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die bank 08 // 2015

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

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ó FINANZMARKT Die Finanzierung der Energiewende INVESTMENT Bis 2050 soll der überwiegende Teil des Energieverbrauchs in Deutschland durch Erneuerbare Energien gedeckt werden. Zur Umsetzung der Energiewende sind allein bis 2020 in Deutschland Investitionen in Höhe von rund 25 Mrd. € jährlich erforderlich, davon der größte Anteil für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Erzeugungskapazitäten. Wer aber kann die erheblichen Finanzierungsmittel aufbringen, die notwendig sind, wenn die Energiewende gelingen soll? Der Beitrag untersucht, welche Bedeutung den institutionellen Investoren hierbei zukommt. Markus Gerhard | Armin Sandhövel | Thomas Rüschen Keywords: Finanzierung, Institutionelle Investoren, Energie In Deutschland wurde in den letzten Jahren eine fundamentale Kehrtwende in der Energiepolitik eingeleitet, die als Energiewende bezeichnet wird. Ziel ist es unter anderem, bis 2050 den überwiegenden Teil des Energieverbrauchs hierzulande durch Erneuerbare Energien (EE) zu decken. Mit der Umstellung des Energiesystems auf Erneuerbare Energien verbindet sich die Erwartung, dass die ökonomische Entwicklung von den CO 2 -Emissionen entkoppelt werden kann und somit ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz geleistet wird. Das Gelingen der Energiewende erfordert hohe Investitionen Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist in Deutschland bereits – vor allem im Strombereich – beeindruckend vorangeschritten: Hier stieg der Anteil der Erneuerbaren von 6,4 Prozent im Jahr 2000 auf aktuell fast 28 Prozent. Um die politisch gesetzten Ausbauziele zu erreichen, sind aber weitere umfangreiche Investitionen notwendig. Nicht nur in den weiteren Ausbau der EE-Erzeugungskapazitäten, also vor allem neue Wind- und Photovoltaik- Anlagen, sondern auch für den Aus- und Umbau der Stromnetze oder für dezentrale Speicher. Schätzungen gehen davon aus, dass bis 2020 allein in Deutschland Investitionen in Höhe von ca. 25 Mrd. € jährlich erforderlich sind, soll die Energiewende 1 gelingen. Für den Zeitraum 2020 bis 2050 geht die Bundesregierung in ihrem Energiekonzept von einem Investitionsbedarf von jährlich bis zu 15 Mrd. € aus. Grundsätzlich muss diese Zahl auch vor dem Hintergrund einer allgemeinen Investitionsschwäche in Deutschland 2 gesehen werden. Wer soll diese Investitionen also finanzieren? Wer finanziert den Ausbau der Erneuerbaren Energien? Da der überwiegende Teil der EE-Projekte anteilig mit Fremdkapital finanziert wird, kommt den Kreditinstituten naturgemäß eine wesentliche Finanzierungsrolle beim Ausbau der Erneuerbaren zu. Allerdings werden die Spielräume der Banken, langfristige Darlehen für Infrastrukturprojekte zu gewähren, durch die neuen Kapitalvorschriften eingeschränkt, was grundsätzlich die Erschließung neuer Fremdfinanzierungsquellen erforderlich macht. Und wo kommt das Eigenkapital her? Auf- seiten des Eigenkapitals spielen neben den Projektentwicklern, den überregionalen Energieunternehmen, Stadtwerken sowie Netzbetreibern auch institutionelle Investoren und Privatpersonen eine gewichtige Rolle. 3 Privatpersonen haben sich beispielsweise über Bürgerbeteiligungsmodelle oder über gewerblich arrangierte KG Fonds vor allem an Windund Solarprojekten beteiligt. Es ist in den letzten vier Jahren deutlich geworden, dass die Energiewende die Geschäftsmodelle der großen Energieversorgungsunternehmen (EVU) vor große Her-ausforderungen gestellt hat. Die Börsenkapitalisierung der großen Versorger ist stark gefallen und die Ratings wurden mehrfach herabgestuft. In der Folge haben die Energieversorger begonnen, sich strategisch neu zu positionieren. E.ON hat z. B. Ende 2014 seinen Strategiewechsel hin zu Erneuerbaren Energien verkündet. 4 Trotz der strategischen Re-Positionierung der EVU dürfte davon auszugehen sein, dass die Energieunternehmen allein die für das Gelingen der Energiewende notwendigen Investitionen nicht stemmen können. Daher müssen private Investoren die Investitionslücke schließen – und zwar sowohl hinsichtlich des Eigenkapitals als auch des Fremdkapitals. Vor allem von den institutionellen Investoren wird daher zukünftig ein noch wesentlicherer Beitrag zur Finanzierung der Energiewende erwartet. 12 diebank 8.2015

FINANZMARKT ó Der Begriff des institutionellen Investors ist nicht eindeutig definiert. Gemeint sind damit in der Regel privatrechtlich organisierte Rechtssubjekte, deren Zweck im Wesentlichen darin besteht, Vermögenswerte für Dritte unter Erzielung von Renditen zu managen. Sehr häufig sind die Vermögenswerte dabei Gelder der Altersvorsorge. Zu den institutionellen Investoren werden Versicherungen, Pensionsfonds und Pensionskassen, Versorgungswerke, Offene und Geschlossene Fonds, Family-Offices, Stiftungen und Kirchen gezählt. Das Engagement institutioneller Investoren Diese Investorengruppe ist allein aufgrund der Höhe ihres verwalteten Vermögens potenziell in der Lage, einen gewichtigen Finanzierungsbeitrag zur Energiewende zu leisten. Und tatsächlich hat in jüngster Zeit das Interesse institutioneller Anleger an EE-Projekten massiv zugenommen. Eine aktuelle Studie der Universität der Bundeswehr zeigt, dass 43 Prozent der befragten institutionellen Anleger bereits in Erneuerbare Energien-Projekte investiert haben. Und mehr als 60 Prozent aller Anleger planen neue oder weitere Investitionen. 5 Was sind die Motive institutioneller Investoren, sich verstärkt dieser neuen Asset-Klasse zuzuwenden, und in welcher Form werden diese Investments getätigt? Ein Grund für das verstärkte Interesse institutioneller Anleger an EE-Projekten kann in der aktuellen Kapitalmarktlage gesehen werden. Im derzeitigen Niedrigzinsumfeld bieten Geldmarkt- und Rentenanlagen keine attraktive Verzinsung für die Investoren. 6 Aktienanlagen sind demgegenüber volatil und werden angesichts des inzwischen hohen Bewertungsniveaus oft als zu risikoreich angesehen. Versicherungen beispielsweise haben daher zunehmend Probleme, für die Versicherten mindestens die garantierte Rendite zu erwirtschaften. Daher sind Sachwerte wie Immobilien, Infrastruktur und auch Projekte rund um erneuerbare Energien in den Blick institutioneller Anleger geraten. Versicherungen und andere Institutionelle haben begonnen, verstärkt in solche Alternative Assets zu investieren, deren Risikoprofil mit den rechtlichen Vorgaben in Einklang zu bringen ist. 7 Die Renditeerwartungen institutioneller Investoren an EE-Projekte liegen abhängig von Technologie, Land und verschiedenen Risikofaktoren zwischen fünf und neun Prozent. Noch wichtiger ist den Investoren aber, dass die Erträge gut planbar, sicher und stabil sind. Gerade hinsichtlich dieser Zielsetzung erscheinen EE-Projekte als besonders attraktiv. Denn in Deutschland und anderen europäischen Ländern werden die Projektrenditen gegenwärtig oftmals noch durch die politisch determinierten Vergütungssätze abgesichert. D. h. der Strom, der von einer Wind- oder PV-Anlage erzeugt wird, wird von den Netzbetreibern garantiert und zu einem politisch fixierten Preis abgenommen. Auch das Ausfallrisiko ist bei EE-Investments angesichts der mittlerweile hohen Professionalität bei Projektentwicklern und Projektbetreibern in der Regel eher überschaubar. Institutionelle Investoren können daher durch Investitionen in EE-Projekte über lange Zeiträume relativ gut planbare Erträge erwirtschaften – sofern die Investitionen in einem langfristig stabilen und rechtssicheren Umfeld getätigt werden. Es überrascht daher kaum, dass der regionale Schwerpunkt der EE-Investments der deutschen institutionellen Investoren in Deutschland und im europäischen Ausland lag. Hierbei setzten die Institutionellen vornehmlich auf EE-Projekte mit ausgereifter Technologie, vor allem Onshore- Wind und Solar-Projekte. 8.2015 diebank 13

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