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die bank 07 // 2016

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BERUF & KARRIERE

ó BERUF & KARRIERE THOMAS JORBERG Banker und Mensch fi AT THE TOP Schon vor dem Eingang der GLS Bank in Bochum wird dem Betrachter rasch klar, dass es sich hier nicht um ein „normales“ Finanzinstitut handelt. Drei Firmenwagen stehen hier und werden für den Einsatz am kommenden Tag mit Energie aufgetankt. Und der „Treibstoff“ für die Kleinwagen kommt in diesem Fall – wen überrascht es – aus der Steckdose. Bei der GLS Bank wird Nachhaltigkeit nicht nur gepredigt, sondern auch in die Tat umgesetzt. Die von der genossenschaftlichen GLS Gemeinschaftsbank eG und ihrem Vorstandssprecher Thomas Jorberg mit Macht und Eifer vorangetriebene Suche nach innovativen Lösungen für die Probleme der Welt wird nicht nur an diesem recht simplen Beispiel deutlich. Thomas Jorberg ist ein Querdenker und ein „etwas anderer Banker“, der Thomas Jorberg wurde 1957 in Rothenburg ob der Tauber geboren und verbrachte sein gesamtes Berufsleben bei der GLS. Nach der Banklehre studierte er Wirtschaftswissenschaften und kam als Angestellter in die Bank zurück. Heute ist er Vorstandssprecher der GLS Bank und zuständig für die Strategieentwicklung, das Eigenanlage- und Vermögensmanagement, die Kreditkundenbetreuung, den Bereich Marketing und Öffentlichkeitsarbeit sowie das Filialgeschäft. Für verantwortungsvolle und faire Unternehmensführung erhielt er mehrere Auszeichnungen, u. a. den Future Award, den B.A.U.M. Umweltpreis und den Deutschen Fairness Preis. sich dem notwendigen Wertewandel verschrieben hat. Natürlich müssen sich auch er und sein Institut in diesen schwierigen Zeiten ständig dem Wettbewerb stellen, der längst nicht mehr nur aus traditionellen Banken besteht, sondern darüber hinaus auch aus unzähligen FinTech-Firmen. Hinzu kommt: Einige der Bank-Konkurrenten sind aus Kapitalsicht betrachtet oftmals mächtiger aufgestellt und haben einen größeren Einfluss sowohl in der Politik als auch in der Gesellschaft. Doch Jorberg und sein engagiertes Team arbeiten daran, das zu verändern. Die von dem Juristen Wilhelm Ernst Barkhoff im Jahr 1974 gegründete GLS Bank – zu der die GLS Treuhand e.V. und die GLS Beteiligungs AG gehören – hat als sozial-ökologisch ausgerichtetes Finanzinstitut den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass es seit Jahren viele Gleichgesinnte findet. Denn die Kunden der Bank sind nicht selten auch Genossen, die ihr Scherflein zum Erfolg beitragen. Insgesamt gehört die Bank ihren über 40.000 Mitgliedern. Vorstandschef Jorberg ist ein Stratege. Das hat er bereits sehr früh unter Beweis gestellt, nämlich im Jahr 2003, als die GLS Bank die damals bekanntere Ökobank in Frankfurt übernahm. Die Mitglieder der Bochumer Genossenschaftsbank hatten dem Bankvorstand seinerzeit grünes Licht gegeben und so den Schritt zur Vollbank geebnet. Seither geht es steil bergauf. Das Institut ist mit sieben Filialen in Deutschland vertreten. Mehr als 500 Mitarbeiter kümmern sich um ein Vermögen von 4,2 Mrd. €, das für rund 200.000 Kunden angelegt wird – mit klaren Wertvorgaben. Thomas Jorberg hat bei vielen ökonomischen, ökologischen und sozialen Fragen eine im Vergleich zu anderen Bankern etwas andere Sicht der Dinge, die vor allem eines erkennen lässt: Verantwortung. Heute bietet die Bank Kunden von der rentablen Geldanlage bis hin zur Schenkung ein breites und attraktives Spektrum aus einer Hand. Kredite vergibt die GLS Bank vor allem in die Bereiche Energie, Wohnen, Ernährung, Bildung und Gesundheit. Das wertorientierte Bankgeschäft der Bochumer steht unter dem Motto „Geld ist für die Menschen da.“ Die Kunden der Bank bringen in der Kapitalanlage ihre eigenen Ideen ein. Dabei steht die Frage nach dem Sinn des Geldanlegens im Vordergrund. „Der Kunde definiert selbst, was für ihn Sinn 76 diebank 07.2016

BERUF & KARRIERE ó macht. Er sagt uns, was er inhaltlich will, was er persönlich in seinem aktuellen und künftigen Leben braucht und welches Risiko er eingehen möchte“, erklärt Thomas Jorberg die Eigenverantwortung der Kunden. Bei der Frage, ob Gold oder andere Edelmetalle in ein Anleger-Depot gehören, gibt er eine eher salomonische Antwort: „Wenn der Anleger meint, sein Gold gewinne an Wert, stimmt das nicht. Das Geld verliert dann nur an Wert.“ Ökonomie und Ökologie lassen sich Jorbergs Meinung nach nicht trennen. Es dürfe nicht vergessen werden, dass beide Begriffe auf dem gleichen Wortstamm basieren. Für besonders wichtig hält er es in diesem Kontext, dass auf diesem Planeten neue Rahmenbedingungen für die Menschheit geschaffen werden müssen. Eines sei sicher: Wirtschaft müsse stets den Menschen dienen. „Der Mensch muss im Mittelpunkt allen Handelns stehen – er muss sowohl Zentrum als auch Ziel des Handelns sein“, so die Sicht des Bankers. Während das gegenwärtige System auf Profit abziele, müsse es eigentlich um Gewinne für den Menschen gehen. „Die bestehenden Freiheiten dürfen nicht ausgenutzt werden, sie müssen vielmehr sinnvoll und mit klarem Ziel genutzt werden.“ Es müsse nicht um das „Verdienen“, sondern um das „Dienen“ gehen. Das Wirtschafts- und Gesellschaftssystem sei in der Vergangenheit korrumpiert worden, hier sei Aufklärung und Veränderung notwendig, sagt der Bank-Chef. Es gelte, die Dominanz des Gelds zurückzudrängen und ein System zu errichten, das den Menschen diene. Die Frage nach den Bedrohungen der Finanzwelt und der Globalökonomie durch die gigantische Schuldenblase beantwortet Jorberg diplomatisch. „Schulden,“ so stellt er fest, „sind die eine Seite.“ Gleichzeitig warnt er in diesem Kontext aber vor einer zu einseitigen Betrachtung. Denn auf der anderen Seite stellten Schulden ja auch Vermögen dar. „Wenn sich jemand verschuldet, existiert immer auch ein Geldgeber, der Vermögen bilden will“, so Jorberg. Er weiß fl Der Mensch muss im Mittelpunkt allen Handelns stehen – er muss sowohl Zentrum als auch Ziel des Handelns sein. natürlich, dass dieser Gedanke dort an harte Grenzen stößt, wo diese Gleichung lediglich dann zum Tragen kommt, wenn Schulden und Zinsen auch zurückgezahlt werden. Der Banker geht davon aus, dass eine hohe Staatsverschuldung derzeit notwendig ist, langfristig aber ausgeglichen werden muss. Aber der GLS-Vorstandschef kann sich mit der aktuell prekären Situation der Weltwirtschaft nicht wirklich anfreunden. „Wir haben viel zu viel Geld in den Märkten“, benennt er eine der riesigen Schwachstellen des Systems. Und dieser Liquiditätsberg existiere nicht erst seit jener Zeit, als die Notenbanken ihre unverantwortliche Politik des Quantitative Easing begonnen haben. Auf der anderen Seite existiere heute auch ein Anlagenotstand, fordert der Realist Jorberg die Herstellung von Zusammenhängen. Insgesamt sei derzeit bei den Kapitalanlegern eine hohe Risikoaversion festzustellen. Der Kapitalanleger müsse sich grundsätzlich darüber im Klaren sein, dass er in der Regel ein Risiko eingehe. Zum Thema Fehlallokation von Kapital sagt der 57-jährige Banker, Geld werde zu oft dort eingesetzt, wo überhaupt keine größeren Bedürfnisse bestünden. „Und das“, so warnt er, „wird auf Dauer nicht funktionieren, weil es auf zahlreichen Gebieten längst gesättigte Märkte gibt, während andere gesellschaftliche Bereiche wiederum dringend Kapital benötigen.“ Trotz dieser klugen und weitsichtigen Einsichten ist Jorberg kein fl Trotz kluger und weitsichtiger Einsichten ist er kein Lautsprecher der Branche, sondern ein bescheiden wirkender Fachmann. Lautsprecher der Bankenbranche, sondern eher ein bescheiden wirkender Fachmann. Es scheint, als wisse er genau, dass sich die Finanzwelt über kurz oder lang in die von ihm aufgezeigte Richtung bewegen werde. Jorberg spricht von existierenden Verteilungsproblemen. „Wir müssen uns als Mitglieder der Weltgemeinschaft die Frage beantworten, ob wir unbegrenzt weiteres Wachstum im Überfluss anstreben oder lieber die bestehenden Mängel beseitigen wollen.“ Als Beispiel weist Jorberg auf die einerseits hohe Zahl übergewichtiger Menschen und auf die andererseits noch größere Zahl hungernder Menschen in der Welt hin, und die Märkte versuchten den kaufkräftigen Übergewichtigen noch mehr Lebensmittel zu verkaufen, während der Mangel bei den anderen wachse. Und damit kommt der Banker auf die Themen, mit denen er sich praktisch schon sein gesamtes Berufsleben lang beschäftigt, auf Nachhaltigkeit und Werte. Thomas Jorberg wählt im Gespräch immer wieder den Begriff „Aufklärung“. Im Sinn der Nachhaltigkeit müsse man zu dem Ergebnis kommen, dass vieles bei längerer Betrachtung wirtschaftlich zu teuer sei, weil z. B. die entstandenen Schäden mit hohem finanziellen Aufwand wieder bereinigt oder medizinisch behandelt werden müssten. Am Beispiel 07.2016 diebank 77

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