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die bank 06 // 2022

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

DIGITALISIERUNG

DIGITALISIERUNG INTERVIEW MIT JULIAN GRIGO Das Angebot von Krypto-Währungen wird zum Must-have Noch kann man sich vom Wettbewerb absetzen, wenn man den Handel oder das Zahlen mit Krypto- Währungen ermöglicht. Julian Grigo, Managing Director Digital Assets bei der Berliner Solarisbank, sprach mit „die bank“ über Chancen und Risiken der neuen digitalen Technologie. 52 06 | 2022

DIGITALISIERUNG die bank: Herr Grigo, wie schätzt die Solarisbank aktuell Chancen und Risiken am Krypto-Markt ein? Julian Grigo: Krypto-Währungen haben sich als Anlageklasse am Markt etabliert. Auf Finanzportalen, die Kurse von Aktienindizes, Forex und Rohstoffen berichten, ist auch immer der Kurs von Bitcoin und Ether abzulesen. Im Zuge der schnell steigenden Inflation wird in jedem Zeitungsartikel auf Bitcoin als mögliche Inflationsabsicherung referenziert. Bei der Betrachtung von Chancen und Risiken von Krypto-Währungen möchte ich differenzieren zwischen dem Asset wie Bitcoin und der Krypto-Technologie, wie der Bitcoin- oder Ethereum-Blockchain. Die Chancen und Risiken des Bitcoins als Asset sind stark an seine Volatilität geknüpft, die meistens als Risiko oder gar Nachteil in Politik, Medien und vor allem von Verbraucherschützern beschrieben wird. Ich sehe das anders: Der Preis des Bitcoins stieg von 2011 bis 2021 auf fast 69.000 US-$. Schaut man auf kurzfristige Kursbewegungen, sieht man aber auch Verluste von etwa 80 Prozent binnen kürzester Zeit. die bank: Und wie bewerten Sie die Technologie? Grigo: Auf die Technologie wird zu selten geschaut, da es häufig nur um die Preisentwicklung von Bitcoin, Ether, Solana etc. geht. Der Bitcoin ist keine Aktie, kein Rohstoff, keine herkömmliche Währung oder eine Schuldverschreibung. Krypto-Währungen sind eine komplett neue Technologie, die sich ähnlich wie das Internet in keine bestehende Schublade stecken lässt. Bitcoin zum Beispiel ist ein elektronisches Peer-2-Peer Zahlungs- Netzwerk, das vollkommen dezentral ist. Es ist damit Zensur-resistent. Das ist ein großer Unterschied zu Aktien, die bei einem zentralen Institut eingebucht werden, das wiederum staatlich beaufsichtigt ist. Es ist auch ein Unterschied zu staatlichen Währungen, siehe das Einfrieren russischer US-Dollar- und Euro-Reserven bei der Fed und EZB. Krypto kann man selbst verwahren, man benötigt keinen Intermediär – was diese Eigenschaft angeht, ist es mehr mit dem 50-Euro- Schein zu vergleichen als mit einer Aktie. Krypto hat einen großen Vorteil gegenüber physischem Geld, denn dieses kann ich nicht leicht in kleinsten Einheiten – Bitcoin hat acht Nachkommastellen – binnen Sekunden über den Globus schicken, wenn das Lightning-Netzwerk genutzt wird. die bank: Welche Risiken sind mit den neuen Währungen verbunden? Grigo: Gerade dann, wenn ich meine Krypto-Währungen selbst verwahren möchte, bin ich auch komplett selbst verantwortlich für die Sicherheit der Assets. Fehler in der Verwahrung können zum Totalverlust führen. Deshalb bevorzugen viele Investoren Services, die die Verwahrung für sie übernehmen. Hier spricht man von Krypto-Verwahrern. Dieses Geschäft ist in Deutschland stark reguliert, und Anbieter von Krypto-Verwahrung benötigen eine eigene Erlaubnis von der Ba- Fin in Form einer Krypto-Verwahrlizenz. die bank: Ihr Fazit, wenn Sie Chancen und Risiken gegeneinander abwägen? Grigo: Die Chancen sind den Risiken weit überlegen, da Krypto eine komplette neue Technologie ist. Wir können heute noch nicht ansatzweise abschätzen, welche weiteren Anwendungsfälle auf Grundlage dieser Technologie in Zukunft entstehen werden. Das wahre Potenzial können wir bis heute nur erahnen. die bank: Wie groß ist das Interesse bei Ihren Kunden? Grigo: Das Interesse an Krypto-Währungen bei den Partnern der Solarisbank ist sehr groß. Heute kann man sich noch vom Wettbewerb absetzen, wenn man den Handel oder das Zahlen mit Krypto-Währungen ermöglicht. Das treibt das Kundenwachstum und den eigenen Umsatz. Einen weiteren, sehr interessanten Aspekt kann man an den Zahlen eines großen USamerikanischen Zahlungsdiensts ablesen: Dieser hat durch das Angebot von Krypto- Handel in sein bestehendes Geschäft die Kundeninteraktionen verdreifacht. Mehr Kundeninteraktion führt zu mehr Cross- Selling-Möglichkeiten, und dies trägt wiederum zum Wachstum bei. Gerade viele FinTech-Unternehmen haben das verstanden und gehen in den nächsten Monaten mit eigenen Krypto-Dienstleistungen an den Markt. Ist Krypto heute noch ein Differenzierungsmerkmal, so wird es in Zukunft mehr und mehr ein „Must-have“ für 06 | 2022 53

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