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die bank 08 // 2021

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MARKT DEUTSCHE

MARKT DEUTSCHE WÄHRUNGSUNION 1871 VOR 150 JAHREN KAM DIE MARK Wer vor 200 Jahren von Hamburg nach München reiste, musste nicht nur mehrere Zollstellen und Ländergrenzen passieren, sondern auch mehrmals die Währung wechseln. Die deutsche Kleinstaaterei hatte zu einer kaum noch überschaubaren Vielfalt an Geldsorten und Währungen geführt. Fürsten wie prägeberechtigte Städte legten großen Wert auf ihre Geld- und Währungssouveränität. Erst mit der Bildung des deutschen Nationalstaats vor 150 Jahren gelang den Deutschen auch die Währungseinheit: 1871 kam die Mark zu 100 Pfennig. 44 08 // 2021

MARKT Um 1870 stand Deutschland an der Schwelle zur Hochindustrialisierung. Noch arbeitete etwa die Hälfte der Bevölkerung in der Landwirtschaft, doch die Industrialisierung nahm Fahrt auf. In nur wenigen Jahrzehnten hatten Dampfmaschinen und Eisenbahnen das Land deutlich sichtbar verändert. Von 1836 bis 1870 wuchs die Streckenlänge der Eisenbahnen in Deutschland von sechs auf rund 20.000 Kilometer. Jede größere Stadt war damit an das Eisenbahnnetz angebunden. Handel und Verkehr erlebten einen nie zuvor gekannten Aufschwung. Allein der Außenhandel Deutschlands verfünffachte sich von 1835 bis Anfang der 1870er-Jahre. 1 Kleinstaaterei und Währungsvielfalt Geblieben war die deutsche Kleinstaaterei, auch im Geldwesen. Zwar konnten mehrere Münzkonventionen nach der Gründung des Deutschen Zollvereins (1833) die Zustände im Geldwesen verbessern. Eine gemeinsame Währung, wie sie Franzosen, Engländer, Italiener besaßen, blieb den Deutschen jedoch bis Anfang der 1870er-Jahre versagt. Stattdessen kursierte eine bunte Vielfalt unterschiedlichster Geldsorten, heimische und ausländische Münzen, sowie Papiergeld von etwa 60 deutschen Emittenten. Es gab mehrere Währungen und diverse regionale Münzsysteme in Deutschland. Im Gebiet des Zollvereins – dem freilich nicht alle deutschen Staaten beigetreten waren – hatten sich zwei Währungen etabliert: Taler und Gulden. 2 Beides waren Silberwährungen. Im nördlichen Deutschland dominierte der – ursprünglich preußische – Taler als Währungseinheit. Er wurde seit 1857 im sogenannten 30-Talerfuß geprägt. Das bedeutete: Aus einem Pfund Silber wurden 30 Taler hergestellt, ein Taler bestand also aus 16,7 g Silber. Taler im Norden und Gulden im Süden Unterteilt wurde der Taler in Preußen und den meisten anderen Talerländern in 30 Groschen zu je 12 Pfennige. Anders in Sachsen und den Herzogtümern Braunschweig, Sachsen-Gotha und Sachsen-Altenburg; dort rechnete man 10 Pfennige auf einen Groschen, den Taler also zu 300 statt 360 Pfennige. In Mecklenburg, das nicht dem Zollverein angehörte, wurde der Taler in 48 Schillinge zu je 12 Pfennige unterteilt. Dort galt ein Taler demnach 576 Pfennige. Man sieht: Pfennig war nicht gleich Pfennig in Deutschland! Die Währungseinheit der süddeutschen Staaten war der silberne Gulden im 52 ½-Guldenfuß (52 ½ Gulden aus einem Pfund Silber, ein Gulden damit 9,5 g Silber). Der Gulden wurde in 60 Kreuzer unterteilt, der Kreuzer wiederum in 4 Pfennige (in Frankfurt waren es 4 Heller). Die Bayern prägten als kleinste Scheidemünze zusätzlich einen Heller im Wert eines 1/2 Pfennigs bzw. 1/8 Kreuzers. Mit der Dresdener Münzkonvention 1838 hatte der Zollverein eine Währungsunion zwischen den norddeutschen Taler- und den süddeutschen Guldenländern geschaffen. Die teilnehmenden Länder vereinbarten eine gemeinsame „Vereinsmünze“ als gesetzliches Zahlungsmittel im Wert von 2 Taler = 3 ½ Gulden zu prägen. Knapp zwei Jahrzehnte später erhob der Wiener Münzvertrag von 1857 den norddeutschen Taler zum „Vereinstaler“, der seitdem auch von Süddeutschland und Österreich geprägt wurde. Er galt 1 ¾ Gulden in süddeutscher Währung und 1 ½ Gulden in österreichischer Währung. 08 // 2021 45

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