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die bank 06 // 2022

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

REGULIERUNG

REGULIERUNG GREENWASHING-VORWÜRFEN VORBEUGEN ESG-FINANCE- FRAMEWORKS FÜR BANKEN Das Interesse an nachhaltigen Finanzprodukten ist riesig, und damit einhergehend wächst die Aufmerksamkeit für Greenwashing, d. h. Nachhaltigkeitsversprechen, die nicht eingehalten werden. Allerdings fehlt eine einheitliche Definition für nachhaltige Finanzprodukte. Deshalb entwerfen Banken immer häufiger eigene ESG-Finance-Frameworks. Um öffentlichkeitswirksam ein Nachhaltigkeits-Statement zu setzen, können sich Banken dabei inhaltlich an Initiativen internationaler Kreditverbände orientieren. 30 06 | 2022

REGULIERUNG Nachhaltigkeitsfinanzierungen bilden für Banken ein schnell wachsendes Geschäftsfeld, das inzwischen in der Branche als Differenzierungsmerkmal angesehen wird. Ihrer Kommunikationsstrategie folgend vermarkten sie dementsprechend ihr Engagement in diesem Bereich. Spiegelbildlich sind auch Unternehmen an der Verbesserung ihres Nachhaltigkeitsprofils interessiert und fragen deshalb vermehrt nachhaltige Kredite an. Unternehmensfinanzierungen mit einer Nachhaltigkeitskomponente können nicht nur ein strategisch wichtiger Schritt zur Gewinnung neuer Kunden sein, vor allem stellen sie ein margenträchtiges Geschäft dar. Weiter kann das allgemeine Risikoprofil des finanzierten Unternehmens durch eine tatsächlich nachhaltige Unternehmensführung optimiert werden. Zudem können Kreditinstitute die gesteigerte Erwartungshaltung seitens der anderen Marktteilnehmer, dass auch ihre Geschäftsmodelle von Nachhaltigkeit geprägt sind, durch das Anbieten nachhaltiger Kredite erfüllen. Die eigene Reputation am Markt wird durch Nachhaltigkeitsfinanzierungen gesteigert, zumindest wenn diese fester Bestandteil des eigenen Produktportfolios der Bank sind. Eine weitere Motivation stellt die mögliche Herabsetzung der regulatorischen Eigenkapitalunterlegungsanforderungen für grüne Finanzierungen – der sogenannte Green Supporting Factor – dar. Ein Diskussionspapier seitens der European Banking Authority (EBA) wurde am 2. Mai 2022 veröffentlicht, der Final Report ist für das Jahr 2023 geplant. Ob eine solche Herabsetzung kommt, bleibt folglich abzuwarten. Selbstverständlich sind nachhaltige Kredite nicht automatisch risikoärmer, daher ist eine mögliche Herabsetzung umstritten. Zuletzt kann der Bank eine interessante Möglichkeit zur Ausweitung ihrer Refinanzierungsoptionen eröffnet werden, wenn eine anschließende Verbriefung der ausgereichten Nachhaltigkeitsdarlehen in sogenannte Sustainable Securitisations erfolgt. Am Rande sollte noch auf das EU-Gesetzesvorhaben bezüglich einer Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) hingewiesen werden. Die CSRD soll die Non Financial Reporting Directive (NFRD) ersetzen und dazu führen, dass weit mehr Unternehmen einen Nachhaltigkeitsbericht abgeben müssen als bisher. Derzeit sind circa 550 deutsche Unternehmen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet, nach der Einführung der CSRD wären es schätzungsweise 15.000. Zurzeit steht die erste Lesung im Europäischen Parlament an. Der Greenwashing-Vorwurf Wie oben aufgeführt, setzen in Ermangelung einer verbindlichen Definition, die regelt, was ein nachhaltiges Finanzprodukt ist und was nicht, manche Banken selbst Regelwerke für das eigene Haus auf, anstatt auf eine solche verbindliche Definition zu warten. Ohne verbindliche Definition fällt schließlich eine effektive Verteidigung gegen den Vorwurf des Greenwashings, der oft mit einem Täuschungsvorwurf verknüpft wird, schwer. Das Misstrauen, es sei vielleicht nicht alles grün, was auf den ersten Blick grün glänzt, wächst kontinuierlich – genauso wie das Angebot an ESG-Produkten und wie der kommunikative Aufwand, mit dem Finanzinstitute ihre Nachhaltigkeitsbemühungen in ihre Eigendarstellung einbinden. Ein ESG-Finance-Framework kann bei der Entwicklung neuer Produkte ebenso die Richtung vorgeben wie bei der regelmäßigen Überprüfung bereits eingeführter Produkte auf ihre fortbestehende Vereinbarkeit mit den Nachhaltigkeitszielen, die der Markt vorgibt, aber auch mit selbst gesetzten Nachhaltigkeitszielen des eigenen Hauses. Es wirkt einerseits nach innen, also in die eigene Organisation der Bank hinein, und bietet dort allen involvierten Fachbereichen eine Orientierungshilfe bei Zweifelsfragen. Es hilft andererseits dabei, ein konsistentes, homogenes Handeln quer durch die gesamte Organisation der Bank sicherzustellen. 06 | 2022 31

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