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die bank 06 // 2021

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT DER DIGITALE EURO

MARKT DER DIGITALE EURO Ein Versuch der EZB, in die Offensive zu gehen Der Druck auf die Notenbanken nimmt weltweit zu. Bargeld, als öffentlicher Zugang zu Zentralbankgeld, verliert in zahlreichen Ländern an Bedeutung. Außerdem müssen sich die Verantwortlichen möglicherweise auf absehbare Zeit mit globaler Konkurrenz für ihre eigenen Währungen auseinandersetzen. Der Euroraum bildet hier keine Ausnahme. Vor diesem Hintergrund unternimmt die Europäische Zentralbank mit ihren Plänen für den digitalen Euro den Versuch, aus der Defensive zu kommen und die Debatte über digitale Zentralbankwährungen mitzugestalten. Die Diskussion um digitale Zentralbankwährungen (Central Bank Digital Currency, CBDC) hat in den vergangenen Jahren deutlich an Dynamik gewonnen. Weltweit haben Zentralbanken Projekte mit dem Ziel aufgelegt, die Einsatzmöglichkeiten und Merkmale einer eigenen CBDC zu erforschen. Wesentliche Treiber dieser Entwicklung sind eine bereits seit Jahren zu beobachtende, rückläufige Bargeldnutzung in zahlreichen Ländern – darunter vor allem der skandinavische Raum –, eine zunehmende Prominenz von Kryptowährungen wie Bitcoin sowie veröffentlichte Pläne zugunsten der Einführung einer privaten, globalen Einheitswährung in Form eines Blockchain-basierten Stablecoins (Libra/Diem). Hinzu kommt, dass einzelne Nationen, allen voran China, in der Entwicklung einer digitalen Variante des eigenen Zentralbankgelds für ihre Bürger schon weit fortgeschritten sind und auf Sicht der nächsten ein bis zwei Jahre mit einem verbreiteten Einsatz zu rechnen ist. Im vergangenen Herbst hat die CBDC- Debatte auch im Euroraum merklich an Kontur gewonnen. So veröffentlichte die Europäische Zentralbank im Oktober 2020 ihren Bericht zum „digitalen Euro“. Hierin wurde definiert, was die EZB unter diesem Begriff versteht. So sollen beispielsweise alle Bürger Zugang zu dieser neuen Form von Zentralbankgeld erhalten (Retail CBDC). Eine Begrenzung des Nutzerkreises, vorrangig auf Finanzinstitute, ist nicht vorgesehen (Wholesale CBDC). Zugleich wurden mögliche Szenarien skizziert, in denen die Einführung einer EWU-CBDC nach Einschätzung der Notenbankvertreter notwendig wird. Diese reichen von einem fortschreitenden, signifikanten Bedeutungsverlust von Bargeld als Zahlungsmittel bis hin zu einer Bedrohung des Euro als dominierende Währung innerhalb der EWU. An anderen Stellen bleibt der Bericht der EZB hingegen wenig konkret, so zum Beispiel, ob bei der neuen Geldform eine kontenbasierte Lösung angestrebt wird oder es sich um ein Inhaberinstrument handeln soll, wie das bei heutigem Bargeld der Fall ist. Die endgültige Entscheidung vonseiten des EZB-Rats, ob das Projekt digitaler Euro tatsächlich in Angriff genommen wird, steht zwar offiziell noch aus und wird für den Juli erwartet. Äußerungen von EZB-Vertretern in den vergangenen Wochen 24 06 // 2021

MARKT und Monaten lassen jedoch darauf schließen, dass die Weichen zugunsten einer EWU-CBDC bereits weitestgehend gestellt sind. Neue Herausforderungen für den Euro Mit der fortschreitenden Digitalisierung haben sich die Ansprüche der Bürger gegenüber dem, was Geld heutzutage leisten können soll, geändert. Einfach, schnell, sicher, komfortabel und im Internet anwendbar sollte es sein. Da überrascht es kaum, dass Bargeld in den Augen vieler nicht mehr zeitgemäß erscheint. Hinzu kommt der zunehmende Einsatz der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) bei den Unternehmen, gerade im verarbeitenden Gewerbe. Längerfristig wird sich das Potenzial dieser Technologie in der EWU nur dann vollumfänglich heben lassen, wenn es gelingt, eine Euro-denominierte, Blockchainbasierte Geldform zu etablieren. Sowohl das Eurosystem als auch die privaten Kreditinstitute des Euroraums müssen sich diesen veränderten Rahmenbedingungen stellen. Dies gilt umso mehr, als dem hiesigen Geld- und Währungssystem in den nächsten Jahren ein zunehmender internationaler Wettbewerb mit Lösungen von global agierenden Technologie-Konzernen und digitalen Währungen ausländischer Zentralbanken bevorstehen könnte. Sollte der Euro seinen Status als dominierende Währung in der Volkswirtschaft der EWU verlieren, wäre dies nicht nur ein Reputationsverlust für die Europäische Zentralbank. Vielmehr wäre eine effektive, auf Preisstabilität im eigenen Währungsraum ausgerichtete Geldpolitik unter diesen Umständen nicht mehr möglich. Auf der Suche nach der richtigen Antwort Ignorieren kann das Eurosystem eine derartige Perspektive zwar sicherlich nicht, mag die Eintrittswahrscheinlichkeit derzeit auch vergleichsweise gering sein. Gleichzeitig muss es aber darum gehen, eine für die EWU passende Antwort auf die bestehenden Herausforderungen zu finden. So wäre zwar durchaus denkbar, dass die EZB eine oder gar mehrere digitale Zentralbankwährungen entwickelt, um einer veränderten Anspruchshaltung von Bürgern und Unternehmen umfassend zu begegnen. Allerdings wären die zu erwartenden Auswirkungen auf das bestehende Geld- und Finanzsystem gravierend. Einlagen bei Banken und Sparkassen würden in direkter Konkurrenz zum risikolosen, digitalen Euro stehen, wodurch sich die Refinanzierungsbedingungen aufseiten der Finanzinstitute wesentlich verschlechtern könnten. Sollten die Geschäftsbanken ihre Rolle als Vermittler zwischen Sparer und Kreditnehmer nicht mehr adäquat ausüben können (strukturelle Disintermediation), wäre eine angemessene Versorgung der Volkswirtschaft mit Krediten nicht mehr gewährleistet. Die effiziente Allokation von Ressourcen würde beeinträchtigt, mit signifikanten Wachstumsverlusten bei der Wirtschaftsleistung wäre zu rechnen. Besondere Schlagkraft könnte die Konkurrenzsituation zwischen dem digitalen Euro und dem Buchgeld der Geschäftsbanken zudem in einem möglichen Krisenszenario entfalten. Dabei wird unterstellt, dass im Zuge eines sogenannten digitalen Bank Run – verglichen mit den aktuellen Rahmenbedingungen – sehr viel mehr Einlagen in kürzerer Zeit, quasi per Mausklick oder Wischgeste, abgezogen und in das sichere Zentralbankgeld umgeschichtet werden. Auch ein größeres Anste- 06 // 2021 25

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