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die bank 08 // 2021

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MARKT an das

MARKT an das Frankensystem der Lateinischen Münzunion aus. Doch es kam anders. Im April 1871 verabschiedete der erste gewählte gesamtdeutsche Reichstag die Verfassung des neuen Nationalstaats. Die Geldhoheit, bisher in den Händen der einzelnen deutschen Staaten, ging auf das neu errichtete Deutsche Reich über. Der neue Bundesstaat umfasste 22 Fürstentümer und 3 freie Städte sowie Elsass-Lothringen, das von Frankreich an Deutschland abgetreten werden musste. Noch im selben Jahr berieten und beschlossen Bundesrat und Reichstag die Einführung einer gemeinsamen deutschen Währung. Neben der Entscheidung, ob eine Goldwährung (wie sie die führende Wirtschaftsnation England besaß) oder eine Doppelwährung (wie sie die Lateinische Münzunion besaß) zu bevorzugen sei, war eine weitere wichtige, mit Emotionen verbundene Frage: Wie soll das neue Geld der Deutschen heißen? Wie soll die neue Währung heißen? Schwer vorstellbar, dass die norddeutsche Bevölkerung den süddeutschen Gulden oder die Bayern den norddeutschen Taler als nationale Geldeinheit akzeptiert hätten. Ebenso wie Ende des 20. Jahrhunderts die Franzosen sicher nicht die Mark und die Deutschen wohl nicht Franc oder Lira als europäische Währung akzeptiert hätten. Davon abgesehen waren Taler und Gulden außerdem in der bisherigen Form zu hochwertig für den gleichzeitig angestrebten Übergang zum Dezimalsystem. Denn bei einer Unterteilung des Talers in 100 Unterein- heiten hätte die kleinste Münze einen Wert von 3 bzw. 3,6 alten Pfennigen gehabt. Um den Bedürfnissen des Kleinhandels zu genügen, wären also Halb- und Viertelpfennige nötig gewesen, was dem Ideal der Dezimalteilung widersprach und daher nicht erwünscht war. Warum nun aber „Mark“ als Währungsbezeichnung für die neue, nationale Währung der Deutschen? Aus Höflichkeit gegenüber den Hansestädten Hamburg und Lübeck? Bereits 1861 hatten sich der erste Deutsche Handelstag in Heidelberg wie auch der Volkswirtschaftliche Kongress in Stuttgart für die Einführung einer gesamtdeutschen Geldeinheit mit dem Namen Mark im Wert eines Dritteltalers und mit Unterteilung in 100 Pfennige ausgesprochen, so der Nelkenbrecher. Die Mark hatte in der deutschen Geldgeschichte eine lange Tradition: So war die „Kölner Mark“ die maßgebliche Gewichtseinheit für die Münzprägung in Deutschland seit dem Mittelalter bis zum Jahr 1857. Erst der Wiener Münzvertrag von 1857 löste die Kölner Mark (ca. 234 g) durch das Pfund (500 g) als Münzgrundgewicht ab. Um 1870 waren noch zahlreiche Talerstücke mit der Aufschrift „14 eine feine Mark“ in Umlauf, was bedeutete, dass (bis 1857) aus der Mark Silber 14 Taler hergestellt wurden. Die bis 1857 geprägten Vereinsmünzen des Zollvereins zu 2 Taler = 3 ½ Gulden trugen entsprechend die Aufschrift „Sieben eine feine Mark“. Der Begriff Mark war der Bevölkerung damals also durchaus geläufig und wurde positiv konnotiert. Sachsen hatte sogar schon 1838 bei der Dresdner Münzkonferenz angeregt, den „Dritteltaler in Dezimalteilung zur einheitlichen Münzeinheit des Zollvereins“ zu machen und unter anderem „deutsche Mark“ als Bezeichnung dafür vorgeschlagen, 6 doch die Zeit war damals noch nicht reif dafür. Erst 1871 war es soweit. Die Mark kam. Die Mark kommt schrittweise So schnell die grundsätzliche Währungsentscheidung 1871 gefallen war, so langsam ging die Geldumstellung in der Praxis vor sich. Es begann mit dem Gesetz, betreffend die Ausprägung von Reichsgoldmünzen, vom 4. Dezember 1871. Die §§ 1 bis 3 lauteten: „Es wird eine Reichsgoldmünze ausgeprägt, von welcher aus Einem Pfunde feinen Goldes 139 ½ Stück ausgebracht werden. Der zehnte Theil dieser Goldmünze wird Mark genannt und in hundert Pfennige eingetheilt. Außer der 48 08 // 2021

MARKT Reichsgoldmünze zu 10 Mark sollen ferner ausgeprägt werden: Reichsgoldmünzen zu 20 Mark, von welchen aus Einem Pfunde feinen Goldes 69 ¾ Stück ausgebracht werden.“ 7 Das 10-Markstück besaß demnach 3,584 g Gold und das 20-Markstück 7,168 g Gold. Wie kam die Entscheidung für diesen „krummen“ Goldgehalt der Mark zustande? Für kundige Zeitgenossen war es, nachdem der Wert der Mark mit einem Drittel des Talers bestimmt worden war, eine einfach nachzuvollziehende Dreisatzrechnung: Vom Taler wurden bisher 30 Stück aus einem Pfund Silber geprägt, das entsprach in neuer Währung 90 Mark bzw. 9 Goldmünzen zu 10 Mark. Bei dem damaligen Wertverhältnis von Gold zu Silber von 15,5 zu 1 bedeutete das, aus einem Pfund Gold waren 15,5 mal 9 Goldmünzen zu 10 Mark zu prägen, also 139,5 Stück. Für die Goldmünzen zu 20 Mark galt Entsprechendes. Die neuen Reichsgoldmünzen waren gesetzliche Zahlungsmittel. Daneben blieben die alten Ländermünzen, die Taler, Gulden, Kreuzer usw., bis auf weiteres noch in Umlauf. Alle Zahlungen, die bisher in Landeswährung festgelegt waren, konnten nun aber auch in Reichsgoldmünzen geleistet werden, wobei das 10-Markstück wie folgt galt: Z 3 1/3 Taler norddeutscher Währung Z 5 Gulden 50 Kreuzer süddeutscher Währung Z 8 Mark Kurant 5 1/3 Schilling Hamburger und Lübischer Währung Z 3 1/93 Taler Gold Bremer Währung. Für die Mehrheit der Bevölkerung, die im Gebiet der Talerwährung lebte, war die Umrechnung relativ einfach: Die Mark galt 1/3 Taler oder 10 Groschen. Schwieriger wurde die Umrechnung für die Süddeutschen, wo die Mark 35 Kreuzer galt, und für die Bewohner der drei Freien Hansestädte. Prägung ab 1872 in neun deutschen Münzstätten Die Prägung der Reichsgoldmünzen setzte in großem Umfang 1872 ein, in Berlin begann sie sogar noch im Dezember 1871. Die von Frankreich zu zahlenden Reparationen erleichterten die Goldbeschaffung, ohne dafür umlaufende Ländermünzen einziehen zu müssen. So wurden bis Ende 1873 Reichsgoldmünzen im Wert von rund 1 Mrd. Mark geprägt, wodurch die Metallgeldmenge gegenüber Ende 1871, also in zwei Jahren, um gut 40 Prozent zunahm. Es kam zu erheblichen Preissteigerungen. In den drei Jahren 1872 bis 1874 stiegen die Verbraucherpreise um insgesamt rund 20 Prozent, allein 1873 um etwa 11 Prozent. 8 Damals wurden auch die bis heute verwendeten Buchstaben zu Kennzeichnung der Münzprägestätten festgelegt: Der Buchstabe A stand für die größte Münzstätte, die in der 08 // 2021 49

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