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die bank 07 // 2022

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT BANKBASIERTE

MARKT BANKBASIERTE MITTELSTANDSFINANZIERUNG Verbriefung kann die nachhaltige und digitale Transformation unterstützen Die bankbasierte Mittelstandsfinanzierung ist für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands essenziell. Die Finanzmarktregulierung allerdings begrenzt die Spielräume der Banken. Für den Mittelstand verstärken Kostenbelastungen aus den aktuellen Unsicherheiten diesen Effekt noch. Das stellt die Finanzierung der digitalen und nachhaltigen Transformation vor Herausforderungen. Hier bieten Verbriefungen Chancen für die Sicherung der bankbasierten Mittelstandsfinanzierung und damit für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Banken ermöglichen der Realwirtschaft, in Ergänzung zum eigenen Kapital unternehmerische Entscheidungen mittels Krediten umzusetzen. Den Spielraum hierfür definiert die Finanzmarktregulierung. In Deutschland entwickelte sich auf dieser Basis eine mittelständische, dezentral organisierte Struktur sowohl von Real- als auch Finanzwirtschaft. Ähnliche Strukturen finden sich in der EU u. a. noch in Österreich sowie Norditalien. Der deutsche Mittelstand besteht aus über drei Millionen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) mit bis zu 50 Mio. € Jahresumsatz, einschließlich der Gewerbetreibenden mit in der Regel weniger als fünf Mitarbeitern. Die oftmals inhaber- bzw. familiengeführten Mittelstandsunternehmen bis 250 Mio. € Jahresumsatz ergänzen diese Gruppe. Insgesamt macht dieser Mittelstand ca. 99,4 Prozent aller Unternehmen in Deutschland aus und ist häufig ökonomischer Zuarbeiter der ca. 2.000 deutschen Großunternehmen. Die mittelständische Wirtschaftsstruktur Deutschlands hat dabei über 1.000 sogenannte Hidden Champions auch in globalen Wertschöpfungsketten hervorgebracht. Der Mittelstand braucht die bankbasierte Unternehmensfinanzierung Der unternehmensspezifische Zugang zu Bankbilanzen ermöglicht die Finanzierung der wenig standardisierten Geschäftsmodelle und Unternehmensstrukturen des Mittelstands. Damit unterstützt die Finanzwirtschaft flexible Reaktionen der Realwirtschaft an sich verändernde Rahmenbedingungen wie auch Krisen und erhält so deren internationale Wettbewerbsfähigkeit. Die Primärinstitute stehen der Realwirtschaft über alle Entwicklungsphasen hinweg als kritische Finanzierungspartner zur Seite, die verlässlich eine Fürsorge- aber auch risikomitigierende Selektionsfunktion ausüben. Sie ermöglichen auch die gewachsene Wertschöpfungs-Teilung zwischen Produzenten und Zulieferern. Kennzeichnend dabei sind die Übertragung von wirtschaftlichem Risiko auf nachgelagerte Mittelständler. Banken agieren in diesen Strukturen als Ermöglicher individueller Kapitaldienstprofile, die über die eigentliche Bonität eines Mittelständlers deutlich hinausgehen können. Zudem werden über die Bereitstellung von Liquiditätslinien Puffer gegen kurzfristige, exogene Schocks geschaffen. Letztlich wurde so über Jahre eine effiziente gesamtwirtschaftliche Kapitalallokation gewährleistet. Die Vielzahl der Primärinstitute in Deutschland scheint daher symbiotisch mit der besonders anpassungsfähigen, mittelständischen Wirtschaftsstruktur – das eine lässt sich ohne das andere vermutlich nicht haben. Diese Entwicklung geht mit einem zuletzt gestiegenen Verschuldungsgrad der Unternehmen infolge der Pandemie einher. Hinzu kommen mittlerweile schwer kalkulierbare Belastungen aufgrund von Lieferkettenstörungen und geopolitischen Verwerfungen sowie der Anstieg bei Energie- und Rohstoff- 26 07 | 2022

MARKT preisen. Die damit verbundenen Bonitäts- Verschlechterungen erschweren die Mittelaufnahme für Investitionen in die digitale und nachhaltige Transformation mittels Bankfinanzierung. Das wiegt umso schwerer, da es dem Mittelstand in der Regel an einer grundsätzlichen Kapitalmarktfähigkeit und so an alternativen Finanzierungsquellen direkt am Kapitalmarkt mangelt. Bei der aktuellen Gemengelage erscheint es daher fraglich, ob das symbiotische Zusammenwirken von Real- und Finanzwirtschaft in gewohnter Weise fortbestehen kann. Für die hohe Anpassungsfähigkeit der mittelständischen Wirtschaftsstruktur in Deutschland stellt dies ein besonderes Risiko auf mittlere und längere Sicht dar. Regulierung benachteiligt KMU und deren Finanzierungspartner Die ökonomische Flexibilität des Mittelstands hängt maßgeblich von Spielraum und Angebot individueller Finanzierungen auf Basis befriedigender Free Cashflows und Eigenkapitalausstattung der Unternehmen ab. Hier wirkt die aktuelle Wirtschaftsentwicklung kontraproduktiv. Zudem hat die aktuelle Finanzmarktregulierung bereits jetzt eine Verkürzung von Laufzeiten bei Kreditausreichungen mit nachfolgender Verschlechterung der Fristenkongruenz in den Unternehmensbilanzen ausgelöst. Zusammen mit den Unsicherheiten und Störungen aufgrund aktueller pandemischer und geopolitischer Verwerfungen wirken die 07 | 2022 27

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