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die bank 05 // 2021

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

BERUF & KARRIERE zurzeit

BERUF & KARRIERE zurzeit verstärkt auch Interim-Manager und Zeitarbeiter“, beobachtet etwa Sproedt-Graef. „Wir werden in diesem Jahr mehrere hundert Stellen besetzen“, sagt Auerbach. „Wir suchen nach wie vor sehr stark, vor allem Spezialistenprofile und Nischenpositionen“, erklärt Nicole Schalke, Leiterin Talent Sourcing bei der Deutschen Bank. Konkret: IT-Fachkräfte, Experten für Agilität, Risikomanagement sowie Regulatorik (Anti-Financial Crime, Compliance), aber auch Mitarbeitende mit starkem Vertriebshintergrund für die Beratung von Kunden. Auch die Commerzbank baut nicht nur ab, sondern auch auf. 2.500 Arbeitsplätze sollen in den nächsten Jahren neu hinzukommen. Die SolarisBank will von zuletzt 400 auf 500 Mitarbeitende aufstocken, sucht Software-Entwickler sowie Experten für Legal, Compliance und Risk Management. Innerhalb der Institute würden vermehrt Prämien ausgelobt, wenn Mitarbeiter neue Kollegen suchen und finden würden, beobachtet Vanessa Sproedt-Graef. Mehr Chancen für Azubis und Quereinsteiger Den gestiegenen Bedarf an Nachwuchskräften spiegelt die Ausbildungsquote wider. War diese laut AGV Banken seit 2010 kontinuierlich gesunken, zog sie zuletzt wieder an. Bei Schulabgängern gilt der Beruf immer noch als attraktiv. Für die insgesamt 17 Ausbildungsberufe und dualen Studiengänge in der Deutschen Bank und Postbank etwa habe man unter 22.000 Bewerbern 570 auswählen können, sagt Katja Hain, Leiterin des strategischen Teams der Ausbildung und Nachwuchsgruppen. „Bei der Deutschen Bank profitieren Auszubildende und dual Studierende von zahlreichen zusätzlichen Trainings, Workshops, Planspielen sowie Veranstaltungen und können sich auch sozial engagieren, so Hain. Doch auch die Bank gewinnt. „Unsere Auszubildenden und dual Studierenden tragen entschieden zum künftigen Erfolg der Bank bei, indem sie die Organisation diversifizieren und Fähigkeiten aufbauen, die an den Erfordernissen der künftigen Arbeitskräfte sowie den Kunden der Zukunft ausgerichtet sind.“ Um diese digitalen Talente gewinnen zu können, hat die Deutsche Bank im vergangenen Jahr die Präsenz der Marken Deutsche Bank und Postbank in Online-Portalen, auf virtuellen Messen sowie in den sozialen Medien verstärkt. Neben den klassischen Bankkaufleuten brauchen die Banken bei ihrer Transformation zu Technologie-Unternehmen zudem verstärkt andere Profile und Kompetenzen. Das bietet Chancen für Quereinsteiger auch aus finanzfernen Branchen wie Technologie-Unternehmen. „Viele der in der Zentrale zu besetzenden Positionen sind keine klassischen Bankprofile. In vielen Infrastrukturfunktionen ist eine Bankausbildung nicht notwendig, sondern es zählen eher die relevante Berufserfahrung bzw. ein entsprechendes Studium“, so Nicole Schalke. Für Schwung am Arbeitsmarkt sorgen zudem die mittlerweile mehr als 700 Fin- Techs. Jedes fünfte deutsche FinTech beschäftige mehr als 50 Mitarbeitende, im Start-up- Ökosystem insgesamt seien es nur fünf Prozent, heißt es im „FinTech Startup Monitor 2021“. Dass beim Thema Frauen in Führungspositionen – egal ob beim FinTech oder der Traditionsbank – dringend Handlungsbedarf besteht, scheint sich zumindest langsam durchzusetzen. Laut AGV Banken stieg deren Anteil 2019 bei privaten Banken um magere 0,6 Prozentpunkte auf 34,3 Prozent. Das soll sich ändern. „Neben den gesetzlichen Vorgaben zur Frauenquote in Führungsrollen haben sich einige Bereiche eigene Diversity- und Inclusion-Ziele auferlegt, die den Rekrutierungsprozess beeinflussen“, sagt Schalke. Die Deutsche Bank wolle zunehmend weibliche Digital-Talente anziehen und kooperiere deshalb zum Beispiel mit den „Global Digital Women“. Es wächst offenbar die Erkenntnis, dass Unternehmen mit diversen Teams erfolgreicher, kreativer und produktiver sind. „Wir steigern somit unsere Innovationsfähigkeit. Unterschiedlicher beruflicher und kultureller Hintergrund sorgen für neue Sichtweisen und Denkansätze, Vielfalt prägt gute Arbeitsatmosphäre und somit Zufriedenheit und Motivation“, unterstreicht Schalke. Auch die Solarisbank will die Frauenquote erhöhen. „Wir lassen uns gerade beraten, um auf diesem Feld noch besser zu werden“, sagt Stephanie Schumacher, VP People & Organisation. Wichtig ist es für sie, zu handeln. „Wir prüfen zum Beispiel regelmäßig, ob es einen Gender-Pay-Gap gibt.“ Die letzte Analyse habe keine Unterschiede gezeigt. Zudem unterstütze die Bank Mitarbeitende nach der Elternzeit bei ihrer Rückkehr. Auch Stellenausschreibungen gestaltet die Solarisbank heute bewusst so, dass sie für Männer und Frauen gleichermaßen einladend und nicht mit unrealistischen Anforderungen überfrachtet sind. Arbeiten in der Bank wird immer digitaler Nicht nur diverser, auch noch deutlich digitaler wollen die Institute werden. „Aktuell besetzen wir überwiegend Positionen für die Transformation der Finanzdienstleistungsindustrie“, sagt Berater Montalbetti. Die besten Chancen bei der Suche nach Top-Talenten hätten Institute, die ihre Prozesse schon stärker digitalisiert hätten. „Die Bewerber wollen die Branche mitprägen, das übt einen großen Reiz aus.“ Fündig werden die Banken u. a. bei Fin- Techs, die vermehrt sichere Arbeitsplätze bieten. Stärker sei allerdings nach wie vor die Bewegung von Banken zu FinTechs. „Für die FinTechs sind die Banker mit ihrer Erfahrung inklusive BaFin-„Führerschein“ und auch wegen ihrer Netzwerke für die Stärkung des Vertriebs interessant“, so Montalbetti. In der Regel sei das Fixgehalt zwar niedriger, aber über die 56 05 // 2021

BERUF & KARRIERE Mitarbeiterbeteiligung könnte sich ein Wechsel rechnen. „Letztlich ist das eine Wette.“ Bei der HVB beobachtet Christoph Auerbach eine Wechselbereitschaft in beide Richtungen. Es gebe aber auch bereits erste Rückkehrer von Bankern aus der Welt der Fin- Techs. Jedoch kämpft auch die digital so versierte Szene um Tech-Talente. Die Solarisbank baute eigens einen Tech-Hub in der Ukraine auf, um vor Ort Freelancer zu rekrutieren. Der in München ansässige Robo- Marktführer Scalable Capital gründet eine Berliner Dependance, um dortigen „Tech- Talenten“ einen „Anlaufpunkt zu bieten“, so CEO Erik Podzuweit. Die Institute wollen sich querbeet diverser, digitaler und schließlich nachhaltiger aufstellen. Um die Mitarbeiter fit zu machen für eine grünere Zukunft, hat etwa die HypoVereinsbank im vergangenen Jahr als erste deutsche Bank Schulungsprogramme mit der European Business School entwickelt, jeweils zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Firmenkunden- und der Privatkundenbetreuer. Themen sind zum Beispiel die Transformation der Wirtschaft, wissenschaftliche Grundlagen des Klimawandels, nachhaltige Unternehmensfinanzierungen, Taxonomie, nachhaltige Risikostrategien, illiquide Anlagen sowie Mythen rund um nachhaltige Geldanlagen. „Neben einem überzeugenden ESG- Produktangebot und innovativen Beratungstools machen der Mindset und das Knowhow der Mitarbeitenden in der Beratung zu Nachhaltigkeitsthemen den Unterschied“, ist Personalleiter Auerbach überzeugt. Die ausgebildeten Kollegen, die eine Zertifizierung als „Sustainable Finance Expert“ erhalten, fungierten mit ihrer hohen Kompetenz in diesem Bereich als Botschafter des Nachhaltigkeitsgedankens. „Immer mehr Banken werden auch auf dem C-Level einen Chief Sustainability Officer verankern“, ist Berater Montalbetti überzeugt. In der Technologiebranche, etwa bei Apple, sei nachhaltiges Wirtschaften sogar schon Teil der erfolgsabhängigen Vergütung. Ökobanken wie die GLS Bank oder die niederländische Triodos Bank machten vor, wie erfolgreich grüne Finanzprodukte seien. Punkten will die HypoVereinsbank zudem mit ihrem Social Impact Banking, das sie 2019 startete und mit dem sie Unternehmen und Organisationen unterstützt, die eine messbare positive gesellschaftliche Wirkung haben sowie die Finanzbildung in der Bevölkerung fördern. „Heute hinterfragen die Mitarbeitenden viel stärker als früher, welchen gesellschaftlichen Beitrag sie mit ihrer Arbeit leisten. Mit ihrem Engagement für Social Impact Banking oder auch bei anderen sozialen Initiativen der Bank haben sie die Möglichkeit, sich einzubringen“, unterstreicht Auerbach. Um das soziale Engagement zu fördern, gewährt die Bank bis zu zwei Tage Sonderurlaub. 05 // 2021 57

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