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die bank 07 // 2016

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó FINANZMARKT Märkte

ó FINANZMARKT Märkte haben sich stabilisiert BANKEN IN BENELUX Die niederländischen und belgischen Großbanken zeichnen sich durch eine starke Fokussierung auf die Heimatmärkte aus. Die Geschäftsmodelle der Banken sind zumeist auf Privat- und Firmenkunden sowie Private Banking konzentriert. Dank des guten konjunkturellen Umfelds, der im europäischen Vergleich hohen Zinsmargen und der umgebauten Geschäftsmodelle weisen die führenden Banken der Länder trotz des Niedrigzinsumfelds wieder Milliardengewinne aus. Karl-Heinz Goedeckemeyer Keywords: Geschäftsmodelle, Unternehmensführung, Ausland Der niederländische Bankenmarkt wird von den drei großen Banken ABN Amro Bank (ABN), ING Bank N. V. (ING) und Rabobank Nederland dominiert. Gemeinsam mit den zwei kleineren Wettbewerbern SNS Bank und NIBC erreichen diese fünf Banken einen Marktanteil bei Hypotheken und Depositen von 85 bis 90 Prozent, wie ” 1 zeigt. Schwerpunktmäßig sind die niederländischen Institute im Bereich der Immobilienfinanzierung tätig, wodurch sich auch das Wachstum des Finanzsektors speist. 1 Mit einem Anteil der gesamten Hypothekenfinanzierungen am BIP in Höhe von 95 Prozent weisen die Niederlande weltweit eine der höchsten Quoten auf. Im Zug der Aufarbeitung der Finanzkrise und ihrer Folgen sind die Bilanzen der niederländischen Banken inzwischen deutlich abgeschmolzen. In dieser Zeit haben sich viele Institute von ausländischen Beteiligungen getrennt, mit der Folge, dass sich die Banken wieder auf den Heimatmarkt besonnen haben. Die einzige Bank mit einem nennenswerten internationalen Exposure ist ING. Zum Ende des vergangenen Jahres ist die Großbank ABN Amro – acht Jahre nach der Verstaatlichung – an die Börse zurückgekehrt. Im Jahr 2008 wurde die Bank infolge einer Schieflage für 17 Mrd. € vom Staat aufgekauft, weitere fünf Mrd. € wurden in deren Sanierung gesteckt. Auch die neu formierte SNS Bank, die sich noch im Staatsbesitz befindet, soll wieder privatisiert werden. Im Jahr 2015 profitierten die Institute von der konjunkturellen Erholung auf dem Heimatmarkt sowie von dem sich ebenfalls erholenden Immobilienmarkt. Nachdem die Wirtschaft in den Jahren 2012 und 2013 geschrumpft ist, legte die niederländische Wirtschaft im vergangenen Jahr um 1,9 Prozent yoy zu. 2 Für das Gesamtjahr 2016 wird laut EU-Kommission mit einem BIP-Wachstum von 2,1 Prozent gerechnet. Die Arbeitslosenquote betrug im letzten Jahr 6,9 Prozent und dürfte auch im laufenden Jahr weiter sinken. Wenngleich die Verschuldung der privaten Haushalte im europäischen Vergleich mit 231 Prozent überdurchschnittlich hoch ist, kann die Aktivaqualität der Banken im Schnitt als gut bezeichnet werden. Zum Ende 2015 hat sich die NPL-Quote der Großbanken auf 1,2 Prozent (ABN Amro) bis 3,4 Prozent (NICB) belaufen, wie ” 2 zu entnehmen ist. Die bereits erwähnte hohe Verschuldung der Privathaushalte ist vor allem auf Immobilienfinanzierungen zurückzuführen. Das Volumen an Hypothekenkrediten liegt bei 639 Mrd. € im vierteln Quartal 2015, wobei 82 Prozent auf die Banken entfallen. Deutliche Fortschritte verzeichneten die Institute auch bei der Profitabilität, obwohl diese wegen des zunehmendem Wettbewerbs und der niedrigen Zinsen unter Druck steht. Hinzu kommt, dass die großen Banken abhängig vom Zinsergebnis sind, das ca. 75 Prozent des Nettobetriebsergebnisses ausmacht. Im europäischen Vergleich bewegen sich die Nettozinsmargen mit durchschnittlich 1,45 Prozent zum Jahresende 2015 im oberen Bereich der Skala. Dies wiederum sorgt dafür, dass wieder neue Wettbewerber am Markt auftauchen. Neben ausländischen Banken gilt ein besonderes Augenmerk den Versicherungen, die ebenfalls am Hypothekenfinanzierungsmarkt aktiv sind. Die leicht steigenden Zinseinnahmen haben sich auch in einer erhöhten Eigenkapitalrentabilität der Banken niedergeschlagen. So erreichten die ING und die ABN im Geschäftsjahr 2015 ein RoE von 11,8 bzw. 14,8 Prozent. Die Aufwandsquote der großen fünf Wettbewerber lag im Durchschnitt bei 51,5 Prozent, wobei die SNS mit knapp 42 Prozent die niedrigste Kosten-Ertrags- Relation aufwies. Solide Kapitalquoten Dank der guten operativen Performance konnten die niederländischen Banken ihr regulatorisches Eigenkapital schrittweise verbessern. Infolgedessen verfügen sie über eine solide Kapitalausstattung. Zum Ende des vierten Quartals konnten die Großbanken ihre CET1-Quoten gegenüber dem Vorjahr nochmals verbessern. Mit Ausnahme der ING, die im Geschäftsjahr 2015 auf eine CET1-Quote von lediglich 14 diebank 07.2016

FINANZMARKT ó 11,3 Prozent kommt, bewegen sich die Kapitalquoten der anderen Großbanken im Bereich von 13,2 (Rabobank) bis 20,4 Prozent (SNS Bank). Per Ende Juni 2015 lagen die CET1-Ratios (Fully Loaded) bei 12,9 Prozent. 3 Hinsichtlich der Kapitalpuffer für systemische Banken erfolgt die schrittweise Einführung bis 2019. Dies trifft vor allem ABN Amro, ING und die Rabobank mit jeweils drei Prozent, aber auch die SNS Bank mit einem Prozent. Der antizyklische Kapitalpuffer ist derzeit nicht aktiviert, weil insbesondere das Kreditwachstum im Verhältnis zum BIP- Wachstum unterhalb des Trends liegt. Regulatorik zwingt zur Anpassung der Geschäftsmodelle Niederländische Banken wollen sich mit bereits eingeleiteten und noch durchzuführenden Umstrukturierungen besser auf die anstehenden regulatorische Veränderungen vorbereiten. Diese Maßnahmen stehen auch im Zusammenhang mit den künftig zu erfüllenden TLAC- und MREL-Anforderungen. Vor allem die ING – gemessen an der Bilanzsumme die größte Bank der Niederlande – hat mit dem weiteren Abbau der Beteiligung an der NN Group Anfang 2016 ihre Konzentration auf das Bankgeschäft nahezu abgeschlossen. Im Gegensatz zu den heimischen Wettbewerbern verfügt die Bank nicht nur über eine sehr gute Marktposition im niederländischen Retail Banking, sondern ist auch in vielen Märkten Europas – wie zum Beispiel in Deutschland (26 Prozent Anteil am Vorsteuer-Gewinn) – gut positioniert. Deutlich größere Veränderungen gab es innerhalb der Rabobank. Seit dem 1. Januar 2016 operiert die Gruppe in einer neuen Organisationsstruktur. Die Rabobank (Coöperatieve Centrale Raiffeisen-Boerenleenbank B. A.) bildet seit Jahresbeginn mit den lokalen Genossenschaftsbanken eine rechtliche und organisatorische Einheit, die unter dem Namen „Coöperatieve Rabobank U. A.“ in der Rechtsform einer Genossenschaft firmiert. Das bisher zwischen der Rabobank und den lokalen Genossenschaftsbanken existierende wechselseitige Garantiesystem entfällt damit. 4 Gemäß dem aufgelegten Effizienzprogramm soll das Personal – zusätzlich zu den bereits in den aktuellen Programmen erfassten Kürzungen – nochmals um 9.000 Stellen reduziert werden. Bis 2018 soll die Zahl der Beschäftigten bei rund 40.000 liegen (zum Vergleich: 2012 waren es noch 65.700). Gleichzeitig hat sich die neu strukturierte Gruppe neue Finanzziele gesetzt. So soll die CET 1-Ratio zwischen 14 und 17 Prozent liegen, die Gesamtkapitalquote zwischen 25 und 30 Prozent, die Cost-Income-Ratio soll bis 2020 auf 50 Prozent zurückgeführt und die Eigenkapitalrendite oberhalb von acht Prozent gesteigert werden. Bei der ABN AMRO Group behält der Staat über den Fonds NL Financial Investments (NLFI) noch 77 Prozent der Anteile. Geplant ist ein schrittweiser Ausstieg des Staats aus der ABN. Belgien: Hoch konzentrierter Bankenmarkt Die vier führenden Akteure Fortis Bank, ING Belgium, KBC Bank und Belfius Bank verfügen zusammen über einen Marktanteil von etwa 80 Prozent. Ähnlich wie in den Niederlanden haben sich die belgischen Großbanken wieder auf den Heimatmarkt fokussiert. Rund 77 Prozent der aggregierten Bankaktiva sind auf das heimische Geschäft zurückzuführen. Mit einem großen Engagement in Irland sowie in Zentral- und Osteuropa bildet KBC hier eine Ausnahme. Dank der starken Anbindung an die deutsche Volkswirtschaft hat Belgien die Folgen der Finanzkrise gut bewältigt. Ähnlich wie in den Niederlanden profitieren die Banken von der soliden konjunkturellen Entwicklung sowie vom stetigen Wachstum des heimischen Immobilienmarkts. Aufgrund der niedrigen Verschuldung der belgischen Haushalte, die bei knapp 94 Prozent (2013) des verfügbaren Einkommens liegt, haben sich die Kreditportfolios der Banken in letzter Zeit stabilisiert, sodass ihnen Ratingagenturen eine solide Aktivaqualität bescheinigen. Moody‘s beispielsweise geht davon aus, dass der Druck auf die Kreditportfolios belgischer Banken in den kommenden zwölf Monaten schrittweise nachlassen sollte. Erstmals seit 2010 ist die NPL-Quote belgischer Banken zur Jahresmitte 2015 laut EBA auf 4,3 Prozent gesunken. Mit durchschnittlich fünf Prozent erzielen die belgischen Banken die höchsten Leverage Ratios in Europa. KBC kommt per Ende 2015 auf 6,7 Prozent, die Auslandsbanken ING Belgium und Fortis wiesen 6,6 bzw. 8,9 Prozent aus. Nur Belfius liegt mit 4,65 Prozent unter dem Landesdurchschnitt. Auch bei der risikogewichteten Kapitalausstattung CRR/CRD IV (fully loaded) schneiden KBC und Belfius im europäischen Vergleich mit 16,9 bzw. 15 Prozent gut ab. Aufgrund der stabilisierten Lage genießen die Banken wieder mehr Vertrauen seitens des Kapitalmarkts und können sich kurzfristiges Funding zu sehr guten Konditionen sichern. 1 Marktanteile bei Einlagen und Hypotheken Banken Einlagen Hypotheken Niederlande Rabobank 37 % 33 % ING Bank 19 % 22 % ABN Amro 21 % 23 % SNS Bank 10 % 7 % Belgien Fortis Bank 26 % 24 % ING Belgium 16 % 16 % Belfius Bank 15 % 13 % KBC Bank 20 % 19 % Quelle: LBBW, Thomsen Reuters. 07.2016 diebank 15

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