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die bank 07 // 2022

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT 3 | Einkommen der

MARKT 3 | Einkommen der Kreditnehmer in Abhängigkeit von der Antriebsart 60.000 € 50.000 € 40.000 € 30.000 € 20.000 € 10.000 € 0 € AT DE ES FI FR IT PT UK (in £) Elektro Hybrid Diesel Benzin Quelle: European DataWarehouse. Auffällig ist die unterschiedliche Verteilung der EPC-Klassen in den Daten deutscher und französischer Kreditnehmer. Während Autos mit Dieselantrieb in Deutschland zu über 90 Prozent in den Klassen A und B eingestuft sind, sind es in Frankreich nur etwas über 40 Prozent. Im Gegensatz dazu verhält es sich bei Fahrzeugen mit Benzinantrieb nahezu umgekehrt. Während in Frankreich etwa 80 Prozent in den Klassen A und B eingestuft werden, sind es in Deutschland nur etwas über 40 Prozent. Der Grund für diese deutlichen Abweichungen zwischen den EPC-Klassen bei Kfz- Finanzierungen sind die unterschiedlichen Messmethoden, die für die Bestimmung der EPC-Einstufung verwendet werden. Während in Frankreich der absolute Ausstoß von Kohlendioxid für die EPC-Einstufung verwendet wird, wird dieser in Deutschland ins Verhältnis zum Gewicht des Fahrzeugs gesetzt. Von der Berücksichtigung des Gewichts profitieren in Deutschland daher Fahrzeuge mit Dieselantrieb, der sich häufiger in großen und schwereren Autos (wie SUVs und großen Kombis) findet, während die gleichen Fahrzeuge in Frankreich in deutlich schlechtere EPC-Klassen eingestuft werden. Für eine aussagekräftige und länderübergreifende Analyse der Energieeffizienz von verbrieften Kfz-Finanzierungen eignen sich die EPC-Einstufungen nur bedingt, das wird an zwei Beispielen aus der Datenbank des European DataWarehouse deutlich: 1. Der Kleinwagen Fiat 500 wird in den Kreditdaten aus Frankreich zu 98 Prozent in die EPC-Klassen A, B oder C eingestuft, während in Deutschland das gleiche Fahrzeug nur zu 35 Prozent in die EPC-Klassen A, B oder C eingestuft wird. 2. Ein SUV von Land Rover, das etwa doppelt so viel wiegt wie ein Fiat 500 und in der Regel von einem Dieselmotor angetrieben wird, wird laut den Daten des European DataWarehouse in Deutschland zu 89 Prozent in die EPC-Klassen A, B oder C eingestuft, während es in Frankreich nur zu 33 Prozent in die EPC-Klassen A, B oder C eingestuft wird. In einer weiteren Analyse wurde der Zusammenhang von Einkommen der Kreditnehmer und der Antriebsart (Elektro, Hybrid, Diesel, Benzin) des finanzierten Fahrzeugs durchgeführt. Für diese Analyse wurden die Daten von Kfz-Finanzierungen aus acht europäischen Ländern herangezogen. Die Abbildung ÿ 3 zeigt die Ergebnisse. Verwendet wurden Daten aus Kfz-Finanzierungen aus Österreich (AT), Deutschland (DE), Spanien (ES), Finnland (FI), Frankreich (FR), Italien (IT), Portugal (PT) und Großbritannien (UK). Unterschiede der Einkommen zwischen den Ländern ergaben sich dabei erneut aus den unterschiedlichen Einkommensniveaus, aber auch aus unterschiedlichen Meldestandards (z. B. Netto-Einkommen statt des üblichen Brutto-Einkommens). 42 07 | 2022

MARKT Elektro- und Hybridauto-Käufer haben höhere Einkommen Ähnlich wie bei der Analyse von energieeffizienten Immobilien zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Höhe des durchschnittlichen Einkommens der Kreditnehmer und der Energieeffizienz bzw. den Kohlendioxid-Emissionen der finanzierten Fahrzeuge. Mit Ausnahme Deutschlands verdienen europaweit die Käufer von Elektroautos bzw. Fahrzeugen mit Hybridantrieb die höchsten Jahresgehälter, während die Käufer von Fahrzeugen mit Diesel- oder Benzinantrieb über zum Teil deutlich niedrigere Einkommen verfügen. So liegt das Einkommen von Käufern von Elektroautos in Spanien bei durchschnittlich 24.305 € p. a., während Käufer von Fahrzeugen mit Benzinantrieb im Durchschnitt über ein Einkommen von 18.795 € p. a. verfügen. In Österreich betrug die Differenz 6.250 € p. a. und in Finnland sogar 12.004 € p. a. „Grün“ kaufen aus Lifestyle-Gründen Darüber hinaus sind bei der Interpretation dieser Ergebnisse weitere einflussreiche Faktoren zu berücksichtigen. Zum einen sind Elektroautos in der Anschaffung zuweilen deutlich teurer als vergleichbare Fahrzeuge mit Diesel- oder Benzinantrieb. Dementsprechend können sich nur Kreditnehmer mit höherem Einkommen diese Fahrzeuge und die zugehörigen Finanzierungen leisten. Zum anderen präferieren Angehörige der besserverdienenden Gesellschaftsschichten nachhaltige Güter (wie Elektroautos oder den Einkauf von Bio-Lebensmitteln) vor allem aus Lifestyle-Gründen. Dieses Verhalten wurde in entsprechenden Studien 3, 4 untersucht und bestätigt. Was bedeuten die gewonnenen Ergebnisse für die Emittenten und Investoren von Verbriefungstranskationen? Für Emittenten bietet die steigende Nachfrage nach nachhaltigen Verbriefungen neue Möglichkeiten, um bestehende nachhaltige Kredite zu verbriefen bzw. selbst die Erlöse aus einer Verbriefung in neue nachhaltige Finanzierungen zu investieren. Die Herausforderung wird die geforderte Transparenz und die Beschaffung der notwendigen Daten sein. Für Investoren ergeben sich neue attraktive Investitionsmöglichkeiten in Europa. Allerdings ist ein gutes Verständnis von Energieeffizienz und den möglichen Abweichungen von Land zu Land notwendig, um die einmalige Transparenz von Verbriefungen bestmöglich zu nutzen. FAZIT Das rasante Wachstum der nachhaltigen – und hier vor allem der grünen –Verbriefungen bietet interessante Möglichkeiten für Emittenten und Investoren. Für den langfristigen Erfolg der grünen Verbriefungen wird die Transparenz dabei eine entscheidende Rolle spielen. Erste Einblicke in die Daten in europäischen Verbriefungen zeigen, dass es noch deutliche Unterschiede in der Vergleichbarkeit von Energieeffizienz gibt, aber auch, dass Kredite für den Erwerb energieeffizienter Immobilien oder Fahrzeuge für besserverdienende Kunden interessanter sind. Für den langfristigen Erfolg der nachhaltigen Finanzinstrumente, aber auch des langfristigen Wandels hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft, ist es wichtig, dass auch Bevölkerungsschichten mit geringeren Einkommen in die Lage versetzt werden, in den Genuss energieeffizienter Immobilien oder Fahrzeuge zu gelangen. Innovationen des Markts in bessere technische Lösungen und günstigere Finanzierungsmöglichkeiten sind hierzu der Schlüssel. Autor Dr. Christian Thun ist seit 2016 Geschäftsführer der European DataWarehouse GmbH in Frankfurt am Main. Das führende Verbriefungsregister für den europäischen Verbriefungsmarkt wurde 2021 von der ESMA registriert. 1 AFME, ESG Finance Report (2022), https://www.afme.eu/Portals/0/DispatchFeaturedImages/AFME%20Sustainable%20Finance%20Report%20-%20Q421%20and%202021FY.pdf. 2 PWC Luxembourg, ESG Transformation of the Fixed Income Market (2022), https://www.pwc.lu/en/sustainable-finance/esg-transformation-fixed-income-market.html . 3 Frank Decker, Wahlergebnisse und Wählerschaft der GRÜNEN (2020), Bundeszentrale für politische Bildung, https://www.bpb.de/themen/ parteien/parteien-in-deutschland/gruene/42159/wahlergebnisse-undwaehlerschaft-der-gruenen/. 4 Franz Walter, Gelb oder Grün? Kleine Parteiengeschichte der besserverdienenden Mitte in Deutschland (2010), Bielefeld. 07 | 2022 43

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