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die bank 08 // 2021

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT KREDITVERGABE

MANAGEMENT KREDITVERGABE Wie Banken von einem Frühwarnsystem für Kliniken profitieren Kliniken sind zunehmend von Insolvenzen bedroht. Der Krankenhaus Rating Report 2021 geht von einer erhöhten Insolvenzwahrscheinlichkeit bei 13 Prozent der Häuser aus, Tendenz steigend. Die Folge für Banken: Das Rating von Krankenhauskrediten wird sich verschlechtern und der Handlungsdruck steigen. Ein Frühwarnsystem kann Abhilfe schaffen. Die Institute sollten sich dabei nicht auf die Frage der Kapitaldienstfähigkeit beschränken, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit von Kliniken im Blick haben. 52 08 // 2021

MANAGEMENT Die wirtschaftlichen und strukturellen Probleme vieler Krankenhäuser waren schon vor der Covid-Pandemie virulent. So verfügt Deutschland im internationalen Vergleich auf Basis von OECD-Daten über relativ viele Klinikbetten pro 1.000 EinwohnerInnen – mehr als doppelt so viele wie zum Beispiel Dänemark, Holland oder Kanada. Zudem nehmen die Patientenzahlen hierzulande seit 2017 tendenziell ab. Durch die Corona-Krise kam es im Jahr 2020 zusätzlich zu einem drastischen Einbruch um 13 Prozent. Sollten die früheren stationären Fallzahlen der Jahre vor 2017 nicht mehr erreicht werden – und ein solches Szenario ist nicht unwahrscheinlich – wird sich der ohnehin schon starke wirtschaftliche Druck auf viele Kliniken zwangsläufig noch einmal verstärken. Im letzten Jahr wurden 18 Insolvenzverfahren über Klinikunternehmen eröffnet, eine Steigerung um 80 Prozent gegenüber 2019. Handlungsdruck auf Kreditinstitute nimmt zu Für Banken wird es angesichts dieser Entwicklung in doppelter Hinsicht wichtig, frühzeitig zu handeln: Das bankinterne Rating für Kredite an Krankenhausträger wird sich verschlechtern. Gleichzeitig wird eine zunehmende Zahl an Krankenhäusern auch kurzfristigen Refinanzierungsbedarf haben und bei GesellschafterInnen oder Kreditinstituten nach Liquiditätshilfen, Überbrückungskrediten und frischem Kapital fragen. Die Geldhäuser sollten prüfen, ob das bisherige Kreditengagement künftig gefährdet sein wird oder es bereits in das Spezialkreditmanagement übergehen sollte. Zudem muss die Frage beantwortet werden, ob das bisherige Frühwarnsystem sowohl der Klienten als auch der Bank erweitert werden sollte, um den deutlich verschlechterten Wettbewerbsund Wirtschaftlichkeitsbedingungen der Krankenhäuser gerecht zu werden. Einen weiteren Anlass, die Frage des (richtigen) Frühwarnsystems mit KreditnehmerInnen zu diskutieren, bietet das neue Gesetz über den Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen für Unternehmen (StaRUG). Es soll die Möglichkeiten für außergerichtliche Sanierungen vergrößern, was dem Anliegen von Banken zum frühzeitigen Gegensteuern entgegenkommt. Zudem kodifiziert es die Verpflichtung zur Risikofrüherkennung und zum Risikomanagement für alle haftungsbeschränkten Unternehmensrechtsformen, was die hohe Bedeutung eines umfassenden Frühwarnsystems unterstreicht. Der Fokus von Ratingsystemen liegt häufig auf der Kapitaldienstfähigkeit der KreditnehmerInnen. Sie konzentrieren sich dabei entsprechend auf die Finanzanalyse des Jahresabschlusses und im Krisenfall auf die aktuellen unterjährigen Zahlen zu Kapitalstruktur und Liquidität. Die Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit Kreditnehmender wird hingegen vergleichsweise selten fortlaufend beobachtet. Aber gerade Indikatoren, die eng mit der Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit von Krankenhäusern zusammenhängen, sollten in das Frühwarnsystem einer Bank Eingang finden. Dadurch kann es die Besonderheiten des gesetzlich stark reglementierten Krankenhausmarkts abbilden, die Krisenfrüherkennung wird verbessert, und ein frühes Gegensteuern ist sowohl für das Institut als auch für das Krankenhaus möglich. Die Herausforderung dabei ist für Banken zweigeteilt: Es gilt, die speziellen, für Krankenhäuser typischen Krisenursachen zu identifizieren. Zudem müssen die Banken herausfinden, welche Indikatoren sich dazu eignen, nahende wirtschaftliche Schieflagen frühzeitig zu erkennen. Warnsignale für sich abzeichnende Krisen Wesentliche Ursachen und Indikatoren lassen sich den fünf Krisenstadien ÿ 1 zuordnen, in denen die wirtschaftliche Schieflage eines Krankenhauses typischerweise verläuft. Ziel ist es, dass Banken mit tendenziell wenigen 08 // 2021 53

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