studie 2022 Über alle Branchen hinweg 1 1 Mittlere Umsatzentwicklung (%): CxO-Studien 2021 und 2022 zusammen Quelle: Horváth. um Geschäftsmodelle und Prozesse für die Zukunft zu transformieren. Doch viele von ihnen stecken in der Digitalisierung fest. Zahlreiche Finanzinstitute sind noch immer voll damit beschäftigt, Produkte sowie die gesamte Customer Experience zu digitalisieren. Die für die Studie befragten Vorstandsmitglieder von Banken und anderen Finanzinstituten nennen als aktuelle Top-Herausforderungen der Reihe nach: die digitale Transformation, Digital Banking und Cyber Security. Dabei bewerten 79 Prozent die ganzheitliche Digitalisierung als „sehr wichtig“, bei Digital Banking sind es 68 Prozent, Cyber Security wird von 58 Prozent als „sehr wichtig“ bezeichnet. Letzteres steht – gepaart mit der sogenannten Cyber Resilience – schon seit längerem auf der Agenda, rückt nun aber aufgrund der aktuellen Entwicklungen verstärkt in den Fokus. Auf Rang vier landet der Themenkomplex „Mitarbeiterengagement & New Work“. Erst an fünfter Stelle folgt „Sustainability“ im Sinne einer nachhaltigen Ausrichtung des Unternehmens, seines Geschäftsmodells und Portfolios. Anders als in anderen Branchen hat Kostenoptimierung im Finanzsektor derzeit keine hohe Bedeutung. Nur für weniger als ein Drittel der befragten Vorstandsmitglieder hat das Thema gerade eine sehr hohe Priorität. Fachkräftemangel verschärft die Wettbewerbssituation Der Bereich Digitalisierung ist dabei nicht nur in Bezug auf die Kundenseite oder aus Effizienzgründen sehr wichtig, sondern auch aufgrund des sich weiter zuspitzenden Fachkräftemangels. Dieser führt dazu, dass heute noch existierende Betreuungskonzepte mittelfristig nicht mehr möglich sein werden. Wie so oft, nimmt die produzierende Industrie hier eine Vorreiterrolle ein und rüstet konsequent in den Feldern Robotik und Automatisierung auf. Die Digitalisierung wird eine enorme Kraftanstrengung verlangen und erfordert neue bzw. andere Profile in den Banken, die in puncto Wettbewerbsfähigkeit entscheidend sein werden. Die Geldhäuser, die sich bereits mit der Digitalisierung beschäftigen und es schaffen, eine am Markt führende Rolle einzunehmen, werden es ebenfalls meistern, die geeigneten und notwendigen Talente zu verpflichten – sei es über Neueinstellungen oder Partnerschaften mit Dienstleistern. Als Antwort auf die Frage, wie weit ihr Unternehmen auf dem Weg zu einer vollständig auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Organisation ist, geben 42 Prozent der Befragten an, dass sie noch nicht einmal ein Zielbild dafür abgesegnet haben. Von den übrigen 58 Prozent, die konkrete Ziele entwickelt haben, wird kaum ein Institut bereits vollständig entsprechend des definierten Nachhaltigkeitsmodells gesteuert. Über alle Branchen hinweg sehen sich dagegen bereits 7 Prozent der Unternehmen in diesem Reifegrad. Dieses Ergebnis ist zwar relativiert zu betrachten, da die Finanzinstitute aufgrund komplexer Regulierungen einen besonders hohen Anspruch an sich selbst stellen – die Studie liefert aber auch eindeutige Indizien dafür, dass die Banken die Nachhaltigkeit häufig auf die Dimension der Regulierung reduzieren und seltener ein wichtiges Differenzierungsmerkmal für sich darin sehen. ÿ 2 Digitalisierung und Nachhaltigkeit integriert angehen Dass strategische Themen aufgrund operativer Notwendigkeiten in den Hintergrund geraten, ist ein normales Phänomen. Um dem entgegenzuwirken, bedarf es einer hohen Transformationskompetenz. Selbstkritisch benennen die befragten Top-Führungskräfte als größtes Hindernis ein in der Gesamtorganisation fehlendes 10 08 | 2022

MARKT 2 | Status quo der Banken und Finanzinstitute in Bezug auf Nachhaltigkeit Anteil am Gesamtvolumen in Prozent 21 % 21 % 26 % 30 % 2 % AM ANFANG Wir haben noch keine Schritte unternommen, um die Frage der Nachhaltigkeit anzugehen. MESSUNG Wir haben bereits Transparenz über den aktuellen Stand der Nachhaltigkeit (z. B. ist der CO 2 -Fußabdruck unserer eigenen Produkte und unseres Unternehmens bekannt usw.). ZIELBILD Wir haben ein klares Zielbild für ökologische Nachhaltigkeit definiert und bereits Maßnahmen festgelegt, um die Anforderungen des Zielbilds zu erfüllen. LENKUNG Wir steuern unser Geschäft aktiv auf das definierte Zielbild hin. VOLLSTÄNDIGE AUSRICHTUNG Wir haben unser gesamtes Geschäfts- und Betriebsmodell auf unser Zielbild der ökologischen Nachhaltigkeit ausgerichtet. Quelle: Horváth. Mindset, das Transformationen als notwendig und positiv begreift – auch und gerade in Zeiten, in denen es betriebswirtschaftlich nicht schlecht läuft. An zweiter Stelle werden fehlende (finanzielle) Ressourcen für Transformationsprozesse benannt, gefolgt von fehlenden Kompetenzen. Als größte Erfolgsfaktoren für Transformationen nennen die Vorstandsmitglieder: 1. Die Befähigung und der Einbezug von Schlüsselpersonen im Transformationsprozess; 2. Transformation als Leadership-Aufgabe begreifen, ein klares Zielbild der Transformationsreise vermitteln – konkrete Ziele und den Weg dorthin sowie 3. Weitsicht und Ausdauer, da sich Transformationen nicht unmittelbar auszahlen. Im Idealfall werden Digitalisierung und Nachhaltigkeit nicht separat vorangetrieben, sondern integriert. Eine ganzheitlich nachhaltige Ausrichtung bedingt ohnehin einen hohen Digitalisierungsgrad. Wenn Finanzdienstleister jetzt die Weichen für neue digitale Angebote und Prozesse stellen, sollten sie sich gleichzeitig fragen, wie sie künftige Anforderungen in puncto ESG (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) erfüllen beziehungsweise berücksichtigen können – in einem ganzheitlichen Ansatz. FAZIT Banken und Finanzinstitute sind mittlerweile krisenerprobt – die zunehmenden wirtschaftlichen Unsicherheiten lassen die Ergebnisse bisher nicht einbrechen. Sollten sich die gesamtwirtschaftlichen Aussichten aufgrund der vielen Krisenherde nicht dramatisch verschlechtern, ist von einer weiterhin soliden Entwicklung auszugehen. Trotz der stabilen Ergebnisse kommen strategisch wichtige Themen wie die End-to- End-Digitalisierung und ganzheitliche Transformationen in den meisten Fällen jedoch nur schleppend voran. Dabei gilt: Finanzinstitute, die es schaffen, die Digitalisierung zügig anzugehen, die erforderlichen Talente und Partner an sich zu binden und einen echten Kundenmehrwert zu bieten, werden die Herausforderungen als Chance für sich zu nutzen wissen. Autor Dr. Frank Schindera ist Partner und Global Head Banking & Financial Institutions bei der internationalen Managementberatung Horváth. 08 | 2022 11

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