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die bank 07 // 2016

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BETRIEBSWIRTSCHAFT 4.

ó BETRIEBSWIRTSCHAFT 4. materielle und immaterielle Anreize zum risikogerechten Verhalten. Wirtschaftsprüfer oder Bankaufseher können diese Kriterien sicherlich gut überprüfen. Doch aus öffentlich verfügbaren Berichten lassen sie sich praktisch nicht ablesen. Die Professoren Sheedy und Griffin von der australischen Macquarie-Universität messen die Risikokultur in einem Unternehmen mit strukturierten Fragebögen und gleichen die Ergebnisse mit einem von ihnen selbst entwickelten Risk-Culture- Score ab. Sie haben herausgefunden, dass die Risikokultur zwischen einzelnen Banken ebenso variiert wie innerhalb der einzelnen Häuser. Allerdings haben sie ihre Ergebnisse nicht gegen eine unabhängige Messgröße wie z. B. Risikokosten, GuV-Volatilität, Stress-Sensitivität etc. gemappt. Alternativ schlägt Andrew W. Lo, Professor an der US-amerikanischen MIT Sloan School of Management, vor, eine empirisch basierte Methode zu entwickeln, mit der sich das Verhalten von Einzelnen und von Gruppen in Abhängigkeit zu systematischen und idiosynkratischen Faktoren beobachten lässt. Das Kalibrieren einer solchen Funktion erscheint in der Praxis jedoch schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Für den hier vorgestellten, alternativen Ansatz wurden zunächst einige Indikatoren für Risikokultur definiert, die einerseits relevant für die Risikokultur einer Bank sind, und die sich andererseits aus Jahresberichten, Säule-3-Berichten und CSR-Reports der Banken ableiten lassen ” 1. Für eine Gruppe von 81 Banken 1 , die durch die EZB direkt beaufsichtigt wird, konnten dabei für jede Bank individuelle Ausprägungen der Risikokulturindikatoren sowie in der Summe aller ein bankspezifischer Risikokultur-Score bestimmt werden. Dieser Score wurde mit den Ergebnissen aus dem zwischen November 2013 und Oktober 2014 durchgeführten Comprehensive Assessment und Stresstest der EZB validiert ” 2. 1. Netto-Gewinn bzw. Verlust/ Bilanzsumme 2. CET1/Bilanzsumme 3. RWA/Bilanzsumme 4. CET1-Quote 5. Leverage-Quote 6. EWB-Quote 7. Summe aller Anpassungen durch AQR 8. CET1-Quote nach AQR-Anpassung 9. CET1-Quote aus Baseline Szenario 10. Summe aller Anpassungen aus adversem Stresstest von EBA und ECB 11. CET1-Quote nach adversem Stresstest 12. Kapitallücke nach adversem Stresstest Aus dieser Gegenüberstellung ergeben sich folgende Beobachtungen: 1. Es gibt eine, wenn auch schwache, Korrelation zwischen hohem Risiko- 1 Gewichtung von Indikatoren zur Ermittlung eines Risikokultur-Scores Quantil Indikator Wesentliche Eigenschaften und Ausprägungen 10 % 25 % 50 % 75 % 90 % 1 regulatorische Anforderungen 2 Geschäftsstrategie 3 Unternehmensführung Grad der Übereinstimmung mit wesentlichen regulatorischen Anforderungen an das Risikomanagement. Hat die Bank eine wohldefinierte, nachhaltige Geschäfts- und Risikostrategie, im Rahmen derer sich potenzielle Risiken überhaupt identifizieren lassen? Sind Umfang und Qualifikation der Führungsgremien der Bank (Vorstand und Aufsichtsrat) angemessen. 2,50 2,75 3,50 4,00 4,50 2,20 2,60 3,00 3,40 3,80 2,00 2,46 2,92 3,33 3,50 4 Portfolio ausgewählte publizierte Bilanzgrößen als Artefakte der Risikokultur einer Bank. 2,33 2,63 2,89 3,31 3,61 5 Mitarbeiter 6 Implementierung der Risikostrategie 7 Reputation 8 Sondereffekte 9 Kulturindikatoren durchschnittliche Stunden pro Mitarbeiter für Training und Fortbildung; Mitarbeiterfluktuation. Aufbau- und Ablauforganisation sowie Komiteestruktur im Risikomanagement. Welche Risikotypen hält die Bank warum für relevant? Welche individuellen Risiken werden berücksichtigt? Wie stellt die Bank ihre Reputation sowie mögliche Reputationsrisiken dar? Berücksichtigt werden auch aktuelle Rechtsstreitigkeiten sowie der Umgang damit. Einmaleffekte im Risikomanagement, signifikante Anpassungen in der Berichtsperiode. Darstellung der vorherrschenden Kultur in der jeweiligen Organisation, soweit sie in den Berichten erkennbar ist. 1,50 2,50 3,00 4,00 4,50 3,18 3,65 4,19 4,50 4,79 1,90 2,00 3,00 4,00 6,00 2,00 2,00 3,00 3,00 4,00 2,13 2,42 2,81 3,13 3,50 48 diebank 07.2016

BETRIEBSWIRTSCHAFT ó kultur-Indikator und einem hohem Stresstest-Indikator ” 3. 2. Zwei der untersuchten Risikokultur- Indikatoren leisteten einen signifikanten Beitrag, die Ergebnisse des Stresstests zu erklären: a. Governance (Qualifikation und angemessene Größe von Vorstand und Aufsichtsrat) b. Sonder-Effekte (viele Sonderprüfungen, veröffentlichte regulatorische Anpassungen etc.) 3. Im Gegenzug zeigten zwei Stress-Indikatoren ebenfalls signifikante Auswirkungen auf den Risikokultur-Score: a. RWA/Assets b. Leverage Ratio 4. Einige intuitiv erwartete Indikatoren leisteten demgegenüber keinen signifikanten Beitrag: a. Net Profit/Assets b. NPE Ratio c. CET1 Ratio sowie d. Strategie e. Risiko-Strategie f. Reputation Die Festlegung der Risikokulturindikatoren für die 81 betrachteten Banken unterliegt einer gewissen Subjektivität, woraus sich eine mögliche Unschärfe im Ergebnis ergibt. Gleichwohl ist bemerkenswert, welche Indikatoren relevante Relationen ergeben. Die Risikokulturindikatoren, die auf eine stabile Struktur der Bank verweisen, korrelieren mit einem erfolgreichen Abschneiden einer Bank beim Stresstest von EBA und EZB. Andererseits korrelieren ein niedriger Risikogehalt in der Bilanz (RWA/Bilanz) und eine hohe absolute Kapitalquote (Leverage-Quote) mit einem hohen Risikokultur-Score. Damit sollten sich Regulatoren bestätigt fühlen, gemäß Basel III beide Quoten zu überwa- 2 Risikoindikatoren gemäß EZB Comprehensive Assessment Quantil Indikator Erläuterung und Interpretation 10 % 25 % 50 % 75 % 90 % 1 Netto-Gewinn bzw. Verlust/Bilanzsumme je höher, je besser 0,0 % 0,1% 0,3 % 0,6 % 1,4 % 2 CET1/Bilanzsumme 3 RWA/Bilanzsumme Leverage mit Fokus auf hartem Kernkapital - je höher, je besser Risikogehalt der Aktivseite der Bilanz - je niedriger, je besser 2,2 % 3,4 % 5,0 % 8,4 % 11,3 % 19,0 % 27,6% 36,8 % 57,8 % 70,9 % 4 CET1-Quote je höher, je besser 10,0 % 11,3% 14,2 % 17,1 % 24,3 % 5 Leverage-Quote je höher, je besser 2,5 % 3,4% 4,7 % 7,6 % 10,4 % 6 EWB-Quote je geringer, je besser 0,0 % 1,3% 2,5 % 4,0 % 6,8 % 7 Anpassung CET1-Quote durch AQR (in %) 8 CET1-Quote nach AQR-Anpassung 9 Anpassung CET1-Quote aus Baseline Szenario (%) 10 Summe aller Anpassungen aus adversem Stresstest von EBA und EZB (%) vorgenommen durch externen Wirtschaftsprüfer - je geringer, je besser vorgenommen durch externen Wirtschaftsprüfer - je höher, je besser Änderung der Kernkapitalquote nach Basisszenario der EU - je höher, je besser zeigt die „Anfälligkeit“ der Kernkapitalquote gegenüber externen Anpassungen und Stress-Szenarien - je geringer, je besser -1,15 % -0,63 % -0,26 % -0,07 % 0,00 % 9,9 % 10,7 % 14,0 % 16,6 % 23,8 % -2,04 % -0,80 % -0,09 % 0,25 % 0,80 % -9,41 % -5,22 % -3,27 % -1,94 % -0,94 % 11 CET1-Quote nach adversem Stresstest Kernkapital nach hartem Stress - je höher, je besser 6,1 % 7,4 % 9,3 % 12,9 % 22,3 % 12 Kapitallücke nach adversem Stresstest? Benötigt die Bank nach dem Stressszenario eine Kapitalstärkung? Ja = schlecht/Nein = gut - - - - - 07.2016 diebank 49

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