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die bank 08 // 2021

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MARKT Hansestädte mit

MARKT Hansestädte mit eigenen Währungen Die Währungseinheit der freien Hansestädte Lübeck und Hamburg war die silberne Mark Kurant (6,7 g Silber), eingeteilt in 16 Schillinge zu je 12 Pfennige. Neben alten Kurantmarkstücken liefen seit etwa der Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmend die oben genannten norddeutschen Taler um, die mit 40 Schillinge oder 2 ½ Mark Kurant bewertet wurden. Eine eigene Währung besaß die aufgrund des „betrübten Zustandes im Münzwesen“ 1619 errichtete Hamburger (Giro-)Bank. 3 Ihre auf einen festen Betrag Silber gründende Rechnungs-Valuta, die „Mark Banco“, hatte aufgrund der fortschreitenden Abnutzung des umlaufenden Silbergelds im Lauf der Zeit aufgewertet, bis 1870 auf 1 ¼ Mark Kurant. Die Freie Hansestadt Bremen besaß schon vor 1870 eine Goldwährung: Einheit war der Taler Gold, eingeteilt in 72 Grote zu je 5 Schwaren. Kurioserweise hat die Hansestadt Bremen keine eigenen Währungsgoldmünzen geprägt. Stattdessen kursierten aus Hannover, Braunschweig und anderen Fürstentümern stammende sogenannte Pistolen, Goldmünzen mit einem Nominalwert von 5 Taler (Goldgehalt 6,0 g). Diese Goldmünzen (in Preußen hießen sie Friedrichsdor) waren in Norddeutschland weit verbreitet als Zahlungsmittel für hochwertige Geschäfte, wie beispielsweise mit Grundstücken. Aufgrund einer allmählichen Höherbewertung des Golds war der Wert der Pistolen von ursprünglich 5 Taler Silber bis auf 5 2/3 Taler Silber im 19. Jahrhundert gestiegen. So herrschte in Deutschland ein ziemlicher Münzenwirrwarr. Neben eigenen Landesprägungen kursierten regelmäßig auch Münzen der Nachbarländer. Zusätzlich zu dem vorherrschenden Silbergeld gab es diverse Goldmünzen verschiedener Art und Herkunft, wie Dukaten und die oben genannten Pistolen. An ausländischen Münzen liefen insbesondere französische Goldmünzen zu 20-Francs und silberne 5-Francs-Stücke sowie österreichische Gulden um. Hinzu kamen abgenutzte Münzen von unsicherem Wert aus deutschen Klein- und Kleinststaaten, die Anfang des 19. Jahrhunderts ihre politische Unabhängigkeit unter Napoleons Ägide im Zuge der Auflösung des alten Deutschen Reichs verloren hatten. 46 08 // 2021

MARKT Nach J. C. Nelkenbrechers „Taschenbuch für Kaufleute“ (erschienen 1890) soll es um 1870 etwa 100 verschiedene Silber- und Kupfermünzen sowie 26 Goldmünzsorten deutschen Gepräges gegeben haben, dazu wenigstens zehn ausländische Silbersorten und diverse ausländische Goldmünzen. Münzenwirrwarr als Quelle von Unfrieden und Betrug Welche Probleme die Münzenvielfalt im täglichen Leben bereiten konnte, zeigt beispielhaft ein Zitat von Ludwig Bamberger, Politiker und Finanzfachmann, aus seiner Rede über die deutsche Münzeinheit im Zollparlament am 5. Mai 1870: „Ich habe hier ein sogenanntes Bordereau, d. h. die spezifizierte Aufstellung von Geldsorten, womit ein Handeltreibender eine seinem Bankier überschickte Sendung begleitet. Das Bordereau, welches ich Ihnen hier vorzeige, lautet über 15.834 Gulden und datiert vom 19. Dezember 1869; ich habe es mir aus den Briefen eines Bankhauses herausgenommen; es enthält also die Münzen, aus denen diese 15.834 Gulden zusammengesetzt waren, und damit Sie verstehen, welche Bedeutung dies hat, muss ich sagen: die Sendung kam aus einem kleinen Landstädtchen der Provinz Rheinhessen. Es ist dies eine kleine Stadt von 3 – 4000 Seelen (…); es ist eine Zahlung, hervorgegangen aus Pacht- und Kaufzielen der Bauern, aus verkauftem Weizen, Gerste, Hülsenfrüchten und dergleichen Abtragungen, die aus den einzelnen umliegenden Dörfern in diese kleine Landstadt gebracht und durch Vermittlung eines Handeltreibenden einkassiert werden. Was aus den Taschen der Bauern zusammengeflossen ist, ist folgendes: Die Summe von 15.834 Gulden bestand aus Doppelthalern, Kronenthalern, 2 ½-Guldenstücken, 2-Guldenstücken, 1-Guldenstücken, ½-Guldenstücken, 1/3-, 1/6-, 1/12-Rthlr-, 5-Franken, 2-Franken, 1-Franken; dann kommt das Gold: Pistolen, doppelte und einfache Friedrichsd’ors, ½-Sovereigns, russische Imperials, Dollars, Napoleons, holländische Wilhelmsd’or, österreichische und württembergische Dukaten, hessische 10-Guldenstücke und endlich noch ein Stück dänisches Gold.“ Hinzu kommt das Papiergeld, „(…) der ganze Rosenkranz von Staatspapieren, den uns die 34 Vaterländer liefern, jetzt kommen dazu die übrigen Banken, und auch damit ist die Liste des Elends noch nicht erschöpft (…), denn unter diesen Papierscheinen unterscheidet man wieder zwischen zahmen und wilden.“ Und weiter: „Denn jede Zahlung ist ein Kampf, es werden keine 50 Gulden bezahlt, ohne dass der Bauer kommt und sagt: ich habe den Friedrichsd’or mit 10 Gulden annehmen müssen, und dann steht ihm der Händler gegenüber und sagt: er ist nach dem Kurszettel nur 9 Gulden 57 Kreuzer wert, und da giebt (sic!) es Zank und Streit, der eine hält sich für betrogen, der andere für vergewaltigt und jeder Tag, jede Zahlung, jedes Geschäft ist eine Quelle von Unfrieden, von Bosheit, von Irrtümern und Betrug.“ 4 Volkswirte und Handelstage fordern deutsche Geldeinheit Bereits die Volkswirtschaftlichen Kongresse 1859, 1860 und 1861 sowie der erste Deutsche Handelstag 1861 hatten eine deutsche Geldeinheit gefordert. 5 Als 1865 die Lateinische Münzunion unter der Führung Frankreichs entstand (mit dem Anspruch, eine Weltmünze zu schaffen), sprachen sich der Volkswirtschaftliche Kongress 1867 und der Deutsche Handelstag 1868 sogar für einen Anschluss der Deutschen 08 // 2021 47

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