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die bank 07 // 2022

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT SUSTAINABLE

MARKT SUSTAINABLE FINANCE & ESG Mehr Tempo bei Investitionen in den Klimaschutz Um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, bedarf es der Reduzierung klimaschädlicher Emissionen – möglichst schnell und effizient. Wie Unternehmen sich aufstellen müssen, um dieses Ziel zu erreichen und wie sie es finanzieren können, erläutert die Autorin im folgenden Beitrag. 44 07 | 2022

MARKT Extreme Wetterereignisse und Naturkatastrophen nehmen unaufhörlich zu, ein deutlicher Anstieg des Meeresspiegels ist zu beobachten, und Ökosysteme sind vermehrt in Gefahr. Der Klimawandel beschleunigt sich und ist zur größten und dringendsten Herausforderung unserer Zeit geworden. Gemeinsame Anstrengungen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind notwendig, um diese Entwicklung zu bremsen, klimaschädliche Emissionen zu reduzieren und die nachhaltige Transformation voranzutreiben. Spätestens im Jahr 2050 will die Europäische Union klimaneutral sein, 55 Prozent der Treibhausgase sollen bis 2030 gegenüber dem Jahr 1990 reduziert werden. Ambitionierte Ziele, aber alternativlos. Wenn wir den Ausstoß unserer Treibhausgas-Emissionen in den kommenden Jahrzehnten nicht dramatisch senken, ist laut Weltklimarat (IPCC) eine Erderwärmung um mehr als 3 Grad möglich. Das hätte fatale Folgen für unseren Planeten und noch fatalere für die Menschheit. Der Bericht macht deutlich: Es muss jetzt umfassend gehandelt werden. Feuer löschen und Zukunft gestalten Eine starke Rolle im Kampf gegen den Klimawandel kann und muss die Finanzindustrie einnehmen. Noch fließt globales Kapital allerdings zu langsam in den Klimaschutz, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Die Möglichkeiten sind jedoch da, und vor allem die Banken sind in der Verantwortung, Finanzlösungen zu schaffen, die etwa den Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigen. Unterstützt durch eine stärkere Regulatorik und zuverlässigere Daten, muss der Einfluss beim Klimaschutz noch größer werden. Grüne respektive nachhaltig orientierte Finanzierungsformen gibt es grundsätzlich in zwei Ausprägungen. Sie sind entweder zweckgebunden, und dienen der Finanzierung von konkreten nachhaltigen Projekten, oder sie sind an ESG-Kriterien eines Unternehmens gekoppelt. Hierbei steigen oder sinken die Finanzierungskosten je nachdem, ob diese ihre gesetzten Ziele erreichen oder auch nicht. Zu ersteren, den nachhaltigen, zweckgebundenen Finanzlösungen, zählen etwa nachhaltige Anleihen, Kredite, Schuldscheine oder Garantien. Am stärksten nachgefragt waren bisher die Green Bonds, deren Erlöse ausschließlich dazu verwendet werden, neue oder bestehende Umweltvorhaben zu finanzieren. Im letzten Jahr wurden grüne Anleihen von mehr als 600 Mrd. US-$ begeben. Insgesamt ist der Markt für alle nachhaltigen Finanzinstrumente, also Anleihen und Kredite, weltweit auf 1,643 Trillionen US-$ gestiegen, das entspricht einer Verdopplung zum Vorjahreswert. Das sind sehr erfreuliche Entwicklungen. Allerdings kann man in den ersten Monaten dieses Jahres sehen, wie diese langfristig positive Entwicklung durch geopolitische Ereignisse gestört werden kann. Hauptursächlich durch den Krieg in der Ukraine, aber auch durch das gestiegene Zinsniveau, ging von Januar bis Mai 2022 die Gesamtemission von Nachhaltigkeitsanleihen um 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück, das zeigt der SEB Green Bond Report detailliert auf. Es ist der erste Rückgang von nachhaltigen Finanzinstrumenten seit mindestens sechs Jahren. Wir erwarten allerdings, dass sich die Emissionstätigkeit im Nachhaltigkeitsbereich in den kommenden Monaten wieder beleben wird. Ein Zeichen setzt zum Beispiel die Entscheidung der EZB, ihr Ankaufprogramm von Unternehmensanleihen so zu verändern, dass sie insbesondere in Unternehmen investiert, die sich stark dekarbonisieren und ambitionierte Ziele beim Klimaschutz haben. Auch haben viele supranationale Unternehmen im ersten Halbjahr 2022 grüne Bonds emittiert, zum Beispiel die EU mit einer grünen Anleihe von 5,3 Mrd. Euro. Mehr Transparenz in Sachen Nachhaltigkeit Mittlerweile sollte auch der Letzte realisiert haben, dass der zügige Umbau in Richtung mehr Nachhaltigkeit mit Blick auf die nächsten Jahre strategisch von enormer Wichtigkeit ist – nicht nur in Bezug auf die Energiesicherheit und die Klimaneutralität, sondern auch hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Eine an der zukünftigen Entwicklung des Unternehmens ausgerichtete Finanzierungsform sind die sogenannten ESG-gebundenen Kredite oder Bonds. Diese setzen finanzielle Anreize für Unternehmen, zuvor definierte und ambitionierte Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Das können ESG-Ratings eines Unternehmens bei einer spezialisierten Nachhaltigkeitsagentur sein oder noch besser, es werden individuelle Kennzahlen vereinbart – zum Beispiel der CO2-Ausstoß oder der Anteil der erneuerbaren Energien („Environmental“) im Unternehmen. Gleiches gilt mit Blick auf die „Social“- Komponente – etwa für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz oder die besonders strenge Einhaltung der Menschenrechte – und in Bezug auf das „Governance“-Kriterium, unter anderem für verantwortungsvolle Unternehmensführung, die Integrität und Compliance achtet oder Diversität und Inklusion auf der Agenda hat. Bei all diesen Vereinbarungen gilt: Steigt die Nachhaltigkeit des Unternehmens innerhalb der Laufzeit des Produkts, sinken die Kos- 07 | 2022 45

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