Aufrufe
vor 5 Monaten

die bank 06 // 2022

  • Text
  • Wwwbankverlagde
  • Risiken
  • Digitalisierung
  • Omlor
  • Baas
  • Deutschen
  • Markt
  • Fintechs
  • Deutsche
  • Unternehmen
  • Banken
die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT haben. Aktueller

MARKT haben. Aktueller Spitzenreiter in beiden Kategorien ist die Sparda-Bank BW, die einen Score von 7,22 erreichte und sich um 19 Plätze verbessern konnte. Den zweiten Platz unter den Top-Banken belegte Deutschlands größte Sparkasse, die Hamburger Sparkasse, mit einem Wert von 7,04. Es folgten auf den Plätzen drei bis fünf die Postbank, die ING und die Deutsche Bank. Unter den Top-Aufsteigern finden sich weitere klassische Banken. So ist es etwa der Commerzbank und der Postbank gelungen, ihre digitalen Stellhebel richtig zu justieren, was mit dem zweiten und dritten Platz belohnt wurde. Demgegenüber konnten einige zuvor gut platzierte Banken diesmal kein gutes Ergebnis erzielen. Besonders hart hat es N26 getroffen. Die Neobank zählt diesmal zu den Top-Absteigern und belegte unter den Top-Banken nur noch den 17. Platz. Die Studienautoren führen den Abstieg des ehemaligen Branchenprimus auf die komplexer gewordene Menüstruktur zurück, die einem breit gefächerten Produktangebot geschuldet war. Chris Berger, Co-Founder und Geschäftsführer bei Finnoconsult, erklärt das so: „N26 kämpft mit ihrer Profitabilität. Um am Markt mithalten zu können und weiter rasch zu wachsen, hat N26 das Produktangebot daher weiter ausgebaut. Dadurch ist aber auch die Einfachheit des Angebots verloren gegangen.“ Bei N26 hat sich darüber hinaus die Preistransparenz verschlechtert, und einen 14 06 | 2022

MARKT FAZIT Banken sind auf dem besten Weg, sich neu zu erfinden und wieder fest als erste Adresse zu etablieren. Das lässt darauf schließen, dass die in Banken tätigen Führungskräfte die Transformation aktiv angehen und die Stellhebel in die richtige Richtung bewegen. Die starke Ausgangsposition der traditionellen Geldhäuser, die sich mit Beratungskompetenz, Kundennähe und einer tiefen Marktkenntnis umschreiben lässt, dürfte jetzt zum Schlüsselfaktor für eine gelungene Metamorphose werden – vorausgesetzt, dass der Aufbau einer digitalen, schnellen und einfachen Infrastruktur weiterhin so effektiv vonstattengeht. Die Institute auf neue Wege zu führen bedeutet aber auch, sich auf dem neuen Status quo nicht auszuruhen. Auch die mit Banken konkurrierenden Start-ups und FinTechs schlafen nicht. Sie werden alle Hebel in Bewegung setzen, um den traditionellen Banken wieder Marktanteile abzujagen. Mittlerweile gibt es bereits einige erfolgreiche Partnerschaften zwischen traditionellen Banken und FinTechs. Das zeigt, dass Übernahmen oder Kooperationen auf Augenhöhe denkbare, für beide Seiten sinnvolle Transformationsstrategien sein können. Vergleich mit Konkurrenzprodukten gibt es auch nicht mehr. Zudem wurde die Chat-Funktion eingestellt. Aus Sicht der Kundschaft ein fatales Signal, denn die ohnehin limitierten Möglichkeiten, mit der Bank Kontakt aufzunehmen, wurden weiter beschnitten. Und auch zu den Themen Nachhaltigkeit und CSR sind online keine Infos zu finden. Jüngst stand N26 zudem in der Kritik, weil es mehrere Fälle gab, in denen Betrüger N26-Konten als Zwischenstation für Geldwäsche nutzten. Die Bafin monierte Mängel bei der Personalausstattung, woraufhin N26 die Zahl der Mitarbeiter im Kundenservice deutlich erhöhte. Eine ähnliche Entwicklung ist laut den Studienautoren in der Schweiz und Österreich zu erkennen. Auch dort gibt es vergleichbare Neo- und Direktbanken, die sich mit zunehmender Größe schwer damit tun, weiterhin innovativ, schlank und attraktiv zu bleiben. Zugleich ist laut der Studie in der Bankenwelt ein wohl wichtiger Trend zu beobachten, der sich wie folgt umschreiben lässt: Immer mehr Banken setzen auf Programme zur Steigerung der Kundenloyalität sowie auf sichtbare Nachhaltigkeitsinitiativen. So bieten 97 Prozent aller analysierten deutschen Banken Initiativen zur Kundenbindung an, und auch das Thema Nachhaltigkeit bettet sich immer stärker in die Digitalpräsenz ein. „Wir sind überzeugt, dass durch eine smarte Kombination von regionaler Präsenz mit attraktiven Angeboten in diesen Dimensionen die Beziehungen zu den Bestandskunden dauerhaft gestärkt werden können. Ein wesentlicher Baustein bei der Verteidigung der Kundenschnittstelle“, so Berger. Das Risiko wächst Der FinTech-Boom birgt also auch Risiken. Nicht nur, weil Fin- Techs nicht auf langjährige Kundenbeziehungen setzen können, sondern auch aufgrund ihrer eher lockeren Bedingungen. Diese erhöhen das Kreditausfallrisiko sowie das Risiko, Opfer von Cyber- Attacken und Geldwäsche zu werden. Das schadet der Profitabilität und könnte im schlimmsten Fall gar zur Pleite führen. In der Praxis sind derartige Szenarien bereits Realität geworden: So hat das Berliner Start-up Remagine Insolvenz anmelden müssen. Remagine galt als aufstrebend, hatte mehrere Talente von N26 abgeworben und sich auf die umsatzbasierte Finanzierung von Unternehmen spezialisiert. Dafür standen Anfang des Jahres 20 Mio. € zur Verfügung. Offenbar gelang es dem FinTech aber nicht, rechtzeitig neue Investoren für die Idee zu begeistern. Das junge Unternehmen Butterart, das auf Firmen-Kreditkarten setzte, verschwand schon kurz nach dem Start wieder von der Bildfläche. Und auch der Hamburger Factoring-Anbieter Flex Payment geriet in den vergangenen Monaten in eine Krise, da durch Corona die Nachfrage erheblich eingebrochen ist. Autorin Carmen Mausbach. Die Diplom-Kauffrau ist seit 2002 als freie Wirtschaftsjournalistin tätig. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist die redaktionelle Mitarbeit im Bus-Netzwerk für betriebswirtschaftliche und steuerliche Fachinformationen. 06 | 2022 15

die bank

© die bank 2014-2020