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die bank 06 // 2021

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT

MARKT ZENTRALBANK-STRATEGIEN RUND UM COVID-19 DIE BANKEN EINGESETZT, UM PANDEMIE-FOLGEN ZU LINDERN Die meisten geldpolitischen Instrumente spiegeln die beiden Hauptaufgaben einer modernen Zentralbank wider: die Rolle als Kreditgeber der letzten Instanz und die Festlegung des geldpolitischen Kurses. Darüber hinaus haben viele Zentralbanken zumindest einige regulatorische und aufsichtsrechtliche Verantwortlichkeiten und sind zunehmend um die Finanzstabilität besorgt. All diese Aufgaben wurden während der COVID-19-Krise im vergangenen Jahr zu entscheidenden Elementen der politischen Bemühungen. Die Verantwortung der Rolle als Kreditgeber der letzten Instanz (Lender of Last Resort, LOLR) einer Zentralbank verlangt, dass sie das Finanzsystem mit ausreichender Liquidität versorgt. Das ist besonders wichtig in Zeiten schwindender Marktliquidität und eines „Dash for Cash“, wie es im letzten Jahr beim Auftreten von Covid-19 wieder einmal deutlich wurde. Als Reaktion auf die Pandemie weiteten alle großen Zentralbanken ihre Programme zur Bereitstellung von Liquidität schnell aus. Die meisten Zentralbanken der Industrieländer lockerten auch ihre qualitativen Anforderungen an die hinterlegten Sicherheiten. Im Hinblick auf internationale oder FX- Liquidität stellten die Fed und in geringerem Maße die EZB anderen Zentralbanken weltweit Liquidität, über Swap-Fazilitäten für wichtige Zentralbanken seit Mitte März, zur Verfügung. Um den Verkauf von US-Anleihen in illiquiden Märkten zu verhindern, richtete die Fed außerdem eine neue Repo-Fazilität ein, über die Zentralbanken, die keinen Zugang zum Swap-Fenster hatten, US-Dollar gegen US-Treasuries und andere qualifizierte Sicherheiten leihen konnten. Die US-Notenbank Fed hat am 12. März 2020 ihre Open-Market-Operationen ausgeweitet, indem sie zusätzlich zu den Standard Overnight-Transaktionen Termingeschäfte anbot und sogar dazu überging, mehrere Auktionen pro Tag abzuhalten, als die Liquiditätsnachfrage in die Höhe schnellte. Am 15. März 2020 beschloss das Federal Open Market Committee (FOMC), die Mindestreserve für alle Tranchen auf Null zu setzen und damit zusätzliche Liquidität bereitzustellen. Die Europäische Zentralbank hingegen verhinderte eine mögliche Kreditklemme, die durch die kurzfristigen Liquiditätssorgen der Banken ausgelöst wurde, indem sie am 12. März 2020 eine zusätzliche wöchentliche Überbrückungsfinanzierung bis zur (zuvor für Juni geplanten) ersten Targeted Longer-Term Refinancing Operation (TLTRO) III ankündigte. Gleichzeitig lockerte die EZB die Bedingungen für alle TLTROs zwischen Juni 2020 und 2021 in mehrfacher Hinsicht, u. a. indem sie die Konditionen für Banken, die ihre Kreditvergabe an die Wirtschaft nicht reduzieren, besonders attraktiv machte. Am 7. April letzten Jahres folgte die EZB mit einem Paket temporärer Maßnahmen zur Lockerung der Anforderungan an den Sicherheitenpool, um die Teilnahme am TLTRO zu erleichtern, einschließlich der Akzeptanz griechischer Schuldtitel und der Reduzierung der Bewertungsabschläge. In einem weiteren Schritt hatte die EZB am 30. April die anstehenden TLTROs noch einmal rekalibriert und den Zinssatz auf -0,5 Prozent und auf -1,0 Prozent für Banken, die sich für die Verleihungsuntergrenze qualifizieren, angepasst. Zudem wurde der Beginn der Frist für die Beleihungsprüfung auf den 1. März vorverlegt. Gleichzeitig kündigte die EZB zusätzliche monatliche pandemiebedingte längerfristige 20 06 // 2021

MARKT Refinanzierungsgeschäfte (PELTROs) an, um die im März angekündigten Brücken- LTROs mit Fälligkeiten im 3. Quartal 2021 zu ersetzen. In der geldpolitischen Sitzung am 10. Dezember 2020 verlängerte die EZB die günstigen TLTRO-Konditionen um ein ganzes Jahr, bis Juni 2022 und erhöhte die Kreditaufnahmeberechtigung der Banken. Andere Zentralbanken ergriffen im März 2020 ähnliche Maßnahmen zur Unterstützung und Ausweitung der inländischen Repo- und damit verbundenen Märkte. Tatsächlich haben die meisten Zentralbanken auf der ganzen Welt Schritte unternommen, um das Bankensystem direkt über einen robusteren Repo-Markt zu unterstützen, der oft auch mittelfristige Kreditvergabe gegen Sicherheiten umfasst. Viele Zentralbanken haben auch separate Kreditprogramme eingeführt, um den Unternehmenssektor zu unterstützen. In diesem Abschnitt werden nur ausgewählte Beispiele unter den G- 10-Zentralbanken hervorgehoben. So führte die Bank of England ein neues Term Funding Scheme for Small and Medium-Sized Enterprises (TFSME) ein, um diesem speziellen Segment von Unternehmen eine maßgeschneiderte Finanzierungsmöglichkeit zu bieten. Die BoE fügte auch die neue Covid Corporate Financing Facility hinzu, ein Programm, das sich an größere Unternehmen richtet, die in Zusammenarbeit mit dem HM Treasury und der Contingent Term Repo Facility (CTRF) Commercial Paper emittieren. Japan kündigte ebenfalls Maßnahmen zur Unterstützung des Repo-Markts an. In Schweden fügte die Riksbank wöchentlich unbegrenzte Term-Repo-Fazilitäten (mit Laufzeiten von drei und sechs Monaten) hinzu, um die Banken mit angemessener Liquidität zu versorgen. Außerdem beschloss sie, den Banken für zwei Jahre 500 Mrd. SEK gegen Sicherheiten zu leihen, um Unternehmenskredite zu fördern. Allerdings haben nur sehr wenige Zentralbanken den Kreis der Geschäftspartner über die traditionellen Banken hinaus erweitert. Ausnahmen sind z. B. die Fed, die Bank of Japan (BoJ) und die Riksbank, die Ende März 2020 auch Nicht-Bank-Finanzinstitute (Genossenschaften) einbezog. Ähnlich wie die Fed führte auch die Reserve Bank of India einen Unterstützungsmechanismus für Investmentfonds ein. In China erfolgte die Bereitstellung von Liquidität für Nichtbanken hauptsächlich über die sogenannten Policy Banks. Leitzinsen gesenkt, aber nicht unter Null Was das zweite wichtige geldpolitische Instrument betrifft, so haben viele Zentralbanken auf der ganzen Welt – sowohl in Industrie- als auch Schwellenländern – die Zinsen als Reaktion auf den Nachfrageschock gesenkt. Ein interessantes Merkmal dieses globalen Zinssenkungszyklus ist, dass alle Zentralbanken der Industrieländer, die Zinssenkungen vornahmen, diese de facto auf Null aber nicht weiter gesenkt haben. Tatsächlich scheint die Hürde für Zinssenkungen in den negativen Bereich relativ hoch. Andererseits haben alle drei G-10-Zentralbanken, die bereits vor der Pandemie negative Leitzinsen hatten – die EZB, die BoJ und die Schweizerische Nationalbank (SNB) – seit März letzten Jahres keine Zinssenkung mehr vorgenommen. Die Hälfte der von den Zentralbanken der G-10-Staaten vorgenommenen Leitzinssenkungen (315 Basispunkte von insgesamt 655 Basispunkten 1 ) erfolgte in der dritten Märzwoche, nachdem die Fed ihre reguläre Sitzung um einige Tage vorgezogen hatte. Am Sonntagabend, dem 15. März, senkte die Fed die Funds Target Rate um 100 Basispunkte und brachte sie damit auf Null – ein klares Signal an die Welt, wie besorgt das 06 // 2021 21

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