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die bank 07 // 2022

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT aktuellen Kapital-

MARKT aktuellen Kapital- und Liquiditätsforderungen prozyklisch belastend auf das Bilanzprofil und das Ertragspotenzial der Realwirtschaft. Dies kann schon in kurzer Frist über das Rating den Zugang zu Bankfinanzierungen beeinträchtigen. Aktuelle Situation verschärft die Problematik Die prognostizierte konjunkturelle Abschwungphase verschlechtert die Durchschnittsbonität des Forderungsvermögens von Banken. Das schmälert über die aufsichtsrechtlich erforderlichen Eigenmittelunterlegungen deren Profitabilität. Konkrete Folgen können eine Reduzierung des möglichen Höchstbetrags an Kreditausreichungen sowie verschärfte Eigenmittelanforderungen mit Konditionenanstieg und Nachforderungen an die Sicherheitenstellung sein. Ein nachfolgender Anstieg der Finanzierungskosten führt wiederum zu weiteren Ergebnisbelastungen vor allem im Mittelstand. Sollte sich zudem herausstellen, dass die Transparenz- und Reportinganforderungen aus dem Bereich Sustainable Finance stärker projektorientierte Finanzierungsarten fördern, könnte die Puffer-Funktion der Hausbanken bei exogenen Schocks beeinträchtigt werden. Eine Art negativer Handlungssog aus iterativer, prozyklischer Wirkung sich verschlechternder Bonitäten, steigenden Eigenmittelanforderungen, zusätzlich zinsbedingten Kosten- und Ergebnisbelastungen der Unternehmen entstünde und damit geringer werdende Spielräume für deren Finanzierung. Dabei führen die steigenden Kosten infolge der Finanzmarktregulierung schon heute zur Konsolidierung dezentraler Strukturen in der Finanzwirtschaft. Als Folge gehen der dezentralen Mittelstandsstruktur auch die Bankpartner mit individueller Kundenkenntnis zugunsten einer automatisierten Betreuung verloren. Der damit einhergehende Rückgang angemessener unternehmensspezifischer Finanzierungsangebote beeinträchtigt die bisher hohe Anpassungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Doch wenn das Funding über den Bankenmarkt nicht mehr ausreichend gewährleistet ist, kann nicht der Kapitalmarkt zukünftig diesen Mittelzugang substituieren? Transformation erfordert langfristige Investitionen Die nachhaltige Transformation wie auch die Digitalisierung erfordern Anpassungen von Geschäftsmodellen und der dereinst aktivierten Anlagegüter. Das Finanzierungsprofil jedoch ist langfristig, da sich die für die Refinanzierung notwen- 28 07 | 2022

MARKT digen Cashflows erst über längere Zeiträume bzw. nach Ausbalancierung der transformierten Wirtschaftsstruktur werden erwirtschaften lassen. Zu Anfang scheinen Zeiträume sogar negativer Cashflows nicht unwahrscheinlich, was individuelle Refinanzierungsprofile weiter unabdingbar macht. Nur scheint die Finanzmarktregulierung hier bereits entgegenzuwirken. Viele sehen daher in einer stärkeren Kapitalmarktorientierung eine Lösung. Jedoch ist dem Mittelstand aus verschiedenen Gründen oft kein direkter Zugang zum Kapitalmarkt möglich: Erstens steht Fremdkapital-Emissionen des zumeist ungerateten Mittelstands oft ein unzureichendes Kosten-Ertrags-Profil aufgrund geringer Losgrößen gegenüber. Zweitens weist der Mittelstand häufig komplexe Unternehmensstrukturen mit steuerlich induzierten Trennungen von Vermögens- und Geschäftsbereich auf. Insbesondere Gestaltungsmöglichkeiten wie z. B. die Limitierung von persönlicher Haftung, interne Leistungsverrechnung für Miete, Marken, Management sowie die gesellschaftsrechtliche Abschirmung besonderer Vermögensgegenstände (Technologien, Spezialanlagen, Patente etc.) durch eine Verlagerung in außerbetriebliche Vermögenssphären wirken Investoreninteressen entgegen. Drittens verfügt der Mittelstand häufig weder über die kapitalmarkterforderlichen Reporting- und Controlling-Strukturen noch über eine angemessene Fachexpertise. Transparenz- und Reporting-Anforderungen auch im Kontext von Sustainable Finance fordern gleichwohl eine deutliche Professionalisierung. Damit dürfte sich diese Chance nur für diejenigen Unternehmen eröffnen, die diese Zusatzkosten aus Organisationsanpassungen unter Fachkräftemangel in Hinblick auf ihre Profitabilität und Bonität stemmen können. Da der Mittelstand regulative Anforderungen aus z. B. Sustainable Finance oder Kapitalmarkt in gleicher Güte wie Großunternehmen meistern muss, wirkt zudem auch der benötigte Faktor Zeit für den notwendigen Prozess der Anpassung wesentlicher Unternehmensstrukturen leider negativ. Einen Ersatz für die bankmäßige Intermediation kann die Kapitalmarktfinanzierung für den überwiegenden Teil des Mittelstands so mittelfristig kaum darstellen. Verbesserung der Rahmenbedingungen für Verbriefungen Grundsätzlich bieten Verbriefungen eine Möglichkeit, die bankbasierte Finanzierung mit den Kapitalmärkten zu verknüpfen. Eine Weiterentwicklung des Verbriefungsmarkts kann die Finanzierungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft systematisch verbessern. Denn Verbriefungen stärken die Fähigkeit von Banken, die Kreditvergabe an die Realwirtschaft auszudehnen, indem aufsichtsrechtlich geprüfte Risiken aus den Bankbilanzen auf Investoren am Kapitalmarkt übertragen werden. Insbesondere mittels kapitalentlastender Bilanzverbriefungen (Syntheten) lassen sich Kreditrisiken an den Kapitalmarkt transferieren. Die Aufsicht prüft bei der Durchführung dieser Transaktionen – häufig in Form einer Emission von Credit Linked Notes –, ob ein signifikanter Risikotransfer (SRT) vorliegt und Kreditausfallrisiken im angestrebten Umfang von der Bank an Investoren übertragen werden. So erweitert die Bank ihre Kreditvergabekapazität und stärkt den Spielraum der bankbasierten Mittelstandsfinanzierung. Diese Form der Verbriefung bietet Banken – und damit auch mittelbar dem Mittelstand – die Chance Investoren individuell auf Risikoadäquanz geprüfte Finanzierungen in Form von Wertpapieren am Kapitalmarkt anzubieten. Investoren diversifizieren mit verbrieften Wertpapieren ihr Anlagespektrum und erweitern die Finanzierungsbasis der Realwirtschaft. Für kapitalentlastende Verbriefungen stellen die steuer- und insolvenzrechtlichen Unterschiede innerhalb der EU kein wesentliches Hindernis dar. Sie sind daher geeignet, effektiv zur Weiterentwicklung einer integrierten Kapitalmarktunion beizutragen. Jedoch stellen die im Vergleich zu anderen Finanzinstrumenten sehr hohen aufsichtsrechtlichen Anforderungen an diese Verbriefungen diese Chance der Sicherung bankbasierter Mittelstandsfinanzierung in Frage. Damit sich die volle Wirkung kapitalentlastender Verbriefungen bei der Finanzierung auch im konjunkturellen Abschwung und insbesondere mit Blick auf die digitale und nachhaltige Transformation entfalten kann, gilt es den Verbriefungsmarkt zielgerichtet weiterzuentwickeln. Europäischer Verbriefungsmarkt bleibt hinter globaler Entwicklung zurück Verbriefungen sind seit der Finanzkrise von 2008 ein eher beargwöhntes Finanzinstrument. Diese breite Wahrnehmung steht jedoch im Missverhältnis zur erwiesenermaßen guten Performance europäischer Verbriefungen vor, während und nach der Finanzkrise. Die Finanzmarktregulierung hat seit 2012 durch Vorschläge stark ansteigender Risikogewichte für Verbriefungen zu einer langen Phase der Unsicherheit geführt. Die seit 2019 für den europäischen Verbriefungsmarkt wirksame Regulierung für STS-Verbriefungen hat den hohen Anstieg der Risikogewichte zwar abgemildert. Der Preis ist aber eine prohibitiv teure Regulierung. Diese stellt vor allem kleinere Emittenten und Investoren gleichermaßen vor hohe Herausforderungen und hat zu massiven Ausweichbewegungen in weniger bis unregulierte Finanzmarktsegmente geführt. Das formulierte Ziel einer Wiederbelebung des europäischen Verbriefungsmarkts wurde klar verfehlt, und Europa bleibt hinter der globalen Entwicklung weit zurück. Zur notwendigen Trendumkehr und damit zur Sicherung der Mittelstandsfinanzierung in Deutschland kann eine Verbriefungs- 07 | 2022 29

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